Friedlicher Widerstand in Donezk Oligarch trommelt zur Demo gegen Separatisten

Der reichste Ukrainer ruft, die Massen kommen: Im Osten des Landes sind Zehntausende einem Appell des Oligarchen Achmetow gefolgt. Mit einem Warnstreik und Hupkonzerten zeigten sie ihren Widerstand gegen die prorussischen Separatisten.


Donezk - Oligarch Rinat Achmetow hat sich an die Spitze des Widerstands gegen die Separatisten im Donezk-Becken gesetzt: Im Osten der Ukraine beteiligten sich Zehntausende an einer Protestaktion, zu der der Milliardär aufgerufen hatte. Mit einem kurzen Warnstreik und ohrenbetäubendem Autohupen forderten sie am Dienstag ein Ende der Gewalt in der Region. Achmetow hatte zuvor zum friedlichen Widerstand gegen die prorussischen Separatisten aufgerufen.

Auch Alexander Lukjantschenko, Bürgermeister von Donezk, hatte ein Zeichen gegen die Aktivisten gefordert. Rücktrittsforderungen der Separatisten wies er zurück. Die prorussischen Aktivisten kritisierten den Aufruf des Oligarchen: "Achmetow hat seine Wahl getroffen, leider richtet sie sich gegen die Bevölkerung im Donbass", sagte Separatistenführer Denis Puschilin. Der Milliardär habe sich "für den Terror" gegen das Volk entschieden.

Wenige Tage vor der geplanten Präsidentenwahl an diesem Sonntag setzte die Führung in Kiew ihre "Anti-Terror-Operation" im Osten des Landes fort. Bei einem Schusswechsel nahe der Separatisten-Hochburg Slowjansk seien mindestens vier Soldaten leicht verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit.

Ukraine meldet leichten Truppenabzug der Russen

Etwas Bewegung kam in den von Kreml-Chef Wladimir Putin angekündigten Abzug von russischen Truppen aus dem Grenzgebiet zur Ukraine. Die Soldaten zogen sich nach ukrainischen Angaben immerhin ein wenig von der ukrainischen Ostgrenze zurück. "Wir können sagen, dass die russischen Truppen von jetzt an mindestens zehn Kilometer von der Grenze entfernt sind", zitierten ukrainische Nachrichtenagenturen am Dienstag den ranghohen Grenzschützer Sergej Astachow. Was jenseits dieser Zone passiere, das könnten allerdings nur die Russen beantworten, fügte er hinzu.

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Ukraine: Friedlicher Protest gegen die Separatisten
Ein Aufklärungsflugzeug habe am Vorabend 820 Kilometer der gemeinsamen Grenze überflogen. Bis zum Abzug hätten russische Truppen wenige Hundert Meter vor der Grenze gestanden. Putin hatte am Montag ein Ende der Militärmanöver an der Grenze angeordnet. Die USA und die Nato erklärten zunächst, sie hätten noch keine Beweise für einen tatsächlichen Rückzug der bis zu 40.000 russischen Truppen.

Der OSZE-Sondergesandte Wolfgang Ischinger sprach sich derweil für eine Fortsetzung des Runden Tisches in der Ukraine nach der Präsidentenwahl an diesem Sonntag aus. "Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, ihn fortzusetzen - in welcher Form auch immer, vielleicht auch als regionale Tische. Selbst wenn die Wahlen einigermaßen ordentlich ablaufen, sind die Probleme in einigen Teilen des Ostens damit noch lange nicht gelöst", sagte Ischinger zu SPIEGEL ONLINE.

Die EU überwies der Ukraine am Dienstag eine erste Hilfstranche von 100 Millionen Euro. Dies teilte die Kommission der Europäischen Union mit. Es ist die erste Rate eines 1,6 Milliarden Euro schweren Hilfsprogramms zur Stützung der notleidenden Wirtschaft. Die Finanzhilfen sind Teil eines im März bekannt gegebenen EU-Pakets im Gesamtumfang von elf Milliarden Euro. Die Auszahlung von weiteren 500 Millionen Euro wird vorbereitet. Zusätzliche Hilfszahlungen sind jedoch von der Erfüllung von Bedingungen abhängig, die die Ukraine mit dem Internationalen Währungsfonds vereinbart hat.

als/sev/AFP/dpa

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hobbyleser 20.05.2014
1. Was zahlt der so?
Ist das Demo-Merch in der Pauchalvergütung bereits enthalten oder geht das auf eigene Kosten?
mauser 20.05.2014
2. na,
der soll mal aufpassen! Schon so mancher unliebsame Oligarch verschwand von der Bildfläche.
kleinMischa 20.05.2014
3. Nicht ernst?
" Im Osten der Ukraine beteiligten sich Zehntausende an einer Protestaktion, zu der der Milliardär aufgerufen hatte. Mit einem kurzen Warnstreik und ohrenbetäubendem Autohupen forderten sie am Dienstag ein Ende der Gewalt in der Region." Darf man erfahren wann es passiert ist? Es wurde behauptet dass 50.000 kommen, aber wurde dann abgesagt weil man für die Sichrheit nicht garantieren könnte so die Aussage. Man habe viele Drohanrufe etc. etc. gekriegt. Ich such alles nach Videos von diesem Hupkonzert aber finde null. Kann mir einer helfen oder plapert SPON wieder alles nach ohne zu prüfen?
kobalt55 20.05.2014
4. optional
Dem "herren" sind wohl einige Milliarden abhanden gekommen und das verärgert ihn. Die Dummlinge von Volk sollten lieber diesen Oligarchen zum Teufel jagen der sich auf ihre kosten reich gemacht hat....Das Volk lernt niemals aus....schade!
merkur08 20.05.2014
5. Das Kapital schlägt zurück
Offensichtlich haben sich die ukrainischen Oligarchen mit der Zentralregierung in Kiew auf die Behauptung ihrer Macht geeinigt. Unter Putin hätten sie die wohl verloren oder stark eingeschränkt oder ersetzt durch Vertraute Putins. Jetzt ist eine Macht auf den Plan getreten, an der sich Putin die Zähne ausbeißen kann. Zumal viele Oligarchen (auch die russischen) jüdische Wurzeln haben und dadurch gute Kontakte zu den USA haben dürften. Und sichere Arbeitsplätze sind dem Volk wichtiger als unsichere Versprechungen. Das Blatt dürfte sich wenden.
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