Ukraine Tymoschenko kandidiert bei Präsidentenwahl

In den Umfragen liegt sie bereits vor Amtsinhaber Poroschenko: Die frühere ukrainische Regierungschefin Tymoschenko hat offiziell ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl bekannt gegeben.

Julija Tymoschenko
AP

Julija Tymoschenko


Unter dem Jubel ihrer Anhänger kündigte Julija Tymoschenko den Beginn einer "neuen Ära" in der Ukraine an. Denn die ehemalige Ministerpräsidentin gab ihre Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl Ende März bekannt. In jüngsten Umfragen liegt die 58-Jährige vor dem amtierenden Staatschef Petro Poroschenko, der seine Kandidatur noch nicht offiziell bekannt gegeben hat.

In ihrer Heimat ist sie höchst umstritten. Bekannt wurde Tymoschenko als im Westen umjubelte Galionsfigur der sogenannten orangenen Revolution im Jahr 2004, an deren Spitze sie gemeinsam mit dem späteren Präsidenten Wiktor Juschtschenko stand. Diese führte zur Annullierung des Wahlsiegs ihres Erzfeindes Wiktor Janukowytsch bei der Präsidentschaftswahl. Der neue Staatschef Juschtschenko machte sie 2005 zur Ministerpräsidentin - doch rasch kam es zum Zerwürfnis.

Tymoschenko verließ die Regierung, kehrte aber im Jahr 2007 als Ministerpräsidentin zurück und blieb bis zum Jahr 2010 im Amt. Kurz darauf unterlag sie bei der Präsidentschaftswahl Janukowytsch. Unter dessen Mandat wurde sie festgenommen und im Jahr 2011 wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit einem umstrittenen Gasgeschäft mit Russland zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Im Februar 2014 wurde sie im Zuge des Umsturzes in der Ukraine freigelassen und später wegen eines Rückenleidens in Berlin behandelt. Im selben Jahr löste sie auch in Deutschland Kritik aus, nachdem Auszüge aus einem mitgeschnittenen Telefonat veröffentlicht worden waren. Darin hatte Tymoschenko offenbar mit Bezug auf den russischen Staatschef Wladimir Putin und die Eingliederung der ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim in die Russische Föderation gesagt, sie sei "bereit, eine Maschinenpistole zu nehmen und diesem Dreckskerl eine Kugel in den Kopf zu schießen".

Vor Tymoschenko hatte am Montag bereits der Schauspieler Wolodymyr Selensky seine Kandidatur für die Präsidentschaft eingereicht.

als/dpa/AFP



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