Krieg in Ostukraine Granatenangriff auf Busbahnhof in Donezk

Vor der geplanten Ukraine-Konferenz in Minsk bleibt die Lage im Osten des Landes unruhig: Aus Donezk wird vom Beschuss einer Bushaltestelle berichtet, das ukrainische Militär meldet Tote in Debalzewe.


Donezk - Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat auf seiner Webseite erklärt, er fordere "bedingungslosen Frieden": "Wir verlangen einen Waffenstillstand, einen Rückzug aller ausländischen Truppen und die Schließung der Grenzen", heißt es dort. Doch nach einer Feuerpause sieht es derzeit in der Ostukraine noch nicht aus.

Im Stadtzentrum von Donezk habe eine Granate das Dach einer Bushaltestelle durchschlagen, meldet ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters. Bei dem Angriff sei mindestens ein Mensch getötet worden, heißt es. Neben einem ausgebrannten Kleinbus sei die Leiche eines Mannes zu sehen gewesen.

Sanitäter berichteten, als Folge des Angriffs sei eine weitere Person im Krankenhaus gestorben, zwei andere seien schwer verletzt worden. Auch ein Reporter der Nachrichtenagentur AP bestätigt den Fund der Leichen. Weder Rebellenvertreter noch die ukrainische Regierung nahmen bisher zu den Vorfällen Stellung.

Aus der Stadt Debalzewe meldet das ukrainische Militär, 19 Soldaten seien bei Angriffen von Rebellen getötet und 78 weitere verletzt worden. Darunter seien auch die fünf Soldaten, die am Dienstag bei einem Raketenangriff auf das Hauptquartier der ukrainischen Armee in Kramatorsk getötet worden waren, erklärte der Armeesprecher.

Im weißrussischen Minsk ist am heutigen Mittwoch ein Gipfeltreffen zur Befriedung des Konflikts geplant. Noch ist unklar, ob die Friedenskonferenz tatsächlich stattfinden wird. An den Verhandlungen sollen Poroschenko, sein russischer Kollege Wladimir Putin, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande teilnehmen.

Eine feste Zusage machte der ukrainische Präsident für den EU-Gipfel am Donnerstag: Poroschenko werde in Brüssel über die Lage in seinem Land informieren, teilte EU-Gipfelchef Donald Tusk mit. Bei dem Treffen wollen die Staats- und Regierungschefs neben der Ukraine-Krise und den Beziehungen zu Russland auch über den Kampf gegen den Terrorismus und den Schuldenstreit mit Griechenland sprechen.

DER SPIEGEL

vek/Reuters/AP/AFP

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archi47 11.02.2015
1.
Der Begriff spricht doch Bände. Die dazu gehörige Grafik erklärt uns, daß 14% Russenanteil für Putin reicht, um Gebiete "heimholen" zu wollen. Er erwartet jetzt wohl, daß man überall dort vor ihm zittert und Zugeständnisse macht, wo jeder siebte russischer Abstammung ist. Eine so durchgeknallte und gefährliche Doktrin eines Staates, da muß man schon fast 100 Jahre zurückgehen und vor der eigenen Tür kehren! Es sollte unter Aufsicht der UNO eine freie Volksabstimmung geben, bei der die Großmächte und Weltmächte militärisch außer Landes sind. Dafür sollten UN-Truppen aus korruptionsresistenten Ländern die bewaffnete Aufsicht bei der Abstimmung übernehmen und auch das Personal zur Aufsicht, Auszählung und Übermittlung stellen. Die ukrainische Polizei und Armee sollte für die SIcherheit außerhalt der Bannmeile zuständig sein.
klarobutzke 11.02.2015
2.
Wieder eine Bushaltestelle in Donezk. Wieder eine Mörserattacke = kurze Reichweite. Direkt nach der letzten Einigung von Berlin gab es das schon. Jetzt unmittelbar vor Minsk erneut. Nach russischem Denkmuster muss man sich doch fragen: Wem nutzen solche Anschläge? Wird das jetzt Separatistenfolklore? Donezker: meidet Bushaltestellen kurz vor und nach hochrangigen Verhandlungsterminen!
frodosix 11.02.2015
3. Konstruktionsfehler der UNO
Zitat von archi47Der Begriff spricht doch Bände. Die dazu gehörige Grafik erklärt uns, daß 14% Russenanteil für Putin reicht, um Gebiete "heimholen" zu wollen. Er erwartet jetzt wohl, daß man überall dort vor ihm zittert und Zugeständnisse macht, wo jeder siebte russischer Abstammung ist. Eine so durchgeknallte und gefährliche Doktrin eines Staates, da muß man schon fast 100 Jahre zurückgehen und vor der eigenen Tür kehren! Es sollte unter Aufsicht der UNO eine freie Volksabstimmung geben, bei der die Großmächte und Weltmächte militärisch außer Landes sind. Dafür sollten UN-Truppen aus korruptionsresistenten Ländern die bewaffnete Aufsicht bei der Abstimmung übernehmen und auch das Personal zur Aufsicht, Auszählung und Übermittlung stellen. Die ukrainische Polizei und Armee sollte für die SIcherheit außerhalt der Bannmeile zuständig sein.
Klar, es wäre sinnvoll die UNO mit ins Boot zu holen. Das Problem dabei ist, dass eine solche UNO Mission niemals eine Zustimmung finden wird. Der Konstruktionsfehler der UNO, dass einige wenige Länder mit einem Veto jede Entscheidung torpedieren können, wiegt in diesem Fall besonders schwer, da die Vetomacht Russland direkt an dem Konflikt beteiligt ist und deren Interesse dabei konträr zu dem der anderen Länder (mit Ausnahme vielleicht von China) ist. Es gibt zwar wohl (laut Wikipedia) die Klausel in der UNO-Charta, dass Länder, welche direkt in einen Konflikt involviert sind kein Veto ausüben können, aber da Russland ja "offiziell" gar nicht beteiligt ist, hat dieses eine gute Ausrede trotzdem jede Resolution zu stopen, die gegen seine Interessen gehen würde.
archi47 11.02.2015
4.
""Neurußland", welch ein Anspruch!" die Überschrift ist bei der Veröffentlichung meines Betrages offenbar verlorengegangen. Wegen der besseren Verständlichkeit meines Beitrags zu 1. deshalb hier die Nachlieferung.
archi47 11.02.2015
5. Sie haben natürlich Recht
Zitat von frodosixKlar, es wäre sinnvoll die UNO mit ins Boot zu holen. Das Problem dabei ist, dass eine solche UNO Mission niemals eine Zustimmung finden wird. Der Konstruktionsfehler der UNO, dass einige wenige Länder mit einem Veto jede Entscheidung torpedieren können, wiegt in diesem Fall besonders schwer, da die Vetomacht Russland direkt an dem Konflikt beteiligt ist und deren Interesse dabei konträr zu dem der anderen Länder (mit Ausnahme vielleicht von China) ist. Es gibt zwar wohl (laut Wikipedia) die Klausel in der UNO-Charta, dass Länder, welche direkt in einen Konflikt involviert sind kein Veto ausüben können, aber da Russland ja "offiziell" gar nicht beteiligt ist, hat dieses eine gute Ausrede trotzdem jede Resolution zu stopen, die gegen seine Interessen gehen würde.
Deshalb führt man ja diese Gespräche z. B. jetzt in Minsk, jedenfalls nach meinem Verständnis. Ich hoffe nur, daß eine UNO-Lösung dort überhaupt ein Thema ist und nicht nur das primateneigene Imponiergehabe des 19. und 20. Jhs. diverser Einzeldarsteller!
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