Aufruhr in der Ukraine Janukowitsch setzt Kiews Bürgermeister ab

Der ukrainische Präsident Janukowitsch hat den Bürgermeister Kiews, Alexander Popow, entlassen. Das Stadtoberhaupt soll das brutale Vorgehen gegen Demonstranten Ende November initiiert haben.

Proteste in Kiew: Hausarrest für den Bürgermeister
AP

Proteste in Kiew: Hausarrest für den Bürgermeister


Hamburg - Das ukrainische Präsidialamt machte kurzen Prozess: Popow sowie der stellvertretende Chef des ukrainischen Sicherheitsrates, Wladimir Siwkowitsch, seien zusammen mit zwei weiteren Verantwortlichen abgesetzt worden, hieß es in einer Mitteilung. Grund sei die "mutmaßliche Verwicklung" in die "Verletzung der Rechte" der Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew Ende November.

Popow und Siwkowitsch hätten Druck auf den Kiewer Polizeichef ausgeübt, Gewalt gegen die Demonstranten einzusetzen, sagte Generalstaatsanwalt Wiktor Pschonka vor Journalisten. Die Empörung über das brutale Vorgehen der Polizei in Kiew Ende November hatte der Protestbewegung in der Ukraine neuen Zulauf verschafft. Die dafür Verantwortlichen sollen entlassen und zunächst unter Hausarrest gestellt werden, sagte Pschonka örtlichen Medien zufolge.

Die Massenproteste in Kiew begannen, nachdem Präsident Wiktor Janukowitsch ein mit der EU ausgehandeltes Assoziierungsabkommen kurz vor der geplanten Unterzeichnung auf Eis gelegt hatte. Die Opposition wirft ihm vor, sich von der EU abzuwenden und stattdessen die Anbindung an Moskau zu suchen.

Demonstrationen am Samstag

Auch am Samstag gingen wieder Zehntausende Menschen auf die Straße, um für und gegen die ukrainische Regierung zu demonstrieren. Die Anhänger von Präsident Wiktor Janukowitsch versammelten sich auf dem Europaplatz im Zentrum der Hauptstadt - nur wenige hundert Meter vom Protestcamp der Regierungsgegner entfernt. Auf dem Unabhängigkeitsplatz harrten weiter Tausende Oppositionsanhänger aus.

Regierungschef Mykola Asarow kündigte bei der live im Staatsfernsehen übertragenen Veranstaltung ein Wirtschaftsabkommen mit Russland an. "Unser Markt ist Russland. In der kommenden Woche unterzeichnen wir in Moskau wichtige Vereinbarungen mit Russland, die uns neue Arbeitsplätze bringen werden", sagte Asarow.

Russlands Regierung wirft derweil dem Westen Realitätsverlust beim Thema Ukraine vor. Auf ein "vollkommen normales Ereignis" wie Kiews Weigerung zum Abschluss eines umfassenden Abkommens mit der Europäischen Union habe es eine "schamlose" Reaktion gegeben, sagte Außenminister Sergej Lawrow in einem Interview mit dem russischen Staatsfernsehen.

Die EU messe mit zweierlei Maß, kritisierte Lawrow. Einerseits vertrete sie die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten und die Unabhängigkeit souveräner Staaten. "Aber wie ist es zu erklären (...), dass sich die Außenminister und die EU-Außenbeauftragte einmischen und vom ukrainischen Volk fordern, ihre Wahl zugunsten des Assoziierungsabkommens zu treffen?", sagte er in dem am Samstag veröffentlichten Gespräch.

sto/AFP/dpa



insgesamt 27 Beiträge
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soziologe79 14.12.2013
1. Lawrow hat Recht
Zitat von sysopAPDer ukrainische Präsident Janukowitsch hat den Bürgermeister Kiews, Alexander Popow, entlassen. Das Stadtoberhaupt soll das brutale Vorgehen gegen Demonstranten Ende November initiiert haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-kiew-setzt-buergermeister-ab-a-939097.html
Haben die westlichen Regierungen tatsächlich geglaubt, sie könnten die "orangene Revolution" wiederholen? Man muss nicht für Juanukowitsch sein, wenn man dieses Abkommen ablehnt. Die EU müßte schon mehr zahlen. mit dem Theater auf dem Maidan wird der Westen das Abkommen nicht billiger bekommen.
habenichts2 14.12.2013
2. Sehr friedlich
Zitat von sysopAPDer ukrainische Präsident Janukowitsch hat den Bürgermeister Kiews, Alexander Popow, entlassen. Das Stadtoberhaupt soll das brutale Vorgehen gegen Demonstranten Ende November initiiert haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-kiew-setzt-buergermeister-ab-a-939097.html
Was wir täglich im TV sehen, können wir die Brutalität der Regierungstruppen sehen. Die Demonstranten sind wirklich sehr friedlich und wenden keine Gewalt an! Wie friedlich sie in Wirklichkeit sind, zeigt dieser Link! http://rutube.ru/video/5c49a9649614e053aee854767b1a0795/
Stasik 14.12.2013
3. stasik
Wenn Aufmerksamkeit hier auf Janukowitsch gelenkt werden soll, ist dies einmal mehr Ausdruck einer einseitigen Berichterstattung. Wirklich beachtlich ist die große Zahl der Demonstranten, die für ihn und für den Beitritt der Ukraine an die von Russland initiierte Zollunion auf die Straße gehen. D
help.message 14.12.2013
4. Imagine
Der ukrainische Traum ist, natürlich, lebenswichtig, aber vor Augen gibt es ein im Grunde schwach entwickeltes Land, zur Hälfte russischsprachig, mit starken wirtschaftlichen Verbindungen nach Russland, das praktisch nichts besser produzieren kann, als EU. Dessen Infrastruktur üppige Investitionen fordert, die in die Hände von Mafia leicht geraten können und dessen Bevölkerung äußerst schmerzhaft auf die Sparmaßnahmen reagiert und dessen Jugend ihr Glück nicht zuhause, sondern direkt im Westen sucht.. Will man jetzt so ein Land in EU?
gurev69 14.12.2013
5. lawrow und friedlich
Servus russische freunde soziologe und habenichts :) Mitlerweile haben die Leute in Kiew schon längst Assoziirungsabkommen vergessen, und bestehen darauf, das die Entscheidugen vom Volk oder wenigstens zusammen mit dem Volk getroffen werden. Was Video aus Russland betrifft, ist ja lächerlich vorzustellen, das es um ein propagandafreies medium geht. Soziologe und habenichts viel spass bei eurer Arbeit :) Gott sei dank, können Leute hier noch gut unterscheiden, wo es um Fakten und russisches PR geht
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