Drohende Staatspleite Ukraine-Gläubiger müssen um Milliarden fürchten

Die Ukraine steht kurz vor dem Bankrott - jetzt hat Präsident Poroschenko ein Gesetz unterzeichnet, mit dem das Land die Rückzahlung der Auslandsschulden per Moratorium verhindern kann. Den Gläubigern drohen Milliardenverluste.

Präsident Poroschenko: Sein Land steht kurz vor dem Bankrott
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Präsident Poroschenko: Sein Land steht kurz vor dem Bankrott


Gläubiger der Ukraine müssen um ihre Milliardenkredite an die Ex-Sowjetrepublik bangen. Der von der EU und den USA unterstützte Präsident Petro Poroschenko hat am Donnerstag Medien zufolge ein Gesetz unterzeichnet, das dem Land erlaubt, die Rückzahlung von Auslandsschulden per Moratorium auszusetzen.

Die Ukraine begründet das Gesetz mit dem "Schutz nationaler Interessen" sowie mit Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Schuldenlast zu senken.

Die Regierung verhandelt mit internationalen Geldgebern seit Wochen erfolglos über eine Umschuldung. Sie hatte auch einen Teilerlass der Schulden gefordert. Das neue Gesetz solle die Verhandlungen beleben, hatte Finanzministerin Natalia Jaresko gesagt.

Finanzexperten warnten, dass ein Moratorium ein Schritt in die Staatspleite sei. Russland als einer der größten Gläubiger der Ukraine fürchtet um Milliarden.

Zeitgleich fordert auch der russische Staatskonzern Gazprom 7,5 Milliarden Euro vom ukrainischen Energieversorger Naftogaz. Die Ukraine habe sich zum jährlichen Kauf von 41,6 Milliarden Kubikmeter russischem Gas verpflichtet, die bestellte Menge aber nicht abgenommen. Deshalb sei für 2014 die Vertragsstrafe fällig, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller.

Kommentatoren des Moratoriums sagten, dass kein Investor bei Verstand dem Land noch einen Kredit gebe. Die Direktinvestitionen aus dem Ausland lagen 2014 bei gerade einmal 300 Millionen Dollar. Poroschenko, selbst ein erfolgreicher Unternehmer, rief Geldgeber zu Investitionen auf und lobte die Ukraine als lukrativen Standort trotz der Risiken des Kriegsgebiets Donbass.

Die Wirtschaftsleistung der Ukraine ist im ersten Quartal um 17,6 Prozent eingebrochen. Im letzten Quartal 2014 war es bereits ein Minus von 14,8 Prozent. 2015 soll die Wirtschaft laut Prognosen um 8,5 Prozent schrumpfen. Das bislang letzte Wachstum hatte das Land 2011 verzeichnet.

anr/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 123 Beiträge
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Seite 1
Luna-lucia 28.05.2015
1. und nicht vergessen
Herr Putin fordert seine Gasrechnungen ein! Wenn die nicht beglichen wird, wird es ein eiskalter Winter werden - sofern es dann noch eine Ukraine gibt
bilderberger 28.05.2015
2. Ach wie schön....
So einfach ist das mit den Schulden? Tolle Sache. Sag mal einer Varioufakis Bescheid. Oder in Italien, oder Spanien. Dürfen wir das am Ende auch? Ist schon toll, was manche Regierungen dürfen und andere nicht.
NaIche 28.05.2015
3. Unglaublich.
Also wenn sich die agriechen sowas erlaubt hätten, wäre die Medienschelte aber enorm... Da hier aber hauptsächlich die Russen ein Problem kriegen, ist das wohl ganz ok... Man sollte der aukraine noch ein paar Mrd schenken, die brauchen doch neue Waffen und eine Verdreifachung der Streitkräfte... Als Bollwerk gegen den Russischen Imerialismus sozusagen...
thiotrix 28.05.2015
4. Wie lange wird es dauern, bis die EU Geld anbietet...
...und Deutschland mit Milliardenzahlungen zur Kasse gebeten wird? Und Frau Merkel wird das Ganze wohl als alternativlos deklarieren, von europäischen Werten reden und die deutschen Steueresel zur Kasse bitten...
joergalexander 28.05.2015
5. Katastrophe
Tja, wenn man halt nur in Nationalismus investiert, kommt dabei sowas raus. Die verantwortlichen Politikern haben ihre Oligarchie und Korruption, gegen die sich die Maidan-Proteste ursprünglich richteten, und sind damit fein raus. Ausbaden müssen es die Menschen in der Ukraine - alle, nämlich West- und Ostukrainer. Das war's mit den Errungenschaften der Putschriegierung! Glückwunsch!
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