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US-Satellitenbilder zur Ukraine: "Man muss skeptisch sein"

Ukraine: Die angeblichen US-Beweise Fotos
AP/ U.S. State Department

Die USA wollen Beweise vorgelegt haben, dass russische Truppen Raketen auf Ukrainer schießen - Militärexperte Reed Foster widerspricht der Behauptung. Im Interview erklärt er, welche Rolle Satellitenbilder im Ukraine-Konflikt spielen.

Zur Person
  • IHS
    Reed Foster ist Analyst beim Militär-Fachverlag IHS Jane's. Er leitet dort die Abteilung Militärische Fähigkeiten. Zuletzt untersuchte er für die "New York Times" Bilder von Wrackteilen des abgestürzten Flugs MH17.
SPIEGEL ONLINE: Die USA wollen Beweise vorgelegt haben, dass russische Einheiten über die Grenze auf ukrainische Truppen feuern. Als Laie erkennt man allerdings nicht viel auf diesen Satellitenbildern - was sehen Sie dort?

Foster: Man erkennt vor allem die Einschläge von Raketenwerfern an der russisch-ukrainischen Grenze. Von den Einschlagkratern kann man auf Flugrichtung und -bogen der Raketen schließen. Man erfährt also einiges über das eingesetzte Kriegsgerät in dem Gebiet, einen Frontverlauf. Nur: Von den Bildern aus kann man kaum sagen, wer welche Raketen benutzt hat.

SPIEGEL ONLINE: Das Außenministerium in Washington sieht allerdings den Beweis erbracht, dass russische Truppen aktiv kämpfen - die Rede ist von einer "smoking gun".

Foster: Eine "smoking gun" - in dem Sinne, dass man sehen könne, hier würden Raketen von russischen Truppen oder von russischen Systemen gefeuert - sind die Bilder nicht. Die Ukrainer und Russen benutzen ja dieselben Raketensysteme; es ist also sehr schwer zu sagen, welche Waffen etwa die Separatisten beschlagnahmt haben oder geliefert bekommen haben. Das ist eine große Schwierigkeit in diesem Konflikt.

SPIEGEL ONLINE: Kann man mit Satellitenbildern überhaupt nachweisen, was auf dem Boden vor sich gegangen ist?

Foster: Ja, dazu werden sie ja seit Jahrzehnten verstärkt benutzt. Das US-Außenministerium hat die Bilder einer Privatfirma gekauft. Das ist Material, das jeder kaufen könnte. Die Bilder sind für Washington ein effektives Mittel, um seine Version dessen zu vermitteln, was in der Ostukraine passiert. Solche Aufnahmen werden verbreitet, um Interesse bei einem breiten Publikum zu erregen.

SPIEGEL ONLINE: Warum greift man auf Bilder einer privaten Firma zurück? Das Militär müsste doch über bessere Aufnahmen verfügen.

Foster: Würde man eigene Bilder von Diensten oder Militär veröffentlichen, verrät man etwas darüber, wie gut die eigenen Aufklärungsfähigkeiten sind. Viele Dienste wollen das nicht. Es ist einfacher, solche privaten Bilder zu kaufen, wenn sie die Geschichte genauso gut erzählen. Aber ja, die Fähigkeiten des Militärs übersteigen jene einer Firma wie Digital Globe.

Satellitenbild zu einem Artillerieangriff Zur Großansicht
REUTERS/ DigitalGlobe/ U.S. State Department

Satellitenbild zu einem Artillerieangriff

SPIEGEL ONLINE: Auf einem anderen Bild werden "russische Artillerie-Einheiten" identifiziert, die über die Grenze auf ukrainische Soldaten feuerten. Woher weiß man, dass das Russen sind?

Foster: Das lässt sich kaum beweisen. Man könnte auch sagen, dass Rebellen die offenen Grenze ausnutzen, dass sie straflos von dort operieren können, dass Russland wegschaut. Auch bei der Artillerie haben wir im Konflikt die Schwierigkeit, dass sich das Gerät ähnelt. Bilder wären einfacher auszuwerten, wenn hier westliche Panzer gegen Ex-Sowjet-Panzer kämpfen würden. Das ist nicht der Fall.

SPIEGEL ONLINE: Was ist für Sie die wichtigste Information, die Sie diesen Aufnahmen entnehmen?

Foster: Sie zeigen für die Seite der Separatisten, dass hier keine Amateure am Werk sind. Um solche Artilleriemanöver und Raketenangriffe zu fahren, muss man ausgebildet sein. Wir sehen, dass das Kriegsgerät korrekt bedient wird. Wer sie ausgebildet hat, verraten die Aufnahmen nicht.

SPIEGEL ONLINE: Viele sind gegenüber solchen US-"Beweisen" skeptisch. Sie denken auch an das Vorspiel zum Irakkrieg, als der US-Außenminister vermeintliche Beweise zu irakischen Massenvernichtungswaffen präsentierte, die sich später als komplett falsch erwiesen.

Foster: Es gibt immer eine Skepsis, wenn solche Bilder als Beweise präsentiert werden. Man kann verschiede Geschichten mit solchen Aufnahmen erzählen. Gerade in solch einem Konflikt, ohne klare Grenzen und mit ähnlichen Waffen auf beiden Seiten, ist ein gewisses Maß an Skepsis vielleicht nicht schlecht.

Das Interview führte Fabian Reinbold

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insgesamt 217 Beiträge
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1. ach nee
janne2109 29.07.2014
das hatten doch hier bereits nach dem ersten Bericht einige Foristen geschrieben, also Spon Ihr kommt zu spät
2. Zusammengefasst
porzo 29.07.2014
kann man also sagen, dass diese Satellitenbilder nichts entscheidendes beweisen. Trotzdem werden sie uns als Beweise der Amerikaner verkauft? Wunderbar!
3. Dass man
Az. 29.07.2014
Bei Beweisen die von Amerikanern vorgelegt werden, wenn es dazu noch Satellitenfotos sind, skeptisch sein muss, ist wohl die Untertreibung des Jahres.
4.
LeBigMacke 29.07.2014
Zitat von sysopREUTERS/ DigitalGlobe/ U.S. State DepartmentDie USA wollen Beweise vorgelegt haben, dass russische Truppen Raketen auf Ukrainer schießen - Militärexperte Reed Foster widerspricht der Behauptung. Im Interview erklärt er, welche Rolle Satellitenbilder im Ukraine-Konflikt spielen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-interview-zu-us-satellitenbildern-mit-reed-foster-a-983492.html
Wie angenehm solche Objektivität sein kann, ich dachte, das gäbe es hier gar nicht mehr. Bitte weiter so! Hier wird auch deutlich, dass man Indizien und Tendenzen bewerten kann, ohne mit dem Holzhammer einen "Schuldigen" festmachen zu wollen, der zum jeweiligen Zeitpunkt nicht festzumachen ist.
5. Was wird eigentlich passieren, sollte es
_alexander_ 29.07.2014
sich herausstellen, dass MH 17 von der ukrainischen Armee abgeschossen wurde? Werden sich all die Politiker und Journalisten, die Russland und Putin mit Dreck regelrecht beworfen haben, öffentlich entschuldigen?
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