Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Ukraine: Klitschko verzichtet auf Präsidentschaftskandidatur

AP

Der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko tritt nun doch nicht bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine an. Er unterstützt stattdessen die Kandidatur des Geschäftsmannes Pjotr Poroschenko - beide wollen Ex-Premierministerin Julija Timoschenko verhindern.

Kiew - Vitali Klitschko kandidiert nicht für die Präsidentschaftswahl in der Ukraine. Er werde stattdessen den Unternehmer und Milliardär Pjotr Poroschenko unterstützen, kündigte der Boxweltmeister am Samstag in Kiew an. "Die einzige Chance zu gewinnen, besteht darin, einen Kandidaten der demokratischen Kräfte zu nominieren", sagte Klitschko auf einem Treffen seiner Partei Udar ("Schlag"). "Das muss ein Kandidat sein, der die breiteste Unterstützung genießt."

Poroschenko und Klitschko waren in den vergangenen Wochen häufig zusammen aufgetreten, sie besuchten unter anderem Großbritanniens Regierungschef David Cameron und Frankreichs Präsidenten François Hollande. Poroschenko liegt in Umfragen bei etwa 25 Prozent und hat damit weiten Vorsprung vor Ex-Premierministerin Julija Timoschenko (rund acht Prozent) und Klitschko (neun Prozent).

Nummer sieben unter den ukrainischen Oligarchen

Mit Gewürzen und Kakaobohnen wurde er Anfang der neunziger Jahre reich. Der Handel mit Kakao wurde später dann auch zur Basis seines Schokoladenimperiums: Die Firma Roschen ist der größte Hersteller von Schokolade und Backwaren in der Ukraine. Im vergangenen Jahr listete ihn das Magazin "Forbes" als Nummer sieben unter den reichsten ukrainischen Oligarchen auf - mit einem geschätzten Vermögen von 1,6 Milliarden Dollar.

Poroschenko hatte am Freitagabend seine Kandidatur für die Wahl am 25. Mai bekanntgegeben - einen Tag nach Timoschenko. Seinen Wählern versprach Poroschenko "eine neue Armee, modern und effizient, die die Souveränität und Integrität der Ukraine verteidigt". Er gilt als wichtigster Geldgeber der Opposition, die er während der Proteste in der Ukraine auch mit seinem Fernsehsender Kanal 5 unterstützte.

Von 2009 bis 2010 war er Außenminister der pro-europäischen Regierung seines Heimatlandes. Unter dem jüngst entmachteten Präsidenten Wiktor Janukowitsch diente Poroschenko 2012 kurzzeitig als Wirtschaftsminister.

"Bereit, eine Maschinenpistole zu nehmen"

Timoschenko war erst vor einigen Wochen in die aktive Politik zurückgekehrt. Zuvor saß die 53-Jährige nach einer dubiosen Anklage unter Ex-Staatschef Janukowitsch im Gefängnis. Im Zuge des politischen Umsturzes in der Ukraine war sie nach Jahren aus der Haft entlassen und vor kurzem wegen eines Rückenleidens in Berlin medizinisch behandelt worden. Timoschenko ließ sich am Samstag von ihrer Vaterlandspartei offiziell zur Kandidatin für die Präsidentenwahl küren.

Die ehemalige Regierungschefin ist umstritten. Erst am Mittwoch hatte sich die Bundesregierung kritisch über sie geäußert. Zuvor waren Auszüge aus einem mitgeschnittenen Telefonat veröffentlicht worden. Darin hatte Timoschenko ihrem Vertrauten Nestor Schufritsch offenkundig mit Blick auf den russischen Staatschef Wladimir Putin und die Annexion der Krim durch Moskau gesagt, sie sei "bereit, eine Maschinenpistole in die Hand zu nehmen und diesem Drecksack in die Stirn zu schießen".

Klitschko gehört zu den Oppositionspolitikern und Aktivisten, die bei den Protesten gegen den inzwischen abgesetzten Staatschef Janukowitsch eine führende Rolle spielten. Er kündigte an, sich um das Amt des Bürgermeisters der Hauptstadt Kiew bewerben.

heb/dpa/Reuters/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 214 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Herr Klitschko,
pbiermann 29.03.2014
Hut ab, eine gute Entscheidung. Die Vernunft siegt.
2. optional
Ron777 29.03.2014
Wer den Namen "Petro Poroschenko" mit dem Begriff "Korruption" kombiniert, kommt auf über 4000 Einträge. Petro Poroschenko schaffte es, innerhalb von zwei Jahrzehnten fast 2 Mrd Euro in der Ukraine zu "verdienen". Diverse Male wurde er der Korruption verdächtigt. Er ist nebenbei u.a. sogar der Patenonkel eines Kindes des geschassten Präsidenten. Die waren nämlich mal dicke Freunde.
3. Poroshenko -
zwischendominante 29.03.2014
der gute Oligarch?..
4. Okay
chiefseattle 29.03.2014
Herr Klitschko hat wohl eingesehen, dass er nichts von Politik versteht. Dass er jetzt einen Oligarchen unterstützt, passt ins Bild.
5. Oligarchen
vitalik 29.03.2014
Zitat von sysopAPDer ukrainische Oppositionspolitiker Vitali Klitschko will nun doch nicht bei der Präsidentenwahl am 25. Mai antreten. Er unterstützt die Kandidatur des Geschäftsmannes Petro Poroschenko - dieser führt in den Umfragen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-klitschko-verzichtet-auf-praesidentschaftskandidatur-a-961427.html
"dubiosen Anklage"? Für Manche bleibt die Frau wohl für immer die Heldin. Warum sind es immer die Oligarchen, die für die Ämter kandidieren? Und die Menschen wählen auch solche Leute mit der Hoffnung, dass es besser wird. Was wird nun aus Klitschko? Nach der ganzen Mühe wird er bestimmt schon irgendwo unterkommen, naja, Bürgermeister ist ja auch nicht schlecht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Ukraine-Reiseseite


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: