Spektakuläre Festnahme im Dschungel: Ugandische Armee führt Konys Chefstrategen vor

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Ugandas Streitkräfte feiern es als Coup gegen das Netzwerk von Joseph Kony: Einer der Chefstrategen des Warlords ging ihnen im Urwald in die Falle. Von der Ergreifung des Massenmörders sind die Häscher jedoch weit entfernt - auch weil Kony seinen Kriegern eine besondere Verstecktaktik verordnet hat.

REUTERS

Kampala - Der Zugriff erfolgte, als Caesar Acellam gerade den Fluss Mbomu in der Zentralafrikanischen Republik überqueren wollte - und in einen Hinterhalt der ugandischen Armee tappte. Zusammen mit seinen Begleitern leistete Acellam kaum Widerstand, nach wenigen Minuten Feuergefecht war die Gruppe überwältigt. Ugandas Armee feiert die Festnahme als Coup. Tatsächlich handelt es sich bei dem Kämpfer um einen der Chefplaner des gesuchten Massenmörders Joseph Kony.

"Er ist in guter Verfassung", sagte Colonel Abdul Rugumayo, Chef der ugandischen Eingreiftruppe auf der Jagd nach Mitgliedern von Konys Lord's Resistance Army (LRA). Seit Jahren verschanzt sich der Rebellenführer mit seinen Kriegern im Dschungel von Zentralafrika. Kony werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, doch trotz internationaler Fahndung entkommt er seinen Verfolgern immer wieder.

Entsprechend groß ist nun die Freude über die Festnahme Acellams. Der Kämpfer befand sich nach Angaben der ugandischen Armee gerade auf dem Rückweg aus dem Kongo, als die Falle zuschnappte. Seit mehr als einem Monat sei man ihm auf der Spur gewesen, teilte das Militär in der ugandischen Hauptstadt Kampala mit.

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Jagd auf Joseph Kony: Hinterhalt am Mbomu-Fluss
Reporter von AP und Reuters konnten Acellam nach seiner Festnahme treffen. Der LRA-General werde zusammen mit seiner Familie gefangen gehalten. Wann und wo diese festgesetzt wurde, ist noch unklar. Bei seiner Verhaftung im Dschungel habe Acellam nur ein AK-47-Gewehr und etwas Munition bei sich gehabt. Während des Treffens mit den Journalisten habe er auffällig gehumpelt, dies sei jedoch auf eine alte Verletzung zurückzuführen.

"Die Festnahme von Generalmajor Acellam ist ein großer Erfolg. Er ist ein wichtiger Eckpfeiler in Konys Netzwerk. Das wird auf jeden Fall zu großen Verschiebungen in der Kommandostruktur der LRA führen", sagte Felix Kulaigye, Sprecher der ugandischen Armee.

Doch bei allem Jubel über die gelungene Aktion: Von einer Festnahme des gesuchten Kriegsverbrechers sind die Häscher noch immer weit entfernt. Das liegt auch daran, dass Kony eine besondere Form der Organisation für sein Netzwerk gewählt hat.

Als Schutzmaßnahme ist der Rebellenchef im Dschungel Zentralafrikas ständig in Bewegung - und achtet darauf, dass er stets großen Abstand zu seinen Generälen hält. "Er will die Kommandeure nicht um sich haben. Er will allein sein", sagte ein Offizieller der ugandischen Armee am Sonntag. So sei sichergestellt, dass bei einer möglichen Festnahme nicht die komplette verbliebene Kommandostruktur der LRA zerstört wird.

Das Netzwerk des Warlords bedient sich einfachster Kommunikationsmittel und ist dadurch kaum zu orten. Seit Jahren tauscht sich Kony mit seinen Generälen nur noch über Botschaften aus, die Gesandte durch den Urwald tragen. Mobilfunknetze oder andere Wege der elektronischen Übermittlung werden von der LRA, so gut es geht, gemieden. So können selbst die US-Spezialeinheiten, die die lokalen Kräfte vor Ort mit modernster Technik unterstützen, kaum etwas ausrichten.

Generäle wissen selbst nicht, wo sich Kony versteckt

Ein weiterer Nebeneffekt der rudimentären Kommunikationswege: Auch wenn ein hochrangiger Vertreter der LRA gefasst wird, so wie nun im Fall Caesar Acellam, kann er den Aufenthaltsort seines Chefs nicht verraten - weil er ihn selbst nicht genau kennt. Oft brauchen die Botschafter Wochen, um Nachrichten zu überbringen. Dann hat der Rebellenchef meist bereits wieder seinen Standort gewechselt.

Nicht nur die clevere Verstecktaktik macht die Jagd auf Kony zum Geduldsspiel. Die US-Truppen kämpfen auch mit den extremen klimatischen Verhältnissen in Zentralafrika. "Unsere Ausrüstung wird durch die Bedingungen vor Ort beeinflusst, vor allem durch die Vegetation. Die Geräte verhalten sich ganz anders als etwa in der Wüste", berichtete ein 29-jähriger Captain der Nachrichtenagentur Reuters im April. Viele der Elitesoldaten in Afrika haben vorher im Irak oder in Afghanistan gekämpft - und müssen sich nun mit den extremen Bedingungen in Afrika arrangieren.

"Die Vegetation absorbiert Signale und Geräusche", so der Soldat weiter. Ein Großteil der Elektronik kann nicht oder nur bedingt eingesetzt werden. Dies gilt unter anderem für die Satellitenüberwachung, die durch das dichte Blätterdach der Dschungelgebiete nahezu unmöglich wird.

Suche in einem Areal von der Größe Kaliforniens

Entsprechend vage bleiben die Vermutungen zu Konys aktuellem Aufenthaltsort. Es gibt zwei Theorien: Zum einen existieren Anhaltspunkte, dass sich der Rebellenchef in den Sudan gerettet haben könnte - und den Schutz der dortigen Regierung genießt. Angeblich stattet Khartum die Einheiten der LRA sogar mit Uniformen aus. Wahrscheinlicher scheint jedoch, dass sich Kony, der durch ein virales Online-Video zuletzt wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt war, in der Zentralafrikanischen Republik verschanzt hält.

Die dortige Armee gilt als eine der schwächsten des Kontinents, Infrastruktur ist in vielen Gegenden kaum vorhanden. Theoretisch könnte sich Kony jedoch in einem weit größeren Gebiet verstecken. Nach US-Angaben umfasst die komplette Grenzregion rund 400.000 Quadratkilometer, ein Areal von der Größe Kaliforniens.

mit Material von Reuters und AP

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1. Kony
saako 14.05.2012
Welchem Stamm gehört diese Gruppe eigentlich an? Nur als "Gemeinster Bösewicht" gehts doch wohl auch nicht?
2. Sehr einseitig!
jalimani 14.05.2012
Die Frage von Saako ist sehr berechtigt! Joseph Kony und seine LRA gehoeren dem Acholi Stamm an. Dieser Stamm ist erklaerter Feind des Stammes dem Museveni angehoert...der President Ugandas! Nun kann mann leicht 2 und 2 zusammenzaehlen... Kony versucht seit JAHREN Friedensgespraeche zum Erfolg zu verhelfen, die Museveni seit JAHREN boykotiert mit hinterhaeltigen Ueberfaellen, die dann der LRA in die Schuhe geschoben werden! Denn sollte die Situation in Northern Uganda friedlich geloest werden, verliert er die fetten Spenden aus USA und von der UN. Genauso wie Kony benutzt Museveni uebrigens auch seit Jahren "child soldiers"!
3. Acholi
rudi_1957 14.05.2012
'General' Joseph Kony soll ein Acholi sein. Da seine Eltern sich zu verschiedenen christlichen Glaubensrichtungen bekannten, muss das nicht unbedingt stimmen. Die Acholi leben im Südsudan und Norduganda. Mehr finden Sie bei Wikipedia, die Anklage des ICC ist hier: http://en.wikipedia.org/wiki/International_Criminal_Court_investigation_in_Uganda
4.
Mr.GeldSchein 14.05.2012
Zitat von sysopREUTERSUgandas Streitkräfte feiern es als Coup gegen das Netzwerk von Joseph Kony: Einer der Chefstrategen des Warlords ging ihnen im Urwald in die Falle. Von der Ergreifung des Massenmörders sind die Häscher jedoch weit entfernt - auch weil Kony seinen Kriegern eine besondere Verstecktaktik verordnet hat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833025,00.html
KenFM bringt es auf den Punkt (mit immerhin fast 200.000 views): KenFM über: Joseph Kony 2012 - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=7aaH6fX3XT8)
5. Falsche Taktik
DiWef 14.05.2012
Zitat von sysopREUTERSUgandas Streitkräfte feiern es als Coup gegen das Netzwerk von Joseph Kony: Einer der Chefstrategen des Warlords ging ihnen im Urwald in die Falle. Von der Ergreifung des Massenmörders sind die Häscher jedoch weit entfernt - auch weil Kony seinen Kriegern eine besondere Verstecktaktik verordnet hat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833025,00.html
Wieso setzen die USA nicht einfach 1 Mio Dollar auf die Auslieferung Cony's (natürlich lebend) sowie eine neue Identität und ein schönes Häuschen in Malibu aus? Die Kosten wären immer noch geringer als der Militäreinsatz und in spätestens 2 Wochen hätten sie den Burschen.
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