Desolate Wirtschaftslage IWF-Chefin Lagarde schickt Aufklärungsteam in die Ukraine

Hohe Schulden, Korruption und Vetternwirtschaft haben die wirtschaftliche Lage in der Ukraine geprägt. Laut Regierungschef Jazenjuk flossen 37 Milliarden Dollar in unbekannte Kanäle. Nun bittet man den IWF um Hilfe - Christine Lagarde schickt erst mal eine Untersuchungsmission.

Neuer Regierungschef Jazenjuk: Das Parlament stimmte mehrheitlich für ihn
AFP

Neuer Regierungschef Jazenjuk: Das Parlament stimmte mehrheitlich für ihn


Kiew - Die Ukraine steht am Rande des Staatsbankrotts. Um diesen abzuwenden, braucht Kiew in den kommenden zwei Jahren 35 Milliarden Dollar. Der Internationale Währungsfonds will zwar helfen - gewährt aber nur dann überlebenswichtige Kredite, wenn es einschneidende Reformen gibt.

Hohe Schulden, Korruption und Vetternwirtschaft - nach Darstellung des neuen Regierungschefs Arsenij Jazenjuk sind unter der Janukowitsch-Regierung 37 Milliarden Dollar in unbekannte Kanäle verschwunden. Eine Summe, die die mittlerweile gestürzte ukrainische Regierung von den USA als Kredit erhalten hatte. In den vergangenen drei Jahren seien zudem insgesamt rund 70 Milliarden Dollar aus dem Finanzsystem der Ukraine in Offshore-Konten geflossen.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass sich die Lage im ukrainischen Finanzsektor weiter verschlechtert hat. Die zwei größten russischen Banken haben ihre Kreditvergabe stark eingeschränkt.

Börsenkurse stürzen ab

Laut Reuters plant die Ukraine nun, eine Finanzspritze von mindestens 15 Milliarden Dollar beim IWF zu beantragen. Der neue ukrainische Finanzminister Alexander Schlapak hofft darauf, nächste Woche mit Vertretern des IWF über das Hilfspaket verhandeln zu können.

Die Chefin des Währungsfonds, Christine Lagarde, bestätigte die Anfrage der Ukraine und will in den kommenden Tagen Mitarbeiter nach Kiew entsenden. Das Team solle Vorverhandlungen mit den Verantwortlichen vor Ort führen. Auf diese Weise könne der IWF die wirtschaftliche Situation unabhängig bewerten und eine Basis für die Zusammenarbeit legen, sagte Lagarde.

Seit Beginn der Proteste Ende November 2013 hat die Landeswährung Griwna rund ein Drittel an Wert verloren. Allein am Donnerstag sackte sie in kürzester Zeit um fast zehn Prozent zum US-Dollar ab. Die Arbeitslosenrate unter den 45 Millionen Ukrainern ist gewaltig.

Die neue Führung der Ex-Sowjetrepublik hat sich zu dem Westkurs bekannt. Deshalb ist das Verhältnis zum Nachbarn Russland besonders heikel. Der russische ist zugleich der wichtigste Markt für ukrainische Produkte. Besonders die gespannte Lage auf der prorussisch geprägten Halbinsel Krim gibt Anlass zu großer Sorge, das Land könne zerbrechen.

Auch an den Börsen in ganz Europa ist die sich zuspitzende Krise zu spüren: Am Vormittag stürzten die Kurse der europäischen Leitindizes binnen Minuten ab. Der Deutsche Aktienindex und der EuroStoxx50 lagen mit mehr als einem Prozent im Minus.

vek/kgp/Reuters/dpa

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insgesamt 40 Beiträge
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juergw. 27.02.2014
1. Erst an Griechenland denken...
liebe Lagarde ,die brauchen auch noch ein paar Milliarden. Alle Abgeordneten in der Rada sind Millionäre,da mal nachfragen ,wo das Geld geblieben ist.Die Ukraine ist das nächste Faß ohne Boden.Die Auflagen des IWF werden zu neuen Demonstrationen führen in Kiew.
vogelsteller 27.02.2014
2. So ist das eben
jetz kommen die Betreiber des "revolutionären" Umsturzes und legen ihre Forderungen auf den Tisch und man wird sehen, wie gefügsam die neuen Herren sein werden. Denn letztlich stehen sie in der Schuld bei ihren Sponsoren.
steuergeldvernichten 27.02.2014
3. Oligarchische Kontensperrung:
37 Milliarden Euro sind verschwunden - 35 Milliarden beantragt die Ukraine als Bedarf Sofortkredit. Wenn alle Auslandskonten der Oligarchen gesperrt werden, ist die Ukraine zwei Milliarden im Plus - der IWF kann bleiben wo er ist - und die Demokratie kann spriessen...
privat78 27.02.2014
4. Lächerlich
Der von den USA dominierte WWF wird den Ukrainern sicherlich helfen. Die USA ist ja für gutes Wirtschaften und nachhaltige Politik bekannt, ebenso wie die EU. Die können mit Geld umgehen. Die USA als Menschenrechtsexperten und die EU als Demokratieexperten werden aus der Ukraine blühende Landschaften machen. Helmut Kohl hat es uns vorgemacht.
lupenrein 27.02.2014
5. ...........
Zitat von vogelstellerjetz kommen die Betreiber des "revolutionären" Umsturzes und legen ihre Forderungen auf den Tisch und man wird sehen, wie gefügsam die neuen Herren sein werden. Denn letztlich stehen sie in der Schuld bei ihren Sponsoren.
Richtig. Diese Korruption gibt es docj nicht erst im letzten Parlament der Ukraine und die Korruption wird auch unter deinem freiheitlichen , demokratischen Parlament ' in der Ukraine blühenn und gedeihen..... Jegliche finanzielle Hilfe des Westens wird deshalb auf ein Fass ohne Boden treffen.
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