Überraschende Entscheidung: US-Truppen dürfen russisches Gebiet für Logistik nutzen

Die Versorgung ihrer Soldaten in Afghanistan ist die Achillesferse der Nato-Truppen - jetzt bekommen sie unverhofft Unterstützung von Russland. Nach monatelangen Diskussionen erlaubt Moskau der US-Armee, auch russisches Territorium für ihre Logistik zu nutzen.

Moskau - Annäherung zwischen Russland und den USA: Der russische Präsident Dmitrij Medwedew hat den USA Unterstützung bei ihrer Mission in Afghanistan angeboten. Russland und die verbündeten früheren Sowjetrepubliken seien zu einer entsprechenden Zusammenarbeit mit Washington bereit, sagte Medwedew am Mittwoch in Moskau.

Zerstörte Brücke am Khyber-Pass: Achillesferse der US-Truppen
AP

Zerstörte Brücke am Khyber-Pass: Achillesferse der US-Truppen

Unter anderem erlaube Russlands Regierung der US-Armee die Nutzung russischen Territoriums, um Nachschub nach Afghanistan zu schicken. Die Frage der Versorgung der US-Stützpunkte mit Treibstoff, Ausrüstung und Lebensmitteln ist für die Truppen in Afghanistan außerordentlich wichtig.

In den vergangenen Monaten waren Versorgungsrouten der Armee häufig durch Anschläge Militanter blockiert worden. Im Ernstfall müsste die Armee ihren Nachschub einfliegen lassen - was weitaus teurer wäre. Die Nato sucht deshalb seit Monaten nach Alternativen, um die Güter auf dem Landweg zu ihren Stützpunkten zu bringen.

DER SPIEGEL

Mutmaßliche Islamisten hatten erst am Dienstag eine der wichtigsten Versorgungsrouten für die Nato-Truppen in Afghanistan lahmgelegt, indem sie eine Brücke am Khyber-Pass im Nordwesten des Landes sprengten.

Die Ankündigung Moskaus kommt überraschend: Nur einen Tag zuvor hatte Kirgisien angekündigt, dass der dem Afghanistan-Nachschub dienende US-Stützpunkt Manas in dem Land geschlossen werden soll.

Neue schnelle Eingreiftruppe

Die Schließung des Stützpunkts wäre ein herber Rückschlag für die Pläne des neuen US-Präsidenten Barack Obama, die Truppenpräsenz in Afghanistan um bis zu 30.000 Soldaten aufzustocken. Zugleich wäre die Stilllegung ein wichtiger Erfolg für Russland in dem Bemühen, die USA aus Zentralasien - einer Region mit beträchtlichen Öl- und Gasreserven - zu verdrängen.

Medwedew kündigte am Mittwoch auch die Aufstellung einer gemeinsamen schnellen Eingreiftruppe mit den sechs verbündeten Ex-Sowjetrepubliken an. Russland habe mit Armenien, Weißrussland, Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan und Usbekistan eine entsprechende Einigung erzielt. Alle seien sich einig, dass eine solche Truppe notwendig sei, erklärte Medwedew. Einzelheiten über die Zusammensetzung nannte er nicht.

amz/AFP/dpa

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