Ostukraine Heftige Gefechte um Flughafen von Donezk

Keine Entspannung in der Ostukraine: Separatisten und Armee kämpfen um den Flughafen von Donezk. Die Aufständischen drohen zudem mit einer gewaltsamen Einnahme der wichtigen Hafenstadt Mariupol.

Der internationale Flughafen von Donezk: Armeestellungen beschossen
AFP

Der internationale Flughafen von Donezk: Armeestellungen beschossen


Donezk/Mariupol - Heftige Gefechte in Donezk: Trotz der vereinbarten Waffenruhe kämpfen die ukrainische Armee und prorussische Separatisten um den internationalen Flughafen der Stadt. Die Armeestellungen am Flughafen seien zunächst von Raketenwerfern und später mit Mörsergranaten beschossen worden, sagte Militärsprecher Wladislaw Selesnjow.

Donezk ist in der Hand der Rebellen, die sich ungeachtet einer Anfang September vereinbarten Waffenruhe mit der Armee Kämpfe um den Flughafen liefern. Der Armeesprecher Andrij Lyssenko sagte am Donnerstag, in den vergangenen 24 Stunden seien in der Ostukraine ein Zivilist und sieben Soldaten getötet worden. Demnach wurden außerdem elf Soldaten verletzt. Es war der höchste Verlust für die ukrainische Armee an einem Tag seit mehr als zwei Wochen.

Lyssenko zufolge nahm der Beschuss auf die Armee zuletzt zu, insbesondere im Süden von Donezk nahe Mariupol. Die strategisch wichtige Hafenstadt ist die letzte von Kiew kontrollierte größere Stadt in der Region. Die Separatisten drohten damit, Mariupol einzunehmen. Wenn die Ukraine die Stadt nicht auf friedlichem Wege abtrete, "dann setzen wir Gewalt ein", sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko russischen Agenturen zufolge.

Die Aufständischen in den Regionen Donezk und Lugansk wollen an diesem Sonntag neue Anführer und Volksvertretungen wählen - gegen den Widerstand der Regierung in Kiew. Zudem kündigten sie Kommunalwahlen nach dem 7. Dezember an. Die Aufständischen hatten die ukrainische Parlamentswahl vom vergangenen Sonntag in den Separatistengebieten nicht zugelassen.

Ergebnis der Parlamentswahl noch offen

Vier Tage nach der Parlamentswahl waren noch immer nicht alle Stimmzettel ausgezählt. Der Wahlkommission in Kiew zufolge liegt die proeuropäische Volksfront von Ministerpräsident Arseni Jazenjuk nach Auswertung von mehr als 99,5 Prozent der Wahlzettel mit 22,2 Prozent in Führung. Zweiter wurde demnach der prowestliche Block von Präsident Petro Poroschenko mit 21,8 Prozent.

Zwar wird das amtliche Endergebnis erst in der kommenden Woche erwartet, doch die Parteien stellen bereits die Weichen für eine Koalitionsregierung. Poroschenko lotete mit der ehemaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko Möglichkeiten aus, ihre Vaterlandspartei an der neuen Regierung zu beteiligen.

Auch die neue proeuropäische Kraft Samopomoschtsch (Selbsthilfe) sondiert mit Jazenjuks Volksfront und dem Poroschenko-Block Optionen für eine Koalition. Ihr beliebter Anführer Andrej Sadowy, Bürgermeister der westukrainischen Stadt Lwiw (Lemberg), sagte, er wolle sich aus Koalitionsverhandlungen heraushalten. "Alle Gespräche sollen mit den zukünftigen Abgeordneten (von Samopomoschtsch) geführt werden." Er selbst will nicht für seine Partei in die Oberste Rada. Das wichtigste sei, dass die Volksfront und der Poroschenko-Block zusammen regieren könnten, sagte er.

Dass Ministerpräsident Jazenjuk und Staatschef Poroschenko inhaltlich an einem Strang ziehen, zeigte sich in Entwürfen ihrer Parteien für einen Koalitionsvertrag: Beide streben einen EU-Beitritt der Ukraine an und wollen ihr Land unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen. In Brüssel wollten am Abend erneut Vertreter Kiews und Moskaus unter Vermittlung der EU über ihren Gaskonflikt verhandeln.

brk/AFP/dpa

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insgesamt 19 Beiträge
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lampenschirm73 30.10.2014
1.
wer ist nun für die jüngsten Ausbrüche der Kämpfe verantwortlich? Wer hat angefangen? Das geht nicht wirklich hervor aus dem Bericht.
HeisseLuft 30.10.2014
2. Von der Friedensliebe der Russen
Separatisten drohen mit Einnahme wichtiger Hafenstadt „Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine haben vor ihren umstrittenen Wahlen mit der Einnahme der Hafenstadt Mariupol gedroht. Wenn die Ukraine die strategisch wichtige Stadt nicht auf friedlichem Wege abtrete, "dann setzen wir Gewalt ein", sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko russischen Agenturen zufolge. Die strategisch wichtige Hafenstadt ist die letzte von Kiew kontrollierte größere Stadt in der Region.“ http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-10/ukraine-donezk-luhanks-kaempfe-flughafen-mariupol Ist doch deutlich. Die Separatisten wollen keinen Waffenstillstand, sie sind mit Russlands Rückendeckung militärisch im Vorteil. Also dringen sie immer weiter vor. Die Absicht ist auch nicht neu: „Der selbst ernannte Premier der Donezker Volksrepublik verspricht im Falle seiner Wahl "alles Mögliche und Unmögliche zu tun, um das gesetzwidrig okkupierte Territorium der Donezker Republik zu befreien", und meint damit, mehr Land von den Ukrainern zu erobern." http://www.zeit.de/2014/43/ukraine-krieg-donezk
lieber_incognito 30.10.2014
3. Dreimal dürfen Sie raten, lampenschirm77
Die Armee hält die Stadt Mariupol und den Flughafen von Donezk. Die Separatisten fordern deren Übrgaben - und drohen mit Gewalt. Wer von beiden Seiten muss also Gewalt anwenden, um seine Forderung durchzusetzen? Die Armee sicher nicht, wenn es darum geht, einfach den Status Quo zu halten, wie es ja auch in dem Waffenstillstandsabkommen vereinbart wurde. Wer sich nicht dran hält, sondern um weitere Geländegewinne kämpft. sind die Separatisten.
ralf_si 30.10.2014
4.
Zitat von HeisseLuftSeparatisten drohen mit Einnahme wichtiger Hafenstadt „Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine haben vor ihren umstrittenen Wahlen mit der Einnahme der Hafenstadt Mariupol gedroht. Wenn die Ukraine die strategisch wichtige Stadt nicht auf friedlichem Wege abtrete, "dann setzen wir Gewalt ein", sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko russischen Agenturen zufolge. Die strategisch wichtige Hafenstadt ist die letzte von Kiew kontrollierte größere Stadt in der Region.“ http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-10/ukraine-donezk-luhanks-kaempfe-flughafen-mariupol Ist doch deutlich. Die Separatisten wollen keinen Waffenstillstand, sie sind mit Russlands Rückendeckung militärisch im Vorteil. Also dringen sie immer weiter vor. Die Absicht ist auch nicht neu: „Der selbst ernannte Premier der Donezker Volksrepublik verspricht im Falle seiner Wahl "alles Mögliche und Unmögliche zu tun, um das gesetzwidrig okkupierte Territorium der Donezker Republik zu befreien", und meint damit, mehr Land von den Ukrainern zu erobern." http://www.zeit.de/2014/43/ukraine-krieg-donezk
Was dem einen recht ist, muss dem anderen billig sein. Den Westen interessieren die völkerrechtlichen Aktionen Israels gegenüber den Palästinensern doch auch nicht (keine Sanktionen nur ein gehobener Zeigefinger). Wenn man aus der Weltgeschichte lernen darf, dann doch, dass dieses "Recht" für alle gilt!
zurInfo1105 30.10.2014
5. nichts wert
Alle Zusicherungen der Ukraine sind absolut nichts wert. Direkt nach den Wahlen wurde die Unterschrift bezüglich der Trennlinie im Donbass zurückgezogen. Alle bisherigen "Waffenruhen" erwiesen sich als taktisches Manöver, um die eigenen Stellungen zu festigen, nachdem das Kräfteverhältnis sich zu deren Ungunsten verschoben hatte - das wurde auch offen von der Führung während einer Pressekonferenz nach der ersten Waffenruhe bestätigt. Danach gab es immer massive Angriffe auf Wohngebiete. Auf persönlicher Ebene kann ich folgendes sagen: wenn ich jetzt meine Verwandten im Donbass (von der ukr. Armee besetzter Teil) anrufe, fühle ich mich wie in eine Diktatur versetzt - die Menschen haben große Angst, jegliche Sympathien für die "Separatisten" oder die Russen auszusprechen, Themen werden sofort gewechselt. Dabei waren so gut wie alle bei dem Referendum im Mai dabei und haben abgestimmt. Jetzt werden Leute einfach entführt und verschwinden spurlos, sobald jemand auch nur ansatzweise mit den "Separatisten" (und eben auch dem damaligen Referendum) in Verbindung gebracht werden kann - sei es auch nur durch den Einwurf eines anonymen Zettelchens eines auf kriegsfuß stehenden Nachbarn in eine der aufgestellten Urnen.
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