Konflikt mit Russland Ukrainischer Botschafter fordert deutsche Kriegsschiffe

Kann Deutschland der Ukraine in der neuen Krimkrise militärisch beistehen? Zumindest wünscht sich das der ukrainische Botschafter in Berlin. Die Nato berät in Kürze über das weitere Vorgehen.

Andrij Melnyk
imago/ Susanne Hübner

Andrij Melnyk


Im Konflikt um einen von der russischen Marine gerammten ukrainischen Schlepper und die Festsetzung dreier ukrainischer Schiffe auf der annektierten Halbinsel Krim wendet sich die Ukraine Hilfe suchend an Deutschland.

Die Bundesrepublik solle der Ukraine mit Kriegsschiffen beistehen, wünscht sich der Botschafter des Landes in Berlin, Andrij Melnyk, in einem Interview mit der "Bild". "Russland hat einen unverhüllten militärischen Angriff auf die Ukraine verübt", sagt er. Die russische Aktion sei "nicht nur Piraterie pur wie in einem Hollywood-Blockbuster". Laut Völkerrecht handele es sich zudem um einen "klaren Akt der Aggression".

Auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und mehrere Regierungsmitglieder hatten zuvor bereits von direkten militärischen Angriffen auf die Ukraine gesprochen. Russland warf hingegen seinerseits der Ukraine vor, die Kollision und die folgende Eskalation provoziert zu haben. Am Nachmittag unterzeichnete Präsident Poroschenko dann ein Dekret zur Verhängung des Kriegsrechts in der Ukraine für 60 Tage. Das Parlament muss dem aber noch zustimmen, die Sitzung beginnt um 15 Uhr MEZ .

Russland spricht von amerikanisch-europäischer Verschwörung

Russland behauptet, die Ukraine handele in Absprache mit der EU und den USA, um einen Konflikt mit Russland zu provozieren. Die Provokation in der Straße von Kertsch solle als Vorwand dienen, um den Westen zu weiteren Sanktionen gegen Russland zu bringen, erklärte das Außenministerium in Moskau.

Die Hintergründe zu dem Vorfall lesen Sie hier.

Der Konflikt wird auch weltweit mit Argwohn betrachtet. Am Montag tagt dazu der Uno-Sicherheitsrat, auch die Nato wird über den Zwischenfall beraten. Generalsekretär Jens Stoltenberg rief auf Bitte Poroschenkos eine Sondersitzung der Nato-Ukraine-Kommission ein. Bei dem Treffen auf Botschafterebene am Montagnachmittag solle die aktuelle Situation diskutiert werden, teilte das Militärbündnis mit.

Die Bundesregierung rief zur Zurückhaltung und Deeskalation auf. Außenminister Heiko Maas sagte: "Die Entwicklungen rund um das Asowsche Meer sind sehr besorgniserregend. Es ist nicht akzeptabel, dass es dort eine Blockade durch Russland gibt."

Am Sonntagmorgen hatte ein russisches Küstenwachenschiff womöglich mit Absicht einen ukrainischen Schlepper gerammt. Am Abend kaperte Russland drei ukrainische Schiffe und setzte 23 Matrosen fest. Mehrere ukrainische Seeleute wurden verletzt, wie schwer, ist unklar.

Um die Straße von Kertsch tobt seit geraumer Zeit ein Konflikt zwischen den verfeindeten Staaten. Eigentlich haben beide Länder vor mehr als zehn Jahren freie Durchfahrt vereinbart. Eine von Russland zur besetzten Krim gebaute Brücke verhindert seit ihrer Fertigstellung allerdings den Verkehr großer Schiffe nach und von Mariupol in der Ukraine.

cht/dpa



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