Ukraine-Bericht von Human Rights Watch Separatisten bestrafen Zivilisten mit Zwangsarbeit

Human Rights Watch erhebt schwere Vorwürfe gegen die Separatisten in der Ostukraine. Bürger würden für kleinste Vergehen zu wochenlanger Zwangsarbeit verpflichtet - es reiche schon ein Bier auf der Straße.

Separatisten, 50 Kilometer vor Donezk: "Schwerwiegende Verstöße gegen das Kriegsrecht"
AFP

Separatisten, 50 Kilometer vor Donezk: "Schwerwiegende Verstöße gegen das Kriegsrecht"


Hamburg - Nach dem Bericht von Human Rights Watch (HRW) zwingen die Separatisten in der Ostukraine Zivilisten zu mehrwöchigen Arbeitseinsätzen. Kleinste Verstöße gegen die öffentliche Ordnung würden als Vorwand genommen, um Zwangsarbeiter einzusetzen, berichtet die Menschenrechtsorganisation.

Es geht um sogenannte Strafbrigaden. Die dort eingesetzten Bürger würden in manchen Fällen geschlagen und misshandelt. HRW spricht von mehreren Vorkommnissen, in denen solche Zwangsarbeiter an Checkpoints nahe der Front eingesetzt worden seien - wo sie dem Risiko von Beschuss der Regierungstruppen ausgesetzt waren. Hugh Williamson, Regionaldirektor bei HRW, spricht von "schwerwiegenden Verstößen gegen das Kriegsrecht".

Der Bericht wurde am Freitagmorgen veröffentlicht. Am Nachmittag könnte eine Waffenruhe in der Region in Kraft treten - noch am Donnerstag gab es heftige Kämpfe. Zuletzt erlitten Regierungstruppen schwere Niederlagen.

Die "New York Times" hatte bereits Anfang August berichtet, dass die Separatisten Strafbrigaden einsetzten. Auch die Uno-Menschenrechtskommission teilte vergangene Woche mit, dass viele Menschen in den umkämpften Gebieten zur Zwangsarbeit herangezogen würden.

Bis zu 30 Tage Strafarbeit für kleinste Vergehen

HRW präsentiert nun Details zum System der Zwangsarbeit. Die Organisation interviewte dafür Mitte August in der umkämpften Stadt Donezk mehrere Betroffene, deren Verwandte sowie einen Kämpfer auf der Seite der Separatisten.

Sie alle hätten ausgesagt, dass Zivilisten für kleine Verstöße wie Alkoholtrinken in der Öffentlichkeit oder die Missachtung der Ausgangssperre bis zu 30 Tage in Strafbrigaden arbeiten mussten. In zwei Fällen seien Bürger verpflichtet worden, weil sie Bier auf der Straße getrunken hätten. Ein Separatist gab an, die Bürger würden etwa eingesetzt, um Schützengräben auszuheben oder Gebäude auf Militärbasen zu reinigen.

Einige der Fälle, die der Bericht aufzählt:

  • Ein 28-jähriger Student gab an, er sei festgesetzt worden, weil er ein Bier auf offener Straße getrunken habe. Er habe sechs Tage in einer kleinen Strafbrigade an einem Checkpoint nahe Pervomaiskoje arbeiten müssen, zehn Kilometer von der damaligen Frontlinie zwischen Regierungstruppen und Separatisten entfernt.

  • Ein Vater berichtete, dass sein Sohn Dmitrij Mitte August kurz nach Mitternacht auf dem Heimweg nach einer Verabredung aufgegriffen worden sei. Ihm wurde vorgeworfen, eine von 23 Uhr bis 6 Uhr geltende Ausgangssperre gebrochen zu haben. Ein Vertreter der Rebellen teilte dem Vater drei Tage später mit, dass Dmitrij nun zwei Wochen in einer Strafbrigade arbeiten werde.

  • Ein 22-Jähriger gab an, er sei betrunken aufgegriffen und im Verwaltungsgebäude mehrfach geschlagen worden. Er habe zehn Tage in einer Strafbrigade Sandsäcke gefüllt und Gemüse geschält. Der Einsatz an einem Checkpoint habe ihn verängstigt, weil in der Nähe Geschosse eingeschlagen seien.

HRW betont, dass diese Praxis gegen das humanitäre Völkerrecht verstoße. Zwar sieht das Kriegsrecht die Möglichkeit von Zwangsarbeit vor, allerdings müsse diese entlohnt werden und dürfe weder mit Misshandlung einhergehen noch in direktem Zusammenhang zu Militäroperationen stehen.

fab

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 200 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Herr Hold 05.09.2014
1. Freiheitskämpfer
Das ist doch bestimmt wieder billige Propaganda und die Separatisten kämpfen nur für ihre Freiheit. Als würden diese Menschein einfach nur ihre eigenen egoistischen Machtziele verfolgen.
fatherted98 05.09.2014
2. klar...
...nur die Separtisten begehen Menschenrechtsverletzungen...Artillerie die in Wohngebiete schießt ist ja ganz normal...warum wird darüber eigenlich nicht kritisch berichtet...?
analyse 05.09.2014
3. Klingt so nach Einzelfällen,die überall bei kriegerischen
Auseiandersetzungen leider vorkommen,aber tatsächlich scheinen die Separatisten ungeordnet und schwer beeinflußbar zu sein ,ohne straff organisierte Führung.
barstow 05.09.2014
4. Naja, und wo bleibt der Vorwurf des Beschuss
ziviler Gebäude durch die ukrainische Armee?
lari-fari-i 05.09.2014
5. Das Kriegsrecht...
...sieht die Möglichkeit von Zwangsarbeit vor!?!?!? Häh? Mir scheint das müsste mal überarbeitet werden...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.