Ukrainische Soldatin Sawtschenko "Niemandem ist vergeben"

Gerade erst wurde sie aus russischer Haft entlassen, nun trat die ukrainische Soldatin Nadija Sawtschenko im Parlament auf - und hielt eine nationalistische Kampfrede.

AP

Eine Woche nach ihrer Freilassung aus russischer Haft ist die ukrainische Soldatin Nadija Sawtschenko mit einer flammenden Rede zum ersten Mal im Parlament von Kiew aufgetreten. Die ukrainische Fahne über der Schulter und eine Fahne der Krimtataren in der Hand, schritt sie am Dienstag zum Rednerpult und sang die Nationalhymne.

"Ich bin zurückgekommen und werde dafür sorgen dass Ihr, die Ihr in diesen Armstühlen im Parlament sitzt, nie die Jungen vergesst, die ihr Leben für die Ukraine auf dem Maidan-Platz gelassen haben und heute weiterhin im Osten sterben", sagte die 35-Jährige.

Die in Russland zu 22 Jahren Haft verurteilte Sawtschenko war vergangene Woche im Austausch für zwei russische Soldaten freigelassen worden. Während ihrer Inhaftierung in Russland war sie ins Parlament von Kiew gewählt worden.

"Nichts ist vergessen, niemand ist vergessen, und niemandem ist vergeben", sagte Sawtschenko. "Das Volk der Ukraine wird uns hier nicht sitzen lassen, wenn wir es betrügen", fügte sie hinzu und deutete die Möglichkeit eines weiteren Volksaufstands an. "Die Ukraine ist wichtiger als das Leben von jedem Einzelnen von uns", sagte sie den Abgeordneten.

Vor dem Hintergrund des erbitterten Konflikts zwischen Kiew und Moskau war Sawtschenko zur ukrainischen Nationalheldin geworden. Sie hatte sich einem rechtsextremen Freiwilligenbataillon angeschlossen, um gegen prorussische Separatisten im Osten der Ukraine zu kämpfen. Im Juni 2014 wurde sie gefangengenommen und im März 2016 in Russland zu 22 Jahren Haft verurteilt, weil sie eine Mitschuld am Tod zweier russischer Reporter tragen soll.

Präsident Petro Poroschenko zeichnete sie im März 2015 mit dem höchsten Verdienstorden der Ukraine aus. Beobachtern zufolge könnte Sawtschenko ihm jedoch wegen ihrer politischen Ambitionen noch gefährlich werden. Sie genießt bei Veteranen und Soldaten hohes Ansehen und hat bereits angedeutet, dass sie eines Tages für das Präsidentenamt kandidieren könnte.

anr/AFP



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