Ukraine-Konflikt Jazenjuk vergleicht Putin mit "Drogensüchtigem"

"Um seine Popularität zu bewahren, muss Putin weitere internationale Verbrechen begehen": Der ukrainische Premier Jazenjuk attackiert im SPIEGEL-Interview den russischen Präsidenten heftig - und stellt dem Westen Forderungen.

Ukrainischer Premier Jazenjuk: "Putin braucht immer neue Annexionen"
AP

Ukrainischer Premier Jazenjuk: "Putin braucht immer neue Annexionen"


Hamburg - Der ukrainische Premierminister Arsenij Jazenjuk hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit einem Drogenabhängigen verglichen. Seine aggressive Politik mache Putin "zu einem Drogensüchtigen", sagte Jazenjuk im Interview mit dem SPIEGEL. "Sein Überleben ist abhängig von weiteren Landnahmen auf fremdem Staatsgebiet. Er braucht immer neue Annexionen." (Die ganze Geschichte lesen Sie hier im aktuellen SPIEGEL)

Der Applaus, den Putin durch die Annexion der Krim daheim erhalten habe, werde nicht ewig anhalten, da es der russischen Bevölkerung wegen der Sanktionen des Westens zunehmend schlechter gehe. "Um seine Popularität zu bewahren, muss Putin weitere internationale Verbrechen begehen", warnte Jazenjuk: "Sonst ist er politisch tot."

"Wir brauchen militärische Hilfe"

Der ukrainische Regierungschef forderte den Westen auf, mehr für sein Land zu tun. "Wir stehen vor einer wirtschaftlichen Katastrophe und der Frage von Krieg und Frieden", sagte der Premierminister. "Wir brauchen mehr finanzielle und militärische Hilfe, Waffenlieferungen sind für uns von zentraler Bedeutung."

Russland hatte im Frühjahr die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim annektiert. Wenig später weitete sich der Ukraine-Konflikt auf den Osten des Landes aus. Bei Kämpfen zwischen Separatisten und der ukrainischen Armee starben seitdem mehrere Tausend Menschen. Die Ukraine strebt eine Annäherung an den Westen an, zuletzt brachte Staatspräsident Petro Poroschenko ein Gesetz zum Nato-Beitritt ins ukrainische Parlament ein.

Putin selbst hatte in seiner Jahrespressekonferenz am Donnerstag die ukrainische Regierung scharf attackiert: Kiew führe im Osten des Landes eine "Strafaktion" durch und sei verantwortlich für das dortige Blutvergießen. "Nicht die Volkswehr im Osten hat ihre Einheiten gegen Kiew gerichtet, sondern im Gegenteil: Die ukrainische Regierung hat ihre Streitkräfte nach Osten geschickt und verwendet Artillerie und Luftwaffe", sagte Putin vor 1200 Journalisten.



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