Damaskus - Seine Waffe gegen Unfreiheit sind Zeichnungen - und die sind für das syrische Regime offenbar zu gefährlich geworden. Das wurde dem bekannten Karikaturisten Ali Ferzat jetzt wohl zum Verhängnis.
Vermutlich aus Rache für seinen beißenden Spott ist Ferzat, 60, in der Nacht zum Donnerstag in Damaskus von Bewaffneten brutal verprügelt worden. Als er um vier Uhr morgens sein Büro verließ, sei er von einem Jeep verfolgt worden, berichteten Verwandte und Aktivisten. Vier Vermummte hätten Ferzat überfallen, aus seinem Auto gezerrt und weggebracht. Ihm sei eine Hand gebrochen worden, sein Bart sei angesengt worden. Die Täter hätten ihm eine Tüte über den Kopf gestülpt, bevor sie ihn blutend am Straßenrand liegen ließen.
"Das ist nur eine Warnung", erklärten die Bewaffneten laut einer Angehörigen Ferzats. "Wir werden deine Hände brechen, damit du aufhörst zu zeichnen."
Der Angriff hat international scharfe Proteste provoziert. Das US-Außenministerium verurteilte die brutale Attacke. Die Schergen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad hätten sich gezielt auf die Hände Ferzats gestürzt. Dies sei "eine klare Botschaft, dass er aufhören solle zu zeichnen", so Ministeriumssprecherin Victoria Nuland.
"Während das Assad-Regime leere Versprechen über einen Dialog mit dem syrischen Volk macht, setzt es seine brutalen Attacken gegen friedliche Syrier fort, die von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch machen", sagte Nuland. Washington fordere, dass das Regime seine "Terrorkampagne mit Morden, Foltern und illegalen Festnahmen" sofort stoppe.
Blutunterlaufene Augen, bandagierte Hände
Welche Verletzungen Ferzat davon getragen hat, lässt sich auf Bildern erkenne, die im Internet verbreitet wurden: Sein Gesicht ist verletzt, über seinem rechten Auge trägt er einen Verband. Beide Hände sind bandagiert, auf den Verbänden ist Blut. Er liegt in einem Krankenhausbett. Auf einem anderen Foto - er liegt inzwischen in seinem Haus in Damaskus - ist sein Auge von den Schlägen blutunterlaufen.
In seinen Zeichnungen kritisiert der Karikaturist immer wieder die Regierung und die Unterdrückung im Staat. In den vergangenen Tagen veröffentlichte er eine Karikatur, die Assad zeigt, wie er vom libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi mitgenommen wird - auf dem Weg nach draußen, in die politische Bedeutungslosigkeit. Gaddafis langjährige Herrschaft ist nach dem Triumph der Rebellen in Tripolis gebrochen.
Ein Sprecher der örtlichen Koordinationskomitees, das die monatelangen Proteste der Opposition mitorganisiert, machte Sicherheitskräfte des Regimes für den Überfall auf Ferzat verantwortlich. Ein anderer Aktivist, Rami Abdul Rahman von dem in London ansässigen Syrischen Beobachtungszentrum für Menschenrechte, erklärte hingegen, die Identität der Angreifer sei nicht bestätigt. Da Syrien ausländischen Journalisten die Einreise in das Land verweigert hat und die Berichterstattung vor Ort beschränkt ist, können dortige Ereignisse nur schwer bestätigt werden.
Uno-Sicherheitsrat ringt um Syrien-Resolution
Nach Angaben der Uno haben Truppen Assads seit Beginn des Aufstands im Märzmehr als 2200 Menschen getötet. Vor einer Woche hatte US-Präsident Barack Obama Assad erstmals ausdrücklich zum Rücktritt aufgefordert. Die Sanktionen gegen Syrien wurden deutlich verschärft. So hat Washington unter anderem angeordnet, alle Guthaben des syrischen Staates in den USA einzufrieren.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die Gewalt gegen Regimekritiker bislang nur Anfang August in einer Erklärung verurteilt, die weniger diplomatisches Gewicht als eine Resolution besitzt. Deutschland sowie die USA, Großbritannien, Frankreich und Portugal wollen wegen der Gewalt gegen Regierungsgegner Sanktionen gegen Syrien beschließen.
Russland und China boykottierten am Donnerstag im Uno-Sicherheitsrat allerdings Beratungen über eine entsprechende Resolution. Beide Länder sind ständige Mitglieder der Sicherheitsrates. Vorbehalte hegen zudem die nicht-ständigen Mitglieder Brasilien, Indien und Südafrika.
Ein militärisches Eingreifen in Syrien ohne internationalen Rückhalt schloss der französische Präsident Nicolas Sarkozy zudem aus. Die "Bedingungen für eine militärische Intervention sind nicht vorhanden", sagte er am Mittwoch. Frankreich werde nicht "ohne eine internationale Resolution" intervenieren.
kgp/dapd
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