Ukip-Erfolg in Großbritannien Starker Farage, schwacher Cameron

Der Wahlgewinner in Großbritannien heißt Nigel Farage: Der Ukip-Chef feiert einen historischen Triumph, der Druck auf Premier Cameron wächst. Die EU-Partner dürften das Ergebnis bald verwünschen.

Von , London


Die britische Unabhängigkeitspartei Ukip hat die Europawahl souverän gewonnen. Nach der Auszählung in elf der zwölf Regionen holte die Anti-EU-Partei 28 Prozent der Stimmen. Es war das erste Mal seit 1910, dass bei einer landesweiten Wahl keine der beiden Volksparteien Tories oder Labour vorn lag.

Ukip-Chef Nigel Farage sprach vom "außergewöhnlichsten Augenblick in der britischen Geschichte seit hundert Jahren". Selbst in der Hauptstadt London, wo Ukip bei den Kommunalwahlen am Donnerstag noch schlecht abgeschnitten hatte, kam die Partei auf beachtliche 17 Prozent.

Mit ihrer Mischung aus EU-Kritik und Stimmungsmache gegen Einwanderer und das Establishment trafen die Rechtspopulisten offenbar bei vielen Briten den richtigen Ton.

Der Sieg der EU-Gegner war seit Wochen erwartet worden, dennoch versetzte er die drei großen Parteien im Unterhaus in Aufruhr. Schließlich bringt die Ankunft der neuen politischen Kraft die gewohnte Westminster-Arithmetik durcheinander. Die Tories von Premier David Cameron wurden mit knapp 24 Prozent hinter Labour (25 Prozent) nur Dritter.

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Wahlsieger Farage: Auf dem Weg ins Establishment
Seine liberaldemokratischen Koalitionspartner, die als Einzige im Wahlkampf für die EU geworben hatten, verloren zehn von elf Mandaten. Schon werden Rufe nach einem Rücktritt des liberalen Vizepremiers Nick Clegg laut. Selbst die Grünen sind bei der Wahl an den Liberalen vorbeigezogen.

Tories fordern Nichtangriffspakt mit Ukip

Auch Tory-Chef Cameron selbst steht unter Druck. Nervöse Vertreter des rechten Flügels fordern, das Referendum über die britische EU-Mitgliedschaft vorzuziehen. Sie wollen zudem einen Nichtangriffspakt mit Ukip für die Unterhauswahl im Mai 2015 schließen. Sollten Tories und Ukip gegeneinander antreten, fürchten sie eine Spaltung der konservativen Anhängerschaft - und eine Niederlage bei der Wahl.

Die EU-Partner werden das Ergebnis dieser Wahlnacht noch verwünschen: Der steigende innenpolitische Druck führt dazu, dass Cameron in Brüssel noch unnachgiebiger auftreten wird als bisher. Er kann sich keine Blöße geben, das werden die Staats- und Regierungschefs bei den Verhandlungen über den nächsten Kommissionspräsidenten erleben.

Farage stimmte sich mit Cricket auf Wahlabend ein

Keiner der Parteichefs trat am Abend vor die Presse. Nur Wahlsieger Farage ließ sich in Southampton feiern. Er war bester Laune. Den Sonntagnachmittag hatte er beim Cricket in Tunbridge Wells verbracht. "Es war eine sehr englische Szenerie, ich habe es genossen", sagte er dem "Guardian".

Die Europawahl macht Ukip zu einer nationalen Partei, selbst in Schottland konnte sie ihr erstes Mandat gewinnen. Farage sei dem Hype der vergangenen Wochen gerecht geworden, stellte die "Financial Times" anerkennend fest.

Viele Experten glauben jedoch, dass nun der Höhepunkt erreicht ist und es für Ukip wieder bergab geht. Schon Anfang Juni könnte die Partei einen Dämpfer erhalten, falls die Tories bei einer Nachwahl in Newark siegen. Zur höchsten Hürde aber wird die Unterhauswahl: Bislang stellt Ukip keinen einzigen Abgeordneten im nationalen Parlament, denn das britische Wahlrecht benachteiligt kleinere Parteien.

2015 will Farage zwei Dutzend Kandidaten aufstellen - mehr als je zuvor. Auch ein Programm muss er endlich ausarbeiten. Die Partei hat immer noch mit dem Vorwurf zu kämpfen, eine Ein-Mann-Kapelle mit zwei Themen zu sein: EU und Einwanderung. Farage kündigte am Montag an, er werde nun Sprecher für einzelne Politikfelder wie Verteidigung und Gesundheit ernennen. Er macht sich auf den Weg in Richtung Establishment.



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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
herbert 26.05.2014
1. Ganz einfach !
Zitat von sysopGetty ImagesDer Wahlgewinner in Großbritannien heißt Nigel Farage: Der Ukip-Chef feiert einen historischen Triumph, der Druck auf Premier Cameron wächst. Die EU-Partner dürften das Ergebnis bald verwünschen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukip-gewinnt-europawahl-in-grossbritannien-cameron-unter-druck-a-971673.html
Ganz schnell die Briten aus der EU entlassen. Die sind sowieso jetzt nicht richtig drin und wollen nur die Vorzüge aber keine Verpflichtungen. In England gibt es noch immer Spinner, die nichtbegriffen haben, dass Englands Zeit als Weltmacht schon ewig lange vorbei ist. Russische Politiker bezeichneten England mit: "Die kleine Insel"! England ist so klein, aber das Mundwerk ist riesig! Bitte ganz schnell die Briten wieder entlassen, die brauchen wir nicht!
the_secret62 26.05.2014
2. SPON scheint nichts über...
...Herrn Farage zu wissen! Wer seine reden im Europäischen Parlament sieht und hört, weiß wer er ist. Er will eine geordnete Einwendungspolitik. Ein Ende der Troika, ein Ende der Kriege und das der kleine Mann bzw die kleine Frau als Bürger geschützt werden! Was ist daran bitte verkehrt? In so einem Europa das wir gerade habe möchte auch nicht leben wollen! Recht hat er also Herr Farage!!
demophon 26.05.2014
3. Minderheit
Zitat von sysopGetty ImagesDer Wahlgewinner in Großbritannien heißt Nigel Farage: Der Ukip-Chef feiert einen historischen Triumph, der Druck auf Premier Cameron wächst. Die EU-Partner dürften das Ergebnis bald verwünschen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukip-gewinnt-europawahl-in-grossbritannien-cameron-unter-druck-a-971673.html
Es ist klar, dass die UKIP in London schlechter abschneidet als im Landesdurchschnitt, da in der Hauptstadt besonders viele Immigranten leben, gegen die sich die UKIP ja positioniert. Lt. Census 2011 sind die "British Whites" dort zum ersten Mal in der Minderheit, sie machen nur 45% der Einwohner aus. http://www.dailymail.co.uk/news/article-2246288/Census-2011-UK-immigrant-population-jumps-THREE-MILLION-10-years.html
gast2011 26.05.2014
4. man kann es nur wiederholen...
Zitat von sysopGetty ImagesDer Wahlgewinner in Großbritannien heißt Nigel Farage: Der Ukip-Chef feiert einen historischen Triumph, der Druck auf Premier Cameron wächst. Die EU-Partner dürften das Ergebnis bald verwünschen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukip-gewinnt-europawahl-in-grossbritannien-cameron-unter-druck-a-971673.html
wer die zuwanderung nicht stoppen will nur um gewinne für die elite zu generieren, wer die stimmen des volkes nicht hören will, wer alles für den geldadel macht und das normale volk vernachlässigt, wer zulässt, dass die schere immer weiter auseinander geht, wer strukturen zerstört, der muss sich nicht wundern, wenn das volk auf die strasse geht oder eben sich neue parteien sucht. das hauptproblem ist nicht eu/euro, dass hauptproblem ist, dass nur die elite profitiert! der rest wird arbeitslos und verarmt. aber das ist ja so gewünscht uns so gesteuert. rechtsbruch ist in der eu an der tagesordnung. leider. zeit für neue ufer. dies war vermutlich nur der startschuss. die eu-elite hat versagt und merkt es noch immer nicht und ist nicht gewillt korrekturen im sinne des volkes durchzuführen!
motzbrocken 26.05.2014
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jetzt die EU Granden, dass man nicht einfach blind nur auf Lobbisten hören sollte? Das Volk hat gesprochen, so sei es. Und hoffen wir mal, dass dieses Ergebnis eine Aenderung der EU Politik ergibt. Weniger Lobbisten, mehr Volk. Und dass mir nun keiner kommt, direkte Demokratie klappt rein vom Aufwand her nur für kleine Länder: dummes Zeugs, wer Millionen von Bürgern abhorchen und überwachen kann, kann doch wohl so was organisieren.
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