Vor Obama-Besuch Estland will eigenen Nato-Stützpunkt

Im Baltikum ist die Angst vor weiteren russischen Annexionen groß: Vor dem Besuch von US-Präsident Obama in Tallin fordert Estland einen eigenen Nato-Stützpunkt zum Schutz gegen den östlichen Nachbarn.

Estlands Präsident Thomas Hendrik Ilves in Oslo: Keine "Zwei-Klassen-Nato"
AFP/ NTB scanpix

Estlands Präsident Thomas Hendrik Ilves in Oslo: Keine "Zwei-Klassen-Nato"


Oslo/Riga/Tallin - Appell vor dem Besuch des US-Präsidenten in Tallin: Der estnische Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves hat sich am Dienstag noch einmal an die Nato gewandt und einen eigenen Stützpunkt des Verteidigungsbündnisses in seinem Land gefordert. Damit könne sich Estland besser gegen mögliche russische Angriffe wehren, sagte Ilves am Dienstag. Zudem könne so verhindert werden, dass das Land nächster Krisenherd nach der Ukraine werde. "Wir sollten keine Zwei-Klassen-Nato haben mit Ländern, die eine permanente Nato-Basis haben und solchen ohne", sagte er. Dies sei ein falsches Signal an potenzielle Aggressoren.

Die Forderung kommt einen Tag vor dem geplanten Besuch von Barack Obama im Baltikum. Der US-Präsident wolle in Gesprächen mit den drei baltischen Staatschefs und Estlands Regierungschef Taavi Rõivas betonen, dass ein Angriff auf einen Mitgliedstaat als Angriff auf alle angesehen werde, sagte zuletzt Obama-Sprecherin Caitlin Hayden. Sie sprach von einer "eisernen Verpflichtung" zu anderen Ländern - eine Anspielung auf den Eisernen Vorhang, der im Kalten Krieg die Sowjetunion vom Westen trennte.

Lettland will mehr Nato-Präsenz

Auch Lettland, ebenfalls baltische Ex-Sowjetrepublik und Nato-Mitglied, will bei Obama für eine langfristige Präsenz des Verteidigungsbündnisses in der Region werben. Das sagte Staatspräsident Andris Berzins am Dienstag im lettischen Fernsehen. Er sprach sich zugleich gegen eine Militärintervention des Westens in der Ukraine aus. Auch Regierungschefin Laimdota Straujuma bezeichnete die EU-Sanktionen gegen Russland als einzige Waffe. "Niemand möchte sich an einem militärischen Konflikt beteiligen", sagte sie.

Lettland, Litauen und Estland, aber auch Polen und Rumänien fordern seit Beginn des Ukraine-Konflikts mehr Nato-Präsenz in ihren Staaten - aus Sorge um ihre eigenen Grenzen. Die baltischen Staaten sind besorgt, dass Moskau sich das Recht vorbehalte, in anderen Ländern zu intervenieren, um Interessen russischsprachiger Minderheiten zu schützen. Im Baltikum leben viele Russen - allein in Estland machen sie knapp 30 Prozent der Bevölkerung aus.

Auch andere Nato-Mitglieder wollen den Kurs gegen Russland verschärfen: Polen und Kanada wollen nach SPIEGEL-Informationen die Nato-Russland-Gründungsakte kündigen. Damit könnten Truppen einfacher auf dem Gebiet des ehemaligen Ostblocks stationiert werden.

mxw/Reuters/AP/dpa

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insgesamt 92 Beiträge
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jojack 02.09.2014
1. Verständliche Angst
Die baltischen Staaten hätten einem Einmarsch Russlands wenig entgegen zu setzen. Insofern ist der Wunsch verständlich. Derzeit muss man annehmen, dass Putin jeder Grund recht wäre, um in einem fremden Staat einzumarschieren. Auch wenn historische Vergleiche hinken: dass ethnische Minderheiten als Begründung für eine militärische Invasion herhalten müssen, das hatten wir ja schon einmal.
DasBrot 02.09.2014
2. Auch Deutschland sollte sene..
..ehemaligen US-Stützpunkte wieder aufbauen. Notfalls sind das kurze Wege und die US-Boys bringen auch ne Menge Umsatz nach good old Germany.
ornitologe 02.09.2014
3. Die Esten
wären im Ernstfall auch mit 10 Nato-Stützpunkten nicht viel sicherer. Wenn Putin der Kragen platzt - und alle in seiner Umgebung arbeiten zielstrebig darauf hin - kann kein Nato-Stützpunkt der russischen Militärwalze etwas entgegensetzen. Das Balten-Gewimmer ist ja auch nicht wirklich ernst zunehmen.
dasdondel 02.09.2014
4. Weitere
Waffen, die in Richtung Russland zielen ? Immer weiter in die Enge treiben, bis es kracht ?
lupidus 02.09.2014
5.
ich drücke den baltischen staaten die daumen. nur eine mitgliedschaft in der nato mit entsprechender präsenz wird putin abhalten seine landsleute dort auch "zu retten". immerhin haben wir ja nun gelernt, dass er bei nicht-nato-staaten tun kann was er will.
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