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Ukrainische Sicherheitskräfte: Kiews müde Chaos-Truppe

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Armee der Ukraine: Bedingt gefechtsbereit Fotos
AP

Die Regierung in Kiew hat nicht genug Kräfte, um den Aufstand in der Ostukraine niederzuschlagen. Der Geheimdienst ist von Russen unterwandert, die Nationalgarde miserabel ausgebildet.

Donezk/Moskau - In Donezk und anderswo in der Ostukraine halten schwerbewaffnete prorussische Uniformierte die Stellung. Der "Anti-Terror-Einsatz" der Übergangsregierung in Kiew gegen die Separatisten zeitigt keinen Erfolg. Offensichtlich kann die ukrainische Regierung mit ihren Sicherheitskräften nur sehr eingeschränkt auf den Aufstand reagieren. Welche Truppen stehen Kiew überhaupt zur Verfügung? Wie sind sie ausgestattet? Ein Überblick.

Die Polizei: Schwach und häufig illoyal

Die regulären Polizeikräfte sind nicht gut genug ausgerüstet, um die schwerbewaffneten Separatisten in Schach zu halten. Sie sind zudem nur begrenzt loyal gegenüber Kiew.

Denn die Wut vieler Maidan-Revolutionäre hatte sich auch gegen Polizisten gerichtet, die in der Ukraine nicht ganz zu Unrecht als korrupt verschrien sind. Nach dem Sieg der Revolution wurden Polizisten zum Teil von Freiwilligentrupps bedrängt. Entsprechend begrenzt ist die Loyalität vieler Beamter jetzt gegenüber Kiew.

Für Kampfeinsätze geeignet wäre die Sondereinheit Berkut. Eine der ersten Amtshandlungen der Übergangsregierung war allerdings die Auflösung der 4000 Mann starken Truppe. Das erweist sich jetzt als Fehler: Viele der ehemaligen Elite-Polizisten kämpfen nun auf Seiten der Separatisten.

Einheiten des Geheimdienstes: Begrenzt einsatzfähig

Der Geheimdienst SBU verfügt über im Anti-Terror-Kampf geschulte Einheiten, die bekannteste ist die "Alfa"-Gruppe. Der SBU ist die Nachfolgeorganisation des sowjetischen KGB und gilt als eng verflochten mit Putins Inlandsgeheimdienst FSB. Als CIA-Direktor John O. Brennan in der vergangenen Woche inkognito in Kiew SBU-Offizielle traf, dauerte es nicht lange, bis die Russen das wussten. Auch ein Einsatz der "Alfa"-Einheit ist riskant. Die Einheit ist klein, eine breit angelegte Offensive gegen Hunderte oder sogar Tausende Bewaffnete unmöglich. Alfa sei "ein Skalpell, aber sie können es unmöglich benutzen, um einen Baum zu fällen", zitiert die "New York Times" einen Geheimdienstkenner.

Die Einheit wird auch nicht bis zum Letzten für die Führung in Kiew kämpfen. Die Regierung hält einige Männer der Truppe nämlich für jene Scharfschützen, die Maidan-Kämpfer niederschossen.

Die Nationalgarde: Revolutionäre mit schlechten Waffen

Die Regierung hat ein erstes Bataillon der Nationalgarde in die Ostukraine verlegt, "mit hohem Kampfgeist und bereit, die Ukraine zu verteidigen". Die Garde wurde erst vor wenigen Wochen neu geschaffen, sie dient der Revolution. Das Gelöbnis fand auf dem Maidan statt, unter einem Porträt von Taras Schewtschenko, dem ukrainischen Nationaldichter.

Die Nationalgarde rekrutiert sich aus den Kämpfern des Maidan, darunter sind auch militante Nationalisten, die darauf brennen, prorussische Kräfte oder Russlands Soldaten mit der Waffe in der Hand zu bekämpfen. Insgesamt soll die Truppe einmal bis zu 60.000 Mann umfassen, derzeit sind es bereits 4000. Allerdings bestehen erhebliche Zweifel, ob sie sich in Einsätzen behaupten können. Die Bewaffnung ist schlecht.

Auf Facebook präsentierte Innenminister Arsen Awakow vor einigen Wochen zwar stolz die ersten zehn Schützenpanzer für die Truppe. "Es gibt viele Probleme und Aufgaben, jetzt tauchen auch Antworten dafür auf", schrieb er stolz. Was er lieber verschwieg: Die Schützenpanzer waren ursprünglich für den Export in den Irak gedacht, wegen Rissen in der Panzerung aber als untauglich für den Verkauf eingestuft worden. Die Grundausbildung in der Nationalgarde dauert gerade einmal zwei Wochen. "Ihre Manöver erinnern eher an Exkursionen auf eine Militärbasis als an reale Gefechtsübungen", spottet sogar Dmytro Jarosch, Chef der Nationalisten des Rechten Sektors.

Die Armee: Panzer ohne Sprit

Die Ukraine verfügt über rund tausend Kampfpanzer sowjetischer Bauart. Anders als ihre russischen Pendants haben die ukrainischen Panzer allerdings einen entscheidenden Schwachpunkt: den leeren Tank. Als Russland sich die Krim einverleibte, stockte Kiews Mobilmachung auch deshalb, weil es an Sprit fehlte. Ein Oligarch musste aushelfen: Ihor Kolomoysky ließ auf eigene Kosten Diesel kaufen.

Als die Sowjetunion zusammenbrach, fiel der Ukraine eine der größten Streitmächte der Welt zu, rund 700.000 Soldaten und viel schwere Technik. Die Streitkräfte sind seitdem natürlich geschrumpft (heute ca. 150.000 Mann). Kiew machte 20 Jahre lang gute Geschäfte mit dem Verscherbeln sowjetischer Waffensysteme an Länder in der Dritten Welt. Nur flossen die Einnahmen nie in die dringend nötige Modernisierung der eigenen Armee.

Als russische Soldaten im März die Luftwaffenbasis Belbek auf der Krim übernahmen, waren von 25 ukrainischen Kampfflugzeugen gerade einmal vier einsatzfähig. Größeren Widerstand gegen eine russische Invasion könnten Kiews Soldaten wohl nicht leisten.

Mit Separatistenverbänden ohne schwere Waffen könnte die Armee es aber wohl aufnehmen. Ein Einsatz der Armee im Inneren birgt dennoch Gefahren. Er könnte Russland als Rechtfertigung für eine Intervention oder Lieferungen schwerer Waffen an die Rebellen dienen. Und viele Bürger im Donbass würden in Kiews Panzern wohl eine Besatzungsmacht sehen - keine Befreier.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 133 Beiträge
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1. Je kleiner die Ukraine, umso günstiger für uns
tom.le 16.04.2014
Schließlich werden wir das ganze (Rest-) Land über Wasser halten (müssen)....
2. schon immer ist die identifikation mit dem staat ukraine sehr gering
ziegenzuechter 16.04.2014
Zitat von sysopAPDie Regierung in Kiew hat nicht genug Kräfte, um den Aufstand in der Ostukraine niederzuschlagen. Der Geheimdienst ist von Russen unterwandert, die Nationalgarde miserabel ausgebildet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-armee-gegen-separatisten-machtlos-a-964686.html
kaum einer in der ukraine. ausser der regierenden junta versteht sich als ukainer. deshalb ist es auch nur logisch, dass die armee von fahnenflucht, sabotage und unlust gepraegt ist. die eu hat versucht sich in der ukraine einen willenlosen vasallen und marionettenstaat mit faschistischen stadthaltern zu schaffen. versuch gescheitert.
3. Das haben Sie...
bibberbutzke 16.04.2014
Zitat von sysopAPDie Regierung in Kiew hat nicht genug Kräfte, um den Aufstand in der Ostukraine niederzuschlagen. Der Geheimdienst ist von Russen unterwandert, die Nationalgarde miserabel ausgebildet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-armee-gegen-separatisten-machtlos-a-964686.html
...aber schön geschrieben. Sie haben sogar erwähnt das der CIA Chef da war. Und die bösen Russen haben das in der unterwanderten Ukraine - Organisation schon ausgeplaudert. Warum war eigentlich der CIA Chef da? Keine Antworten? Glauben Sie tatsächlich das Sie mit Ihrem Geschreibsel einen Blumentopf als Weihnachtsboni kriegen?
4.
p1lle 16.04.2014
Eine Schande für ihr Vaterland - diese "Soldaten" .
5. Wenn es nicht so traurig wäre
Widerstandsgewächs 16.04.2014
Zitat von sysopAPDie Regierung in Kiew hat nicht genug Kräfte, um den Aufstand in der Ostukraine niederzuschlagen. Der Geheimdienst ist von Russen unterwandert, die Nationalgarde miserabel ausgebildet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-armee-gegen-separatisten-machtlos-a-964686.html
könnte man lachen. Z.B. *Kiew machte 20 Jahre lang gute Geschäfte mit dem Verscherbeln sowjetischer Waffensysteme an Länder in der Dritten Welt.* Wer ist denn Kiew und wo sind die Gelder tatsächlich hingeflossen? Wo haben all die ukrainischen Millionäre und Millardäre ihr Geld her? Ist es nicht langsam an der Zeit, die ukraine als failed state zu bezeichnen? Im Übrigen erschließen sich mir Sätze wie *Für Kampfeinsätze geeignet wäre die Sondereinheit Berkut.* nicht. Was bedeutet dies, erschießen und verprüglen die Sondereinheiten prowestliche Insurgenten ist dies verwerflich, erschießen und verprügelt die gleiche Truppe prorussische sieht man die Auflösung der Truppe als Fehler. Deutlicher kann man die Teilung von Menschenrechten nicht darstellen!
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(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

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