Überfall im Jemen: Qaida-Kämpfer sollen Handelsstadt gestürmt haben

Die Stadt Radda gilt als wichtiger Transit-Knotenpunkt im Jemen - seit Sonntag ist der Ort angeblich in der Hand von Qaida-Einheiten. Nach Angaben von Sicherheitskräften errichteten die Islamisten zunächst einen Belagerungsring und rückten dann weiter vor. Mehrere Menschen starben.

Blick auf Radda (am 15. Januar): Angeblich in Qaida-Hand Zur Großansicht
AP

Blick auf Radda (am 15. Januar): Angeblich in Qaida-Hand

Sanaa - Kämpfer der Qaida haben nach Angaben jemenitischer Sicherheitskräfte die Kontrolle über eine Stadt rund 150 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa übernommen. Demnach zogen die Islamisten rund um die Stadt Radda in der Provinz Bajda einen Belagerungsring und ließen die Bewohner weder aus der Stadt heraus noch hinein.

Die Kämpfer seien am Montag von einigen Positionen, die sie am Wochenende besetzt hatten, auf die Stadt vorgerückt, hätten ein Gefängnis gestürmt und 150 bis 200 Gefangene befreit. Unter ihnen hätten sich auch Mitglieder der Terrorgruppe befunden, hieß es. Zahlreiche befreite Gefangene hätten sich den Islamisten angeschlossen. Bei Angriffen auf Stützpunkte der Streitkräfte in der Stadt seien zwei Soldaten getötet und einer verletzt worden. Schulen und Geschäfte in der 60.000-Einwohner-Stadt bleiben geschlossen.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP, der die Stadt am Sonntag besucht hatte, berichtete, die Kämpfer seien mit Granatwerfern und automatischen Gewehren ausgerüstet. Nach seinen Angaben wurde über einer Moschee der Stadt ein Qaida-Banner gehisst.

Die Provinz Bajda gilt als einer der wichtigsten Transitrouten zwischen der Hauptstadt und den südlichen Regionen, wo sich viele Qaida-Anhänger versteckt halten. Allerdings hat es in der Vergangenheit bereits öfter ähnliche Meldungen gegeben, die sich nicht immer als zutreffend herausgestellt haben.

Zweifel an den Motiven des Präsidenten

Die Opposition wirft Präsident Ali Abdullah Salih zudem vor, den im November angekündigten Machtverzicht gezielt zu verzögern. Indem er die Sicherheitslage im Süden des Landes vorsätzlich eskalieren lasse, schaffe er einen Grund, länger im Amt zu bleiben.

Generell gibt es Zweifel an den politischen Motiven des Präsidenten. Mehrere hochrangige US-Militärs gehen davon aus, dass die jemenitische Regierung die USA täuschte. Die Führung des Jemen soll am 25. Mai 2010 verschwiegen haben, dass ein persönlicher Feind von Salih bei einem angeblichen Treffen militanter Dschihadisten zugegen war. Den Ort dieses Treffens bombardierten die USA mit einer Rakete - auf Grundlage der jemenitischen Informationen. Salih herrscht seit 1978 im Jemen.

jok/APD/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Al-Qaida
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Jemenitischer Machthaber: Salih will in die USA

Fotostrecke
Al-Qaida im Jemen: Dschihad im Wüstensand