Ukraine Armee meldet bevorstehende Einnahme von Donezk

Die Separatisten verlieren anscheinend den Kampf um Donezk. Ukrainische Truppen seien nach eigenen Angaben bereit zur "Befreiung von Donezk". Die Stadt sei komplett von Luhansk abgeriegelt.

Ukrainische Soldaten nahe Donezk: Die "Befreiung" der Stadt stehe bevor, meldet ein Militärsprecher
DPA

Ukrainische Soldaten nahe Donezk: Die "Befreiung" der Stadt stehe bevor, meldet ein Militärsprecher


Kiew - Donezk ist vollständig von der ukrainischen Armee eingekreist. Nun steht das Militär nach eigenen Angaben kurz vor der Einnahme der Rebellenhochburg in der Ostukraine. Die Truppen hätten an Boden gewonnen und einen Keil zwischen die separatistischen Kämpfer getrieben, sagte Militärsprecher Andrij Lysenko am Montag in Kiew. Donezk sei nun von Luhansk an der Grenze zu Russland abgeschnitten und komplett abgeriegelt.

"Die Truppen des Anti-Terror-Einsatzes bereiten sich auf den letzten Schritt zur Befreiung von Donezk vor", sagte Lysenko der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir arbeiten daran, beide Städte zu befreien, aber es ist besser, zuerst Donezk zu befreien - es ist wichtiger."

Die Separatisten kämpfen seit Monaten für eine Abspaltung der Industrieregion von der Ukraine. Bei den Gefechten mit den Regierungstruppen sind sie in die Städte Donezk und Luhansk zurückgedrängt worden.

Waffenstillstand abgelehnt

Eine von den Separatisten vorgeschlagene Feuerpause hatte die Regierung in Kiew am Sonntag abgelehnt. Dazu müssten die Rebellen zuerst die Waffen niederlegen, sagte ein Armeesprecher. Stattdessen zog die ukrainische Armee ihren Belagerungsring um Donezk enger. Mit massivem Artilleriefeuer versuchte das Militär, eine strategisch wichtige Versorgungsroute der Aufständischen zum russischen Grenzgebiet abzuschneiden.

Die Zahlen der Opfer bei dem Einsatz steigen, die Infrastruktur wird zerstört. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einer schwierigen humanitären Lage in den Separatistenhochburgen. Falls allerdings Russland wie beabsichtigt Hilfsgüter in das Konfliktgebiet schicken wolle, dürfe dies nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Ukraine geschehen, betonte der SPD-Politiker.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, Moskau spreche mit der Ukraine und dem Internationalen Roten Kreuz über Lieferungen etwa von Medikamenten in das krisengeschüttelte Nachbarland. Die Führung in Kiew und der Westen verdächtigen Moskau, unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe Soldaten zur Unterstützung der Aufständischen entsenden zu wollen. Die Ukraine warnt seit Monaten vor angeblichen Einmarschplänen Russlands.

"Die Front führt direkt über das Trümmerfeld"

US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel betonten, "dass jede russische Intervention, auch zu angeblichem humanitären Zweck", zu zusätzlichen Konsequenzen führen würde. Das teilte das Weiße Haus in Washington nach einem Telefonat der beiden Politiker am Wochenende mit. Merkel sprach auch mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Dieser befürwortet ein mögliches Engagement des Internationalen Roten Kreuzes und der Bundesregierung.

Wegen der Kämpfe ruht auch die Arbeit am Absturzort des malaysischen Flugzeugs MH17. "Die Front führt direkt über das Trümmerfeld. Die Situation ist wie Treibsand - die Lage ändert sich stündlich", sagte der Vizechef des OSZE-Einsatzes, Alexander Hug. Die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wollten jedoch schnell zum Unglücksort zurückkehren.

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vek/Reuters/dpa



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insgesamt 395 Beiträge
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TiloS 11.08.2014
1. Die Chance auf Frieden ist groß
Der langfristig beste Weg die Kämpfe zu beenden ist, die Separatisten jetzt in die Flucht zu schlagen. Es ist klar, dass wenn die Separatisten kurz vor der Niederlage stehen, einen Waffenstillstand anbieten. Vorher war das nie ein Thema gewesen. Ich hoffe, dass das jetzt durchgezogen wird und dann endlich wieder Ruhe ist.
giwdul 11.08.2014
2. Bravo
und Respekt Ukrainische Armee !!!! Jagt die russischen Terroristen aus dem Land.
spon_2734015 11.08.2014
3. Foto
Inspirierendes Foto. Gratulation an den Fotografen.
dhbw1935 11.08.2014
4. Lage erkennen!!
Ich hoffe, dass die Separatisten nicht länger auf Hilfe ihres Nachbarn vertrauen, sondern ihre Lage realistisch erkennen und als Konsequenz zur Vermeidung überfüssigen Blutvergießens und überflüssiger Zerstörungen das Notwendige tun: Sofortige und bedingungslose Kapitulation!
DirkSt 11.08.2014
5. Sehr optimistisch?
Na ja, eine Millionenstadt einzukreisen ist wohl doch etwas anderes, als sie militärisch einzunehmen. Wenn sich die Terroristen dort verbarrikadieren und einen Häuserkampf wollen, dann ist "Ukr. steht kurz vor der Einnahme" wohl doch etwas sehr optimistisch formuliert. Unabhängig davon bleibt allen Beteiligten und vor allem der Zivilbevölkerung zu wünschen, dass es nach dem all dem Leid nun wenigstens "schnell" geht.
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