Oppositionsführer bei Sicherheitskonferenz Klitschkos Kampf um den Westen

Mit seinem Spontanbesuch wirbelte der ukrainische Oppositionsführer Klitschko die Sicherheitskonferenz in München durcheinander. Emotional plädierte er für mehr Unterstützung des Westens. Doch abseits der Fototermine konnte er wenig Konkretes zurück nach Kiew mitnehmen.

DPA

Von , München


München - Gemessen am Applaus war Vitali Klitschko der klare Sieger von München. Gute zwei Minuten, so lange beklatschen die Teilnehmer der Sicherheitskonferenz am späten Samstagnachmittag den früheren Box-Weltmeister und heutigen Oppositionsführer in der Ukraine nach seiner kurzen Rede. Bei dem eher steifen Treffen des Who's who der internationalen Sicherheitspolitik sind solche Emotionen eher selten.

Mit seinem spontanen Besuch hat Klitschko das Treffen in München komplett aufgemischt. Kaum war der Sportstar am späten Freitagabend direkt vom Flughafen in den Bayerischen Hof gekommen, drückten sich die Kameraleute um den Zwei-Meter-Mann, jeder wollte ein Statement von dem Ukrainer haben. Er habe nur wenig Zeit, sagte Klitschko immer wieder, "so bald wie möglich" wolle er zu "meinen Freunden" in die Ukraine zurückkehren.

In München konnte sich Klitschko ebenfalls unter Freunden fühlen, zumindest symbolisch. Nur knapp 24 Stunden war er in der bayerischen Hauptstadt, doch sein Programm war beeindruckend. Von Samstagmorgen an reihten sich im 15-Minuten-Takt Termine mit den VIPs der Konferenz, darunter US-Außenminister John Kerry, sein deutscher Kollege Frank-Walter Steinmeier, die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und fast alle anderen europäischen Außenminister.

Kerry hatte Klitschko schon am Vormittag den Rücken gestärkt. "Die USA und die Europäische Union stehen an der Seite des ukrainischen Volkes in diesem Kampf", sagte er bei seiner Rede auf der Konferenz. Sein russischer Kollege wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Gelassen und doch klar wie immer warf Sergej Lawrow dem Westen vor, er unterstütze in der Ukraine einen gewaltsamen Aufstand, der völlig außer Kontrolle gerate.

"Wir werden siegen"

Klitschko bekam von dem Zoff der Großmächte wenig mit. Sein Konvoi rauschte stattdessen in die Innenstadt, dort hatten sich mehrere hundert Anhänger, meist Exil-Ukrainer, versammelt und feierten den Star des Aufruhrs daheim. Mit seinen kurzen Sätzen zog sie der Champ schnell in den Bann. "Ohne Kampf gibt es keinen Sieg - deswegen müssen wir kämpfen", rief er von der kleinen Bühne, "doch am Ende werden wir siegen".

Doch wie weit die beiden Seiten in dem Machtkampf in der Ukraine entfernt sind, zeigte sich am Nachmittag auf der Bühne. Dort saß neben Klitschko auch der amtierende ukrainische Außenminister Leonid Koschara. Sein vorbereitetes Manuskript legte er schnell zur Seite und verbreitete doch die Linie des Regimes seines Präsidenten, sprach von Terroristen, die Kiew unsicher machten und illegal Regierungsgebäude besetzten.

Klitschko konterte umgehend. Der Regierung warf er vor, einen "Weg der Gewalt" zu beschreiten, einzig Präsident Wiktor Janukowitsch sei für die Eskalation und die Toten bei den Ausschreitungen in Kiew verantwortlich. Zum Beweis verteilte er vom Podium dann auch noch ein hastig zusammengestelltes Fotoalbum mit Bildern von übel zugerichteten Demonstranten.

Die Äußerungen des Ministers ließen wenig Hoffnungen auf einen politischen Kompromiss oder gar das Abdanken von Präsident Janukowitsch. Vielmehr warf er der Opposition vor, trotz der substantiellen Zusagen der Regierung in Bezug auf das aufgehobene Demonstrationsverbot oder die angekündigte Freilassung von Festgenommenen die Barrikaden in Kiew nicht zu räumen.

Zufrieden nach dem Marathon-Tag

Abgesehen vom Trubel auf der Konferenz konnte Klitschko aus München nicht viel mehr als symbolische Fotos mit nach Hause nehmen. Keiner der Außenminister will sich direkt in die Konfrontation in der Ukraine einmischen. Zwar unterstrich Außenminister Steinmeier wie andere die Forderung an Präsident Janukowitsch, die angekündigten Zugeständnisse zu erfüllen.

Viel weiter aber wollte sich in München niemand aus dem Fenster lehnen, zu zerstritten ist die fragile Koalition der ukrainischen Opposition, zu unklar sind deren Ziele. Trotzdem machen Top-Diplomaten wie Steinmeier hinter den Kulissen immer wieder Druck auf Janukowitsch.

Selbst die Kanzlerin telefonierte schon zweimal mit dem Präsidenten und drängte ihn, seine Versprechen einzulösen. Zudem sucht man auf europäischer Ebene nach einem Vermittler, der halbwegs neutral zwischen die verhärteten Fronten gehen könnte.

Klitschko war nach dem Marathon-Tag trotzdem zufrieden. "Ich verlasse die Konferenz stärker als je zuvor, denn ich habe eine Menge Unterstützung von Freunden erhalten", sagte er auf einer kurzen Pressekonferenz am Abend. Danach ging es sofort weiter zu den nächsten Terminen. Am Sonntag dann fliegt der Boxstar wieder zurück nach Kiew.

insgesamt 69 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Epikurus 01.02.2014
1. Klitschko hat mit seiner Udar/Schlagpartei 14 % Stimmen
der Wähler in der Ukraine bekommen. Nicht nur im Süden und Osten, sondern auch im Norden der Ukraine wächst der Widerstand gegen die kompromißlose Politik Klitschkos. In der nordukrainischen Stadt Sumy (350 000 Einwohner) gab es heute eine Demonstration "Stop Maidan", also gegen den Klitschkokurs der Maximalforderungen, der offenbar die Eskalation sucht und die NATO mit in einen Krieg ziehen will. Leider befeuert Klischko damit die Krise in seinem Land. Er passt eben zu den Ultranationalisten.
didiastranger 01.02.2014
2. Was fuer ein Forumen. Alll sein martialische Getue erinneerrt sehr an deri Sprache des Herrn Kerry
fuer einen US-Agenten. Was erwartet der Klitschko, siicher auf der CIA Gehaltsliste, von den Deutschen. Sollen wir jetzt zu den Waffen greifen? Daie Sprache erinnert sehr asn die des Herrn Kerry. Welch ein Zufall!
cucco 01.02.2014
3. Wann fährt Klitschko nach Moskau?
Die geographische, ethnische, sprachliche unf geschichtliche Verbundenheit zu Russland kann Klitschko nicht wegretuschieren. Es sicher deutlich schwerer, mit Putin ein gutes Ergebnis zu erzielen, als mit den Vertretern des Westens, die längst sich die schönsten Chancen ausmalen, Russland auch von Südwesten einzukreisen. Da hat die Bevölkerung in der Ukraine nicht unbedingt eine besondere Wertschätzung vom Westen. Ukraine und Türkei (sonst noch jemand vergessen?) in der EU - das wäre ein inneres Weihnachtsfest für die USA.
Spirit in Black 01.02.2014
4. Beschämende Bühne
Es ist schon sehr beschämend, wie einem Aufstachler und möglichen Bürgerkriegs-Treiber eine Bühne geboten wird, weiter mit Parolen gegen eine gewählte Regierung zu hetzen. Man (oder genauer: die Ukrainer) muss ja nicht mit der Regierung übereinstimmen. Aber dafür gibt es Wahlen. Offenbar fürchtet Klitschko aber, genau diese zu verlieren...
thorsten.brandt.et 01.02.2014
5. bigotterie der regierung
da fordert frau von der leyen und implizit der rest der regierung mehr auslandseinsätze ... aber hier - und im fall der nsa (snowden) - hat diese regierung nicht die "eier" um entschieden stellung zu beziehen ... aber es ist sicherlich wunderbar - dass die bundeswehr bald urlaub in mali macht ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.