Ukraine-Konflikt Greenpeace warnt vor Atomunglück durch Kämpfe

Die Kämpfe in der Ostukraine könnten ein Reaktorunglück auslösen. Nuklearexperten zeigen sich besorgt, weil das Kraftwerk in Saporoschje nur unzureichend gegen den Beschuss mit schweren Waffen geschützt sei.

Radioaktivitätswarnschild nahe Tschernobyl: Kämpfe gefährden AKWs
DPA

Radioaktivitätswarnschild nahe Tschernobyl: Kämpfe gefährden AKWs


Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht in den Kämpfen in der Ostukraine eine wachsende Gefahr für ein Atomkraftwerk in der Region. Die Front verläuft etwa 200 Kilometer vom AKW Saporoschje entfernt. Dessen aus Sowjetzeiten stammende Reaktoren seien nur unzureichend gegen Beschuss geschützt. "Es gibt in der Region viele panzerbrechende Waffen, die diese Hülle durchschlagen können", sagte Tobias Münchmeyer, Atomexperte von Greenpeace, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Auch ein Angriff auf die Stromversorgung oder das Stromnetz könne durch den Ausfall der Kühlung verheerende Folgen haben, wie das Beispiel Fukushima gezeigt habe. Die deutsche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) beobachtet die Entwicklung nach eigenen Angaben sehr genau und stehe in engem Austausch mit den Behörden in der Ukraine. Es gebe aber zurzeit "keine Informationen, die Anlass zu konkreten Beunruhigungen geben", teilte die GRS nach Angaben der Zeitung mit.

Die Ukraine leidet bis heute unter den Spätfolgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl. In dem Kraftwerk nahe der weißrussischen Grenze kam es am 26. April 1986 zu einer Kernschmelze. Die Stadt Prypjat mit rund 50.000 Einwohnern musste komplett evakuiert werden und ist bis heute unbewohnbar. Im japanischen Fukushima ereignete sich infolge eines Erdbebens 2011 ebenfalls eine Reaktorkatastrophe.

ric/dpa

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insgesamt 177 Beiträge
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molchy 30.08.2014
1. Ist schon bekannt
dass Amerika die Region um Tschernobyl als Lagerstätte für Uranbrennstäbe nutzen will. Man muss nicht viel machen, da die Gegend sowieso versucht ist.
cxcx386 30.08.2014
2.
Liebe, Bestinformierte SPON Redaktion. Die Stadt nahe Chernobyl heisst übrigens Pripyat, nicht Pribbjat.
WernerT 30.08.2014
3. 200km von der Front und da hat man Angst vor Kampfhandlungen?
Dann sieht die Situation für die Kiewer noch schlechter aus, als man bisher gedacht hat. Wobei im Endeffekt, wenn die Ostukrainer bis dahin vorstoßen, die Frage des Überlebens von Poroschenko erledigt ist und die Gefahr besteht, dass er wie damals Hitler seinem Volk jedes Überleben abspricht, da es den Kampf verliert und einen Bomber losschicken.
JohnBobsel 30.08.2014
4. Ich warne vor Panikmache durch Greenpeace
So wie nach Fukushima wird hier nur Panik gemacht. Greenpeace ist Populismus pur.
knieselstein 30.08.2014
5. Keine weiteren
Fragen zum "Atomexperten", Euer Ehren Ulrich von Trothas Gast ist der Politikwissenschaftler und politische Vertreter von Greenpeace Deutschland, Tobias Münchmeyer.
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