Bericht der "Washington Post" Chinesische Hacker stehlen geheime US-Pläne für U-Boot-Waffensystem

Hacker sollen im Auftrag Pekings in die Rechner einer US-Firma eingedrungen sein und riesige Mengen an Daten erbeutet haben. Darunter laut "Washington Post": die Pläne für ein U-Boot-Waffensystem.

U-Boot der Ohio-Klasse der US-Marine (Archivfoto)
AFP

U-Boot der Ohio-Klasse der US-Marine (Archivfoto)


Chinesische Hacker haben im Auftrag ihrer Regierung einem Bericht zufolge geheime US-Pläne zur Entwicklung einer Rakete für U-Boot gestohlen. Die "Washington Post" berichtete am Freitag, einem Lieferanten der US-Marine seien bereits im Januar und Februar riesige Mengen an entsprechenden Daten entwendet worden. Dabei habe es sich unter anderem um Pläne für eine Überschall-Antischiffsrakete für U-Boote gehandelt, die ab 2020 eingesetzt werden solle.

Außerdem wurden dem Bericht zufolge Daten über Sensoren, Verschlüsselungstechniken und ein bislang kaum bekanntes Programm namens "Sea Dragon" gestohlen. Nach Angaben des Pentagons geht es bei dem Programm darum, bereits bestehende militärische Technologien für neue Anwendungsfelder anzupassen.

Das gesamte Material - insgesamt 614 Gigabyte an Daten - könne als geheim eingestuft werden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Ermittlerkreise. Die Marine habe mit Unterstützung des FBI Ermittlungen eingeleitet.

Der Name der Vertragsfirma wurde in dem Artikel nicht genannt. Es hieß nur, dass sie für das Naval Undersea Warfare Center (Zentrum für Unterwasser-Seekriegsführung) gearbeitet habe, das seine Zentrale im US-Bundesstaat Rhode Island hat und sich vor allem mit der Entwicklung von U-Boot-Waffentechnik befasst. Daten seien in einem ungesicherten Netz gespeichert worden.

Das FBI lehnte eine Stellungnahme zu dem Fall ab. Die chinesische Botschaft teilte mit, sie wisse nichts von einem solchen Hackerangriff. "Die chinesische Regierung (...) bekämpft nachdrücklich alle Formen von Cyberangriffen in Übereinstimmung mit dem Gesetz", sagte ein Botschaftssprecher der Deutschen Presse-Agentur.

In der Vergangenheit hatte es immer wieder mutmaßliche chinesische Cyberangriffe auf die US-Armee gegeben. Nach Angaben des Pentagons waren dabei unter anderem Daten zu Kampfflugzeugen und Raketensystemen abhanden gekommen.

China rüstet sich zur Weltmacht auf

Die "Washington Post" stellt den Hack in einen direkten Zusammenhang mit den Ambitionen Pekings, auch militärisch zur Weltmacht aufzusteigen. 228 Milliarden Dollar gab die Volksrepublik im vergangenen Jahr für das Militär aus - das sind die zweithöchsten Ausgaben weltweit. Damit ist China laut Sipri-Friedensforschungsinstitut weltweit für 13 Prozent aller Militärinvestitionen verantwortlich, 2008 waren es vergleichsweise niedrige 5,8 Prozent.

"Die Spannungen zwischen China und vielen Nachbarländern führen insgesamt zu einer Steigerung bei den Militärausgaben in Asien", sagt Sipri-Forscher Siemon Wezeman. Besonders wegen Streitigkeiten im Ost- und Südchinesischen Meer rüstet China seit Jahren kräftig auf.

Aufsehen erregt hat der erste selbst entwickelte Flugzeugträger, den Peking im vergangenen Jahr präsentiert hat. Das Schiff mit dem vorläufigen Namen "Typ 001A" ist der zweite Flugzeugträger des Landes. China hatte bereits 1998 in der Ukraine einen alten Träger aus Sowjetbeständen gekauft, modernisiert und 2012 unter dem Namen "Liaoning" in Dienst gestellt.

Die Arbeiten an dem Schiff, das eine Höchstgeschwindigkeit von 31 Knoten erreichen soll, dauerten fünf Jahre. Laut Militärexperten dürften jedoch noch einige Jahre vergehen, bis der neue Träger genügend Testfahrten absolviert hat, um auch offiziell in Dienst gestellt zu werden.

An den Kräfteverhältnissen auf den Weltmeeren dürfte sich in naher Zukunft dennoch nicht viel ändern. Während China nun zwei Schiffe besitzt, auf denen Flugzeuge starten und landen können, verfügen die USA mit zehn Flugzeugträgern über die unangefochten größte Seemacht der Welt.

Mit einem Hack, wie ihn jetzt die "Washington Post" beschrieben hat, könnte es den chinesischen Militärs im Wettrüsten zur See allerdings gelungen sein, ein Stück dieses Vorsprungs aufgeholt zu haben.

oka/AFP/dpa/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.