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Ukraine: Die Front im Osten

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Frontverlauf in der Ostukraine: Geländegewinne der Separatisten

In Minsk bekommt die Diplomatie eine weitere Chance, während in der Ostukraine der Krieg mit zunehmender Härte tobt. Welche Städte sind besonders umkämpft, wo verlaufen die Kampflinien? Der Überblick.

Hamburg/Kiew/Moskau - Es ist womöglich eine der letzten Chancen, den seit etwa einem Jahr tobenden Konflikt auf friedlichem Wege zu lösen: In der weißrussischen Hauptstadt Minsk suchen die Ukraine, Russland, Frankreich und Deutschland nach Auswegen aus der Krise in der Ostukraine - während die Kämpfe dort zuletzt immer heftiger wurden.

Denn die diplomatischen Bemühungen ändern nichts daran, dass die Konfliktparteien seit Wochen militärisch weiter aufrüsten: Vor drei Wochen erst verkündete Kiew den Ausbau der ukrainischen Armee um Zehntausende Soldaten. Zugleich liefert Russland den in ihren selbsternannten "Volksrepubliken" kämpfenden Separatisten nach Nato-Angaben weiterhin schwere Waffen. Der Kampf an den Fronten hält unterdessen unvermindert an.

Die besonders umkämpften Orte im Überblick:

  • Von besonderer strategischer Bedeutung ist die Bezirkshauptstadt Donezk, wo seit Wochen heftige Kämpfe toben - vor allem um den Flughafen der Metropole. Zuletzt standen zudem mehrere Stadtteile unter schwerem Beschuss, am Mittwoch gab es bei einem Raketeneinschlag in eine Bushaltestelle mindestens einen Toten.
  • In den vergangenen Wochen haben die Aufständischen große Geländegewinne vor allem im Südosten des Donbass erzielt. Dort stehen sie nun kurz vor dem strategisch wichtigen Eisenbahnknotenpunkt Wolnowacha. Durch die Kleinstadt führt die letzte Straße, die das umkämpfte Donezk mit dem Rest des Landes verbindet.
  • Die Regierungstruppen haben indes seit dem Herbst vergangenen Jahres nur geringe Geländegewinne zwischen den Großstädten Donezk und Luhansk erzielt. Dort hatte die Armee zwischenzeitlich den seit Wochen umkämpften Verkehrsknotenpunkt Debalzewe zurückerobert. Nach Angaben der Separatisten sind nun Tausende ukrainische Soldaten in der Stadt eingekesselt, was die Führung in Kiew jedoch abstreitet. Allein am Mittwoch wurden dort nach Angaben der ukrainischen Armee 19 Soldaten getötet und 78 weitere verletzt.
  • Dass der Krieg längst nicht nur an starren Kampflinien und in einzelnen Frontstädten wütet, zeigte sich zuletzt am Dienstag bei einem Raketenangriff auf die ostukrainische Großstadt Kramatorsk: Die liegt rund 50 Kilometer von der Front entfernt. Die Geschosse trafen unter anderem das ukrainische Armeehauptquartier in der Stadt, dabei gab es offenbar mehrere Tote. Die Separatisten bestritten, hinter der Attacke zu stehen.
  • Auch die Hafenstadt Mariupol ist immer wieder Schauplatz heftiger Kämpfe, obwohl sie nicht von Separatisten kontrolliert wird. Zuletzt starben in der 500.000-Einwohner-Stadt bei Raketenangriffen offenbar mehr als 20 Menschen. Seit Monaten besteht die Befürchtung, prorussische Kämpfer könnten eine größere Offensive auf die strategisch bedeutsame Hafenstadt planen. Spekuliert wird sogar über die mögliche Absicht, den gesamten südukrainischen Küstenstreifen erobern zu wollen, um so die moskauhörige Moldau-Abspaltung Trasnistrien, die von Moskau annektierte Krim-Halbinsel sowie die ukrainischen Separatistengebiete mit Russland zu verbinden. Dieses "Neurussland"-Konzept ist eines der Ziele von Separatisten und russischen Nationalisten.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version der Landkarte waren die Zeitangaben zu den Frontverläufen vertauscht. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

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Animation

Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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