Kiew - In der Ukraine ist ein zweiter Strafprozess gegen die Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko fortgesetzt worden. In Abwesenheit der erkrankten Oppositionsführerin eröffnete Richter Konstantin Sadowski die Verhandlung wegen angeblicher Steuerhinterziehung und Veruntreuung. Das berichten örtliche Medien. Nach einer kurzen Anhörung vertagte Sadowski den Prozess jedoch auf Ende Mai.
Auch Staatsanwalt Viktor Lobatsch stimmte einem entsprechenden Antrag der Verteidigung zu. "Wir sollten abwarten, bis Frau Timoschenko verhandlungsfähig ist", sagte Lobatsch. Ihr Anwalt hatte dem Gericht eine Bescheinigung der Berliner Charité vorgelegt. Darin erklären die deutschen Ärzte die Politikerin für nicht verhandlungsfähig. Timoschenko klagt über starke Rückenschmerzen und befindet sich seit gut einer Woche im Hungerstreik.
Die aktuellen Vorwürfe gegen die Politikerin stammen aus den neunziger Jahren, als sie Chefin eines Energiekonzerns war. Timoschenko, die in einem ersten Prozess bereits zu sieben Jahren verurteilt worden war, drohen weitere zwölf Jahre Haft. Ihre Anwälte fordern, das Verfahren einzustellen. Beobachter nennen den Prozess in dem Co-Gastgeberland der Fußball-Europameisterschaft politisch motiviert.
Sadowski zitierte auch aus einer Erklärung der ukrainischen Ärztekommission. Diese betont, dass sie aufgrund der Weigerung Timoschenkos keine Möglichkeit habe, ihre Verhandlungsfähigkeit zu prüfen. Vor dem Gerichtsgebäude in Charkow demonstrierten trotz eines Versammlungsverbots zahlreiche Anhänger und Gegner der 51-Jährigen.
cte/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Ukraine | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH