Krise in der Ukraine: Klitschko drängt Timoschenko zu Abbruch des Hungerstreiks
Vitali Klitschko schaltet sich in das Drama um Julija Timoschenko ein. Die Ex-Regierungschefin müsse ihren Hungerstreik sofort abbrechen, verlangt der Boxweltmeister und Oppositionspolitiker. Der Gesundheitszustand der 51-Jährigen soll sich massiv verschlechtert haben.
Kiew - Vitali Klitschko appelliert an Julija Timoschenko, ihren Hungerstreik zu beenden. "Wir brauchen die ganze Kraft eines Menschen, hinter dem Millionen Anhänger stehen", teilte der Boxweltmeister und ukrainische Oppositionspolitiker auf der Website seiner Partei Udar mit. Die Regierungsgegner befänden sich "in einem kompromisslosen und schweren Kampf".
Die inhaftierte Timoschenko, 51, befindet sich seit dem 20. April im Hungerstreik. Ihr Gesundheitszustand soll sich dramatisch verschlechtert haben. Vor Klitschko hatten auch anderen Oppositionspolitiker Timoschenko aufgefordert, den Hungerstreik abzubrechen.
Auf eine Klage gegen die Ukraine drängt der CDU-Politiker Philipp Mißfelder. "Die Bundesregierung sollte eine Staatenklage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte prüfen, um die Rechte der erkrankten Oppositionspolitikerin Timoschenko einzufordern", sagte außenpolitische Sprecher der Union der Nachrichtenagentur Reuters. Mißfelder wies die Vorwürfe der ukrainischen Führung zurück, der Westen schaffe eine Atmosphäre des "Kalten Krieges". Auch Russlands Präsident habe die Haftbedingungen Timoschenkos kritisiert.
Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel regte neben einem Besuchsboykott der Fußball-EM von Politikern weitere Protestformen an. Man müsse genau abwägen, wie ein derartiger Boykott wirke, sagte der FDP-Politiker dem Sender N24. Ein Protest gegen die Behandlung von Timoschenko könne wirksamer sein, wenn man im Fußballstadion einen orangefarbenen Schal umlege. Orange ist die Farbe der Revolution von 2004.
Wegen eines Schwächeanfalls musste in der Stadt Chmelnizki eine 65 Jahre alte Frau, die aus Solidarität mit Timoschenko seit fünf Tagen hungert, in eine Klinik gebracht werden. Das teilten die Behörden in der Stadt rund 80 Kilometer südwestlich von Kiew mit. Landesweit befänden sich in der Ex-Sowjetrepublik weitere Funktionäre von Timoschenkos Partei im Hungerstreik, hieß es.
Fünf Tage nach einer Bombenserie mit 30 Verletzten in Timoschenkos Heimatstadt Dnjepropetrowsk geht der Inlandsgeheimdienst SBU "zahlreichen" Hinweisen nach einem kriminellen Hintergrund nach. "In der Stadt tobt ein Verteilungskampf im Mafiamilieu", sagte ein namentlich nicht genannter SBU-Mitarbeiter der Zeitung "Serkalo Nedeli". In Dnjepropetrowsk waren am vergangenen Freitag innerhalb von 90 Minuten vier Sprengsätze an verschiedenen Orten explodiert.
als/dpa/Reuters
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