Ukraine-Konflikt Russischer Journalist bei Gefechten getötet

Heftige Kämpfe in der Ostukraine: Ein russischer Journalist soll getötet worden sein, zwei andere wurden offenbar gefoltert. Russische Separatisten melden zudem einen weiteren Flugzeugabschuss.

Prorussischer Separatist vor Kramatorsk: "Kiew tötet seine Bürger"
REUTERS

Prorussischer Separatist vor Kramatorsk: "Kiew tötet seine Bürger"


Kiew/Moskau - Bei Gefechten in der Ostukraine hat es nach Angaben der prowestlichen Führung erneut zahlreiche Tote und Verletzte gegeben. Im Raum Kramatorsk seien mindestens sechs Separatisten erschossen worden, teilte Armeesprecher Wladislaw Selesnjow in Luhansk mit. Zudem seien viele Aufständische mit Verwundungen in Krankenhäuser gebracht worden.

Auch das Militär erlitt demnach Verluste. So seien bei Feuergefechten im Gebiet Donezk mehr als 30 Angehörige der Regierungstruppen verletzt worden. Ihre Stellungen wurden unter anderem im Ort Alexejewskoje attackiert.

Zudem ist offenbar ein russischer Journalist getötet worden. Der Fernsehreporter Igor Kornieljuk war am Dienstag nahe der Rebellenhochburg Lugansk unter Beschuss geraten und schwer verletzt worden, sagte ein Sprecher der staatlichen russischen Medienholding WGTRK. Er wurde bewusstlos ins Krankenhaus von Luhansk gebracht und starb nach Angaben von Chefarzt Fedir Soljanik noch auf dem Weg in den Operationssaal.

Zwei andere russische Reporter, die für den staatlichen Fernsehsender Swesda arbeiten, wurden nach eigenen Angaben drei Tage lang in der Ostukraine festgehalten und verprügelt. Sie seien am Samstag an einem Kontrollpunkt festgenommen und in einem Keller von Mitgliedern des rechtsextremen Prawy Sektor befragt worden. Die Ukrainer drohten demnach damit, sie zu töten, und verlangten 200.000 Dollar (knapp 150.000 Euro) Lösegeld.

Prorussische Separatisten berichten von Flugzeugabschuss

"Wenn ihnen meine Antworten nicht gefielen, haben sie mich geschlagen", berichtete einer der Reporter, der einen Trommelfellriss erlitt und nach seiner Freilassung im Krankenhaus behandelt werden musste. Beide Männer hatten zudem ein blaues Auge. Ein Sprecher des rechtsextremen Prawy Sektors bestätigte, dass am Wochenende zwei russische Reporter festgehalten worden seien. Sie wurden demnach an den ukrainischen Geheimdienst SBU übergeben.

Die Kämpfe zwischen Separatisten und Armee eskalieren zusehends. Die prorussischen Aufständischen berichteten vom Abschuss eines Kampfflugzeugs des Typs Suchoi Su-25. Der Pilot habe sich per Schleudersitz gerettet, hieß es. Separatistensprecher Alexej Toporow sagte, die "Volkswehr" habe vor Luhansk mehrere Dutzend Panzerfahrzeuge der Armee mit Salven an der Weiterfahrt gehindert.

Im Rahmen seines Friedensplans setzt der ukrainische Präsident Petro Poroschenko eine Sonderbeauftragte für die Krisenregionen Donezk und Luhansk ein. Irina Geraschtschenko solle den Dialog mit den Aufständischen vor allem in der selbst ernannten "Volksrepublik Donezk" suchen, die wie die "Volksrepublik Luhansk" nach Unabhängigkeit strebt. Geraschtschenko ist eine Parteifreundin des Exboxers und Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko.

Die militanten Gruppen erklärten sich grundsätzlich zu Gesprächen bereit, verlangten aber, dass Vermittler Russlands oder internationaler Organisationen hinzugezogen würden. Direkte Gespräche mit Kiew seien nicht mehr möglich, "weil die Regierung jeden Tag ihre Bürger in Slowjansk und anderen Städten tötet", sagte der von Kiew nicht anerkannte Donezker "Vizeregierungschef" Andrej Purgin.

kes/AP/AFP/Reuters/dpa



insgesamt 225 Beiträge
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drkarlatoffel 17.06.2014
1. Die Kolonialisierung
der Ukraine wird teuer. Sehr teuer. Für den Westen. Dem Osten kostet sie das Leben.
StörMeinung 17.06.2014
2. und die Sprengstoffanschläge gegen Gaspipelines?
Zitat von sysopREUTERSHeftige Kämpfe in der Ostukraine: Ein russischer Journalist soll getötet worden sein, zwei andere wurden offenbar gefoltert. Russische Separatisten melden zudem einen weiteren Flugzeugabschuss. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-journalist-aus-russland-bei-kaempfen-in-luhansk-getoetet-a-975742.html
Warum verschweigt uns zudem die Systempresse, dass es seit Mai regelmäßig zu Sprengstoffanschlägen auf russisch-europäische Gaspipelines kommt? http://www.ibtimes.co.uk/ukraine-neo-fascist-leader-dmitry-yarosh-vows-destroy-russias-gas-pipelines-stop-world-war-1440620 Angekündigt hat diese Anschläge der Rechte Sektor, darf das niemand wissen, was die Helden vom Maidan noch so alles auf dem Kasten haben??? http://en.wikipedia.org/wiki/Urengoy–Pomary–Uzhgorod_pipeline#Accidents http://www.ibtimes.co.uk/ukraine-massive-explosion-hits-gas-pipeline-eastern-poltava-region-1453065 http://www.freerepublic.com/focus/f-news/3168754/posts
abrweber 17.06.2014
3. Im Rahmen
seines Frierdensplans.... was genau meint Poroschenko damit? Was für ein Friedensplan? Zur Zeit sterben im Osten jede Menge Zivilisten, die mit dem Krieg gar nichts zu tun haben. Nach einer meldung im Schweizer rundfunk ist gestern eine Entbindungsstation bombardiert worden. Über die Opfer war bis dahin nichts bekannt. Eine Säuglingsstation ist nun bestimmt kein strategisches Kriegsziel. Wenn Poroschenko nicht kurzfristig mit den direkt Beteiligten verhandelt, wird dieser krieg noch lange dauern.
Walther Kempinski 17.06.2014
4. herrlich
Die Russen sind robust. Wenn irgendwelche Schmieren-Journalisten schlecht über das heilige Russland schreiben, dann wird eben kurzer Prozess gemacht, unter Putin mehr denn je. Verwundert das irgend jemanden? Aber bei soviel geballter Macht werden hierzulande einige Linke eben schwach und hängen sich gleich dran an den alten Verbündeten. Gelernt ist gelernt...
Slawa Ukraini 17.06.2014
5. Spiegel lügt
Sorry, aber meine Geduld ist an der Grenze bei dem, was ihr da schreibt!!! Wie die Fakten verdreht werden und wie man die deutsche Bevölkerung jetzt auch gegen Ukrainer einstimmt. Es wird immer wieder angezweifelt, ob Ukrainer gefoltert wurden und hier, weil die Russischen Journalisten es behaupten gleich Pravij Sektor beschuldigt! Habt Ihr Beweise? Die Separatisten können unter sich nicht einig werden und erschiessen einander, dazu braucht man keine Rechtsextreme und was haben sie davon?! Wozu diese ständige Lügen?! Das ganze Artikel hat keinen Grund und Boden. Oder haben wir auch hier mit der Russischen Propagandamaschiene zu tun? Ich bin echt froh, dass ich von gebildeten Menschen mit Verstand in Deutschland umgeben bin. Das Nivea vom Spiegel ist jetzt dem Bild ähnlich und kann nicht als objektive Berichterstattung eingestuft werden. Der Autor ist kein Journalist, sondern ein Russlandagent! In diesem Sinne Slawa Ukraini!
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