Bestätigung aus Kiew Separatisten kontrollieren weite Teile von Debalzewe

Die prorussischen Separatisten haben im Osten der Ukraine die strategisch wichtige Stadt Debalzewe zu großen Teilen eingenommen - das bestätigt nun auch die Regierung in Kiew.


Debalzewe/Kiew - Die Aufständischen in der Ostukraine haben nach eigenen Angaben in Debalzewe Fakten geschaffen - und verkündeten am Mittag, die Stadt eingenommen zu haben. Nun bestätigt auch die ukrainische Regierung die weitgehende Einnahme Debalzewes durch die prorussischen Separatisten. "Straßenkämpfe dauern an", teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Die Aufständischen hatten Artillerie und Panzertechnik eingesetzt. Regierungstreue Einheiten versuchten, den Gegner aufzuhalten.

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Heft 8/2015
Ukraine-Krieg - Europas Angst vor dem Flächenbrand

Die Separatisten hatten am Dienstagmittag gemeldet, "bis zu 80 Prozent" der strategisch wichtigen Stadt seien von ihnen eingenommen worden. "Nur ein paar Wohnviertel sind noch übrig, dann haben wir den Ort völlig unter Kontrolle", sagte Separatistensprecher Eduard Bassurin. Mehr als 300 gegnerische Soldaten seien gefangen genommen worden. Es gebe "viele Tote". "Wir durchkämmen die Stadt nach weiteren Soldaten", kündigte Bassurin an.

Das ukrainische Verteidigungsministerium bestätigte, dass eine Gruppe von Soldaten in Gefangenschaft der Separatisten sei. Berichte über eine große Anzahl Gefangener wies das Ministerium jedoch zurück.

Die prowestliche Regierung in Kiew beschuldigte Russland und die prorussischen Separatisten, den Friedensprozess in der Ostukraine zu zerstören. Der stellvertretende Chef der ukrainischen Präsidialverwaltung, Waleri Tschaly, sagte, Russland und die Aufständischen hielten sich nicht an die in Minsk vereinbarte Waffenruhe. "Sie sind dabei, die Hoffnung auf Frieden zu zerstören."

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Ukraine-Krieg: Der Kessel von Debalzewe
Die Regierung in Kiew hatte ebenfalls von heftigen Straßenkämpfen in Debalzewe berichtet. Die Stadt gilt als wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Hier sollen Tausende Militärs eingekesselt sein. Die Angaben lassen sich von unabhängigen Beobachtern nicht überprüfen.

Mit der Eskalation der Kämpfe in Debalzewe dürfte das mühsam in Minsk ausgehandelte Abkommen über eine Waffenruhe Makulatur sein. Denn trotz der jüngsten Telefonate von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande mit den Präsidenten von Russland und der Ukraine, in denen sie die Einstellung der Kämpfe forderten, hatte es erneut schwere Gefechte gegeben.

Rebellenanführer Denis Puschilin sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Separatisten die Kämpfe nicht stoppen würden. Sie wollen Debalzewe einnehmen, weil der Ort die beiden Gebiete um Donezk und Luhansk verbindet. Die ukrainische Regierung will ihrerseits nicht mit dem Rückzug schwerer Waffen beginnen.

Nach dem zweiten Minsker Abkommen sollten beide Seiten in der Nacht zum Dienstag mit dem Rückzug von Artillerie und Panzern aus einer mindestens 50 Kilometer breiten Pufferzone beginnen. Da in Minsk ein enger Zeitplan von aufeinanderfolgenden Schritten der Deeskalation vereinbart worden war, steht nun das ganze Abkommen auf der Kippe. So sollten in weiteren Schritten auch Gefangene ausgetauscht und Wahlen in den von Separatisten kontrollierten Gebieten abgehalten werden.

Pufferzone nach Minsker Abkommen zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Separatisten am 12. Februar 2015
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Pufferzone nach Minsker Abkommen zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Separatisten am 12. Februar 2015

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es in der Überschrift, die Regierung in Kiew bestätige den "Fall von Debalzewe". Das war mindestens missverständlich: Die Regierung bestätigte lediglich Straßenkämpfe und die Tatsache, dass Separatisten in der Stadt vorrücken. Wir bitten das zu entschuldigen.

als/vek/dpa/Reuters

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insgesamt 494 Beiträge
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Seite 1
Pegu 17.02.2015
1. Nicht Vergessen
Poroschenko wollte in Minsk nicht über Debalzewe diskutieren und leugnete den Kessel.
Partyzant 17.02.2015
2. Swift
zuerst Swift- Trennung und dann Waffen für die Ukraine. Jetzt!
olivervöl 17.02.2015
3. Fehler
Dieser Ort war doch auf Wunsch der Kiewer Regierung vom Minsker Abkommen ausgenommen worden. Einen Kessel gäbe es nicht, hieß es. Das war offensichtlich falsch. Ungültig wird das Minsker Abkommen dadurch nicht.
geddon 17.02.2015
4. Ist jetzt wirklich jemand überrascht?
Das war doch absolut glasklar! Putin wird nicht aufhören, ehe ein Landweg zur Krim besteht! Warum will das einfach keiner verstehen?
kuac 17.02.2015
5. nicht gut...
Das ist der Beweis, dass Putin Krieg will und nicht Frieden. Merkels Rolle ist damit leider beendet und die USA werden nun übernehmen. Es läuft nicht gut für die Ukraine und die Europa.
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