Argentinisches U-Boot Explosion im Meer am Tag des Verschwindens

Kurz nach dem letzten Funkkontakt zum verschollenen U-Boot ARA "San Juan" gab es im Meer ein verdächtiges Geräusch. Nach Angaben der argentinischen Marine ist dieses typisch für eine Explosion.

U-Boot ARA San Juan
Juan Sebastian Lobos/Argentinische Marine/DPA

U-Boot ARA San Juan


Die argentinische Marine geht offenbar davon aus, dass sich am Tag des Verschwindens eines ihrer U-Boote in derselben Meeresregion eine Explosion ereignet hat. Ein Geräusch, das nahe der letzten bekannten Position der ARA "San Juan" bemerkt worden war, sei typisch für eine Explosion, teilte die Marine unter Berufung auf einen Bericht von US-Behörden mit.

Ob sich die Explosion an Bord des U-Boots ereignete, ist weiterhin unklar. Die Marine habe noch nicht genug Informationen, um etwas über die Ursache oder einen möglichen Angriff auf die ARA "San Juan" sagen zu können, sagte ein Marine-Sprecher. Das Geräusch war wenige Stunden nach der letzten Funkmeldung in etwa 30 Seemeilen Entfernung registriert worden. An Bord des U-Boots sind 43 Männer und eine Frau.

Die ARA "San Juan" ist inzwischen seit über einer Woche vom Radar verschwunden. 14 Schiffe und zehn Flugzeuge aus mehreren Ländern sind an dem Einsatz beteiligt. Das norwegische Schiff "Skandi Patagonia" mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug (ROV) und weiterer Ausstattung der US-Navy zur Tiefseebergung an Bord wurde zu dem Standpunkt geschickt, an dem das verschollene U-Boot nun vermutet wird. Ein weiteres Schiff soll mit einem Mini-U-Boot an Bord folgen, das ebenfalls von der US-Marine für eventuelle Bergungsversuche am Meeresgrund eingesetzt werden soll.

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U-Boot ARA "San Juan": Verschollen im Südatlantik

In der patagonischen Hafenstadt Comodoro Rivadavia wurde das regionale Krankenhaus auf Anforderung der argentinischen Marine in Bereitschaft versetzt. Alle geplanten Operationen wurden verschoben und vier Säle freigehalten, um die Besatzungsmitglieder des U-Boots gegebenenfalls einliefern zu können. Zu den Aussichten, die Besatzungsmitglieder des U-Boots zu retten, sagte Marinesprecher Enrique Balbi: "Wir sind in einer sehr gefährlichen Lage und in einer, die sich verschlimmert."Nach den Berechnungen von Experten hätte der Sauerstoff an Bord des U-Boots bis maximal Mittwoch gereicht, wenn es seit der letzten Funkmeldung nicht mehr an der Wasseroberfläche war.

Das U-Boot des Typs TR 1700 wurde von den damals dem Thyssen-Konzern gehörenden Nordseewerken in Emden gebaut und 1985 der argentinischen Kriegsmarine übergeben. "Unsere Gedanken gelten nun der Besatzung und ihren Familien. Wir hoffen inständig, dass das U-Boot zügig gefunden wird", erklärte ein Werftsprecher.

brk/dpa/AFP

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Oberleerer 23.11.2017
1.
Die armen Teufel! Ein bewaffnetes U-Boot ist auch in Friedenszeiten ein lebensgefährlicher Arbeitsplatz. Eine Explosion ist naheliegend, weil ein Brand oder Rauchgas in einem U-Boot sicher signalisiert werden und ständig darauf trainiert wird. Bei dem kleinen U-Boot ist beansprucht der Torpedoraum sicherlich 1/4 bis 1/3 des Platzes. Eine Explosion in dem kleinen Hohlraum, ringsum von Wasser zusammengepresst, zerstört alles im Sekundenbruchteil. Bei der Kursk überlebten nur eine Handvoll Matrosen im hintersten Heckteil, trotz >100m Länge und daß viel Energie durch den abgerissenen Bug ins Wasser geleitet wurde. Diese Unfälle "ohne Strom am Meeresgrund liegen bis die Luft ausgeht" sind dann wohl eher selten. Zu Friedenszeiten können die Überlebenden zumindest um Hilfe klopfen, wie auf der Kursk. Die hat dann das russische Oberkommando aus Eitelkeit verenden lassen. Bei einer Explosion auf solch einem kleinen Volumen oder bei einem Hüllenbruch geht es dann aber schnell. Sekundenpruchteil schnell.
cindy2009 23.11.2017
2. @oberleerer
'----Zu Friedenszeiten können die Überlebenden zumindest um Hilfe klopfen, wie auf der Kursk. ---" Woher haben Sie die Informationen, dass die Besatzung der Kursk noch Lebenszeichen von sich gab?
hyperlord 23.11.2017
3.
Zitat von cindy2009'----Zu Friedenszeiten können die Überlebenden zumindest um Hilfe klopfen, wie auf der Kursk. ---" Woher haben Sie die Informationen, dass die Besatzung der Kursk noch Lebenszeichen von sich gab?
Vielleicht nicht geklopft, zumindest aber noch Notizen per Bleistift gemacht.
hyperlord 23.11.2017
4. Erschreckend
Es ist immer wieder erschreckend, wie angesichts der menschlichen Tragödie solche Informationen erst so spät an die Öffentlichkeit gelangen. Mit der Tatsache, dass es in der gleichen Region, in der sich das U-Boot zuletzt befunden hat, eine Explosion ereignet hat, ist der Drops gelutscht: die Chance, dass das nichts mit dem U-Boot zu tun hatte, dürfte gegen 0 gehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass zumindest die USA schon sehr früh wussten, was da wo passiert ist - genau dafür haben sie ja das SOSUS Netzwerk gebaut. Am Schicksal der Besatzung ändert das erstmal wenig, aber man hätte den Angehörigen tagelanges Bangen & Hoffen ersparen können.
shuffle 23.11.2017
5. wir können nicht helfen
...aber wir können für die Opfer und ihre Familien beten.
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