Menschenrechtsbericht Amnesty wirft ukrainischen Separatisten Folter vor

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist alarmiert: In der Ostukraine werden Menschen entführt und gefoltert, warnt die Organisation. Verantwortlich seien häufig die Separatisten.

Separatisten in Donezk (am 22. Juni): "Keine Autorität, keine Sicherheit"
AP/dpa

Separatisten in Donezk (am 22. Juni): "Keine Autorität, keine Sicherheit"


Berlin - Brutale Schläge, Entführungen und Folter: Amnesty International macht die Separatisten in der Ostukraine für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Von Hunderten Fällen ist in dem aktuellen Bericht der Menschenrechtsorganisation die Rede. Die Angst vor Repressalien sei allgegenwärtig.

Amnesty forderte die ukrainische Regierung auf, alle Fälle gründlich und unabhängig zu untersuchen.

"Die meisten Entführungen gehen auf das Konto von bewaffneten Separatisten", sagte der Vizedirektor von Amnesty für Europa und Zentralasien, Denis Krivosheew. "Aber auch seitens der regierungstreuen Kräfte haben wir Menschenrechtsverletzungen dokumentiert."

Umfassendes, belastbares Zahlenmaterial gebe es nicht, schränkt die Organisation ein. Eine Selbsthilfegruppe habe einem Rechercheteam von Amnesty eine Namensliste von mehr als hundert Zivilisten präsentiert, die gefangen gehalten würden.

"Es herrscht ein Vakuum, was Autorität und Sicherheit angeht"

Die Vereinten Nationen berichteten von 222 Entführungen in den vergangenen drei Monaten. Das ukrainische Innenministerium listet 500 Fälle von Entführungen zwischen April und Juni auf.

Die Gewalt der Separatisten treffe nicht nur politische Gegner, erklärte Amnesty. Oft solle die Zivilbevölkerung in Angst und Schrecken versetzt werden, um sie zu kontrollieren. Die Erpressung von Lösegeld sei ein weiteres Motiv. "In Mariupol waren Polizei und Militär nirgends zu sehen, als wir in den vergangenen Wochen dort waren", erklärte Krivosheew. "Es herrscht ein Vakuum, was Autorität und Sicherheit angeht."

Die Truppen der ukrainischen Armee hatten am Wochenende die Rebellenhochburg Slawjansk im Osten der Ukraine zurückerobert. Doch die Separatisten sind nach wie vor aktiv in und rund um Luhansk, im Grenzgebiet zu Russland sowie in der Großstadt Donezk. Kiews Truppen starteten am Donnerstag eine neue große Offensive, um die Hochburgen der Rebellen zurückzuerobern. Es gab schwere Kämpfe - und offenbar auch viele Tote.

vek/Reuters/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
prof_kai 11.07.2014
1.
Na ja, von Terroristen erwartet man ja auch nichts anderes. Den Rückhalt in der Bevölkerung haben sie längst verloren, Russland distanziert sich immer weiter von denen und in Kiew ist wieder der Alltag zurückgekehrt. Nur die Forentrolle kämpfen noch verbissen, aber die nimmt eh niemand ernst^^
joG 11.07.2014
2. Es wäre schon, wenn man ausführte. ...
....was gemeint ist mit "Folter". Der Begriff wird so oft mißbraucht, daß man nicht weiß, was der jeweilige Berichterstatter meint.
radostinsommerwald 11.07.2014
3. Mariupol?
Mariupol - das war doch da wo ein Privatbataillion die Polizeistation zusammengeschossen hat, als die Polizisten nicht parierten. Kein Problem für HRW. Die gut dokumnetierten Opfer von dem Progrom in Odessa, die Opfer der Luftangriffe und ungezielten Artillerieschläge - kein Problem für HRW. Der Auftrag lautet unbedingt und vor allem den sog. Separatisten etwas nzuhängen. HRW ist parteiisch, und das ist lange bekannt.
ichsagwas 11.07.2014
4. Amnesty bald Teil der Propagandafront ?
Zitat von sysopAP/dpaDie Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist alarmiert: In der Ostukraine werden Menschen entführt und gefoltert, warnt die Organisation. Verantwortlich seien häufig die Separatisten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-amnesty-wirft-separatisten-folter-vor-a-980414.html
Gibt es irgendwo einen Krieg, Bürgerkrieg, oder wie auch immer einzustufenden kriegerischen Konflikt, in dem Einschüchterung, Folter, Entführungen, Gewalt gegen Zivilisten nicht vorkommen ? Früher oder später ereilt es jeden - auch den, der meint, er kämpfe für eine gerechte Sache. Den sauberen Krieg, den gibt es nämlich nicht, der ist lediglich eine propagandistische Erfindung, die in jedem Konflikt regelmäßig wiederkehrt. Insofern ist das, was Amnesty berichtet sehr banal und immer noch am unteren Level des Möglichen. Überall, wo ein Machtvakuum herrscht, wo staatliche Strukturen zusammenbrechen und plötzlich nur noch das Recht des Stärkerenn gilt, ereignet sich das, was man aktuell in der Ostukraine sehen kann. Von reinen Verbrecherbanden, bis hin zu echten Bürgerwehren ist da alles aktiv, was man sich vorstellen kann. Amnesty muss sehr aufpassen, dass sie mit ihren Berichten nicht Teil der Kiewer/US/EU-Propaganda werden. Sonst enden sie noch, wie die sogenannte Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, deren Berichte über Syrien von unseren Medien monatelang kolportiert wurden, die inzwischen aber erheblich an Glaubwürdigkeit verloren hat, weil sie nichts anderes ist, als ein Propagandainstrument bestimmter, vom Westen geförderter Rebellengruppen.
tinosaurus 11.07.2014
5. Folter ist Folter
Vor einiger Zeit ist schon bereits ein proukrainischer Bürgermeister gefoltert und tor aufgefunden worden. Jedes Land, jede Regierung hat das Recht, gegen solche Mörder vorzugehen. Als Initiator der Auseinandersetzung hat Plutin Blut an den Händen.
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