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Ukraine: Separatisten sollen Rot-Kreuz-Geisel misshandelt haben

Maskierter Bewaffneter in Donezk: Separatisten hielten Rot-Kreuz-Geiseln fest Zur Großansicht
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Maskierter Bewaffneter in Donezk: Separatisten hielten Rot-Kreuz-Geiseln fest

Wegen Spionageverdachts sind sieben Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Donezk von Unbekannten über Stunden festgehalten worden. Nach ihrer Freilassung wurde bekannt, dass einer der Gefangenen heftig geschlagen wurde.

Donezk - Sieben Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Donezk, darunter ein Schweizer, sind sieben Stunden lang in dem von den prorussischen Milizen besetzten Gebäude der Regionalverwaltung festgehalten worden.

Ein Sprecher der selbsternannten "Volksrepublik Donezk", Kiril Rudenko, hatte erklärt, die Männer seien am Freitagabend unter Spionageverdacht festgenommen worden. Worauf dieser begründet war, sagte er nicht.

Gegen 19 Uhr waren Unbekannte in das Büro der Organisation gekommen und hatten die Rot-Kreuz-Männer in ihre Gewalt gebracht. Mehrere ebenfalls anwesende Frauen ließen sie offenbar zurück. Gegen zwei Uhr nachts wurden die Gefangenen dann wieder freigelassen. Eine Vertreterin des örtlichen Roten Kreuzes berichtete, eine der Geiseln sei heftig geschlagen worden. "Er befindet sich jetzt im Krankenhaus", sagte Irina Tsaryuk der Nachrichtenagentur Reuters.

Das Internetportal "Nowosti Donbassa" schrieb, die Geiselnehmer hätten außerdem große Vorräte an Arzneien mitgehen lassen. Dabei handelt es sich um Medikamente, die am 7. Mai ins Rote-Kreuz-Hauptquartier geliefert worden waren. Die Mittel sollten ursprünglich in der Region verteilt werden, wo es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt.

Im Osten der Ukraine halten prorussische Separatisten seit Wochen Polizeiwachen und Verwaltungsgebäude besetzt und nahmen wiederholt ausländische Journalisten wegen angeblicher Spionage fest. In Slowjansk hielten sie zudem eine Gruppe ausländischer OSZE-Militärbeobachter über eine Woche lang gefangen, darunter vier Deutsche.

"Ein Schritt in den Abgrund"

Separatisten in Donezk haben für Sonntag zu einem Referendum über eine Abspaltung von der Ukraine aufgerufen. Die Regierung in Kiew zeigte sich erneut bereit zum Dialog: "Wir haben den Donbass gehört und sind bereit, uns an den Verhandlungstisch zu setzen", sagte der prowestliche Übergangspräsident Alexander Turtschinow am Samstag. Die Führung wolle Gespräche mit politischen und gesellschaftlichen Vertretern führen, sagte Turtschinow in einer Fernsehsendung. Ausdrücklich davon ausgenommen seien "Terroristen, die sich die Zerstörung des Landes zur Aufgabe gemacht haben".

Turtschinow warnte die prorussischen Kräfte in der Ostukraine vor den Folgen einer Abspaltung der wirtschaftlich starken Gebiete Donezk und Luhansk. "Das wäre ein Schritt in den Abgrund", sagte der Interimspräsident.

Der ukrainische Präsidentschaftskandidat Petro Poroschenko hat derweil mit der Bundesregierung über deutsche Investitionen in der Ostukraine gesprochen. "Sonderinvestitionen waren das Hauptthema meiner Gespräche mit Angela Merkel diese Woche in Berlin", sagte der Unternehmer dem "Focus". Poroschenko rief den Westen auf, die Wahl mit der Entsendung von Beobachtern und Vermittlungsgesprächen mit Russland abzusichern. Der Westen könne zudem Sanktionen gegen ganze russische Wirtschaftszweige verhängen, um "Russland auf den Weg des Dialogs zurückzulotsen".

Hackerangriff auf Belgiens Außenministerium

Am Samstag wurde bekannt, dass Hacker offenbar versucht haben, mit einem Computervirus Zugang zu "Informationen und Dokumenten zur Ukraine-Krise" im belgischen Außenministerium zu erlangen. Außenminister Didier Reynders erklärte, das Ministerium und der militärische Geheimdienst hätten die Cyberattacke bereits vor "einigen Tagen" entdeckt.

Die Behörden prüften nun Schäden und Identität der Hacker, auch Ministerpräsident Elio Di Rupo sei eingebunden. Den Zeitungen "De Tijd" und "L'Echo" zufolge steht Moskau hinter den Angriffen.

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ala/dpa/Reuters/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 139 Beiträge
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1. Vorsicht!
romeov 10.05.2014
der ukrainische Schokoladenfabrikant kann mit Hilfe der westlichen Presse einen nicht wieder zu reparierenden Schaden verursachen. Alles wird vollkommen hysterisch dargestellt und keiner hat mehr den Durchblick
2. Zu erwarten
pleasenocomment 10.05.2014
War doch irgendwie zu erwarten, daß dies nun passiert, wenn Spione unter dem Deckmantel ziviler Organisationen ausgesandt werden (man erinnere sich an unsere angeblichen OSZE Beobachter). Ich will damit die Gefangensetzung und schon gar nicht die Misshandlung rechtfertigen. Aber das Misstrauen gegenüber jeglichen westlichen Hilfsorganisationen ist schon verständlich. Ich hoffe bloß für die Zukunft, dass diese Organisationen nicht weiter unterwandert/ausgenutzt werden, damit sie das volle Vertrauen wieder genießen und so etwas nicht wieder passiert.
3. Bis heute...
Hamada 10.05.2014
weiß ich nicht wie die Fragestellung des Referendums ist. Ich weiß das Putin böse ist und das Kiew das Referendum nicht will. Ist denn ein Referendum schon ein kriegerischer Akt? Der Westen und Kiew sollte doch froh sein, wenn der Osten der Ukraine sich klar äußert.
4. Verrohung
hdwinkel 10.05.2014
Die willkürlichen Entführungen (Eine Geiselnahme war es wohl eher nicht) gehen selbstverständlich gar nicht, und Gewaltanwendung gegen andere sind das allerletzte. Was allerdings auffällt ist die Verrohung der Sitten dahingehend, daß auch vor neutralen Organisationen nicht mehr zurückgeschreckt wird. Und an dieser Tendenz haben alle Mitspieler in den globalen Konflikten so ihren Anteil. Der Mißbrauch eines UN Impfprogramms bei der Ergreifung BinLadens macht nun Impfprogramme in Pakistan nahezu unmöglich. Und auch die jüngste Geiselnahme der Militärbeobachter kann tatsächlich als Mißbrauch der friedlichen parallel laufenden OSZE Mission interpretiert werden. Das stärkt nicht eben das Vertrauen in diese Organisationen.
5.
laffleur 10.05.2014
Zitat von romeovder ukrainische Schokoladenfabrikant kann mit Hilfe der westlichen Presse einen nicht wieder zu reparierenden Schaden verursachen. Alles wird vollkommen hysterisch dargestellt und keiner hat mehr den Durchblick
Die Menschen in der Ukraine können eigenständig denken, denen ist herzlichst egal was bei uns in der Presse steht. Wenn die Mehrheit Poroshenko wählt, dann will die Mehrheit ihn als Präsidenten haben. Wenn die Mehrheit wie die sog. Separatisten denken würde, würde sie wohl entsprechend anders wählen, tut sie aber augenscheinlich nicht. Deswegen wird durch eine absolute Minderheit versucht, anständige Wahlen zu verhindern, durch das gute alte Handwerk der Einschüchterung, Terrorisierung, etc. pp.
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