Kämpfe im Osten Klitschko wirbt um Spenden für ukrainische Armee

"In der Ostukraine herrscht Krieg", sagt der neue Präsident Poroschenko. Vitali Klitschko fordert eine bessere Ausrüstung der Soldaten - und bittet um Spenden.

Prorussischer Separatist in Semjonovka: Ostukraine im Kriegszustand
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Prorussischer Separatist in Semjonovka: Ostukraine im Kriegszustand


Kiew - Die Gefechte in der Region Donezk sind seit Montag wieder aufgeflammt, der neu gewählte ukrainische Präsident Petro Poroschenko spricht von Krieg. Doch die Armee ist schlecht ausgerüstet. Es dürfe nicht sein, dass die Soldaten "nicht einmal vernünftige Schutzwesten" hätten, sagt Vitali Klitschko in der "Bild"-Zeitung - und wirbt um Spenden für das ukrainische Militär. Klitschko ist gerade zum Bürgermeister von Kiew gewählt worden.

Neben der "größeren staatlichen Unterstützung für die Armee" würden auch "Spenden aus der Bevölkerung" benötigt, sagte Klitschko. Schließlich kämpften die Soldaten bei der "Anti-Terror-Aktion" des Landes "für die Sicherheit aller Ukrainer". Der ehemalige Boxweltmeister sprach von einer "schweren Verunsicherung" in der Bevölkerung wegen der sich zuspitzenden Lage in der Ostukraine. Das "Terror-Regime" in einigen Städten bezeichnete er als nicht akzeptabel.

Panzer und Artillerie der ukrainischen Armee haben seit Montag Milizstellungen und Wohngebiete in ostukrainischen Städten beschossen. Dabei starben Dutzende Menschen. Die regulären Truppen werden dabei von Einheiten der "Nationalgarde" unterstützt, die sich aus ultrarechten Kämpfern zusammensetzen.

"Hier wird echter Krieg gegen unser Land geführt"

"Die Anti-Terror-Operation hat endlich richtig begonnen", sagte der neu gewählte ukrainische Präsident Poroschenko der Zeitung. In der Ostukraine herrsche der "Kriegszustand". "Wir werden diesen Schrecken beenden, hier wird echter Krieg gegen unser Land geführt." Nun sei es seine vorrangige Aufgabe, die Ukraine zu retten.

"Die Krim wurde von Russland besetzt und es gibt eine große Instabilität. Wir müssen reagieren", sagte Poroschenko. Die Separatistenführer in der Ostukraine müssten festgenommen und vor Gericht gestellt werden. "Aber klar ist auch: Wenn schwer bewaffnete Kämpfer auf unsere Soldaten schießen, dann muss sich unser Militär wehren."

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union haben Russland zur Zusammenarbeit mit Poroschenko aufgefordert. "Wir erwarten, dass die Russische Föderation mit dem neu gewählten und legitimen Präsidenten zusammenarbeitet, den Rückzug der Streitkräfte von der ukrainischen Grenze fortsetzt und ihren Einfluss auf die bewaffneten Separatisten nutzt, um die Lage in der Ukraine zu deeskalieren", heißt es in einer Erklärung, die am Mittwochmorgen in Brüssel veröffentlicht wurde.

Angela Merkel und Co. forderten Russland auf, zu verhindern, "dass Separatisten und Waffen in die Ukraine gelangen". Die ukrainische Regierung müsse "auf die Bevölkerung und die Zivilgesellschaft aller Regionen" zugehen. Die Reform des Justizbereichs und der Kampf gegen die Korruption in der Ukraine müssten vorangetrieben werden. Die Rechte nationaler Minderheiten wie beispielsweise der russischen müssten gewährleistet werden.

Vorerst keine Sanktionen

Mit EU-Sanktionen wird Moskau in der Erklärung nicht gedroht. Die Staats- und Regierungschefs nahmen die "Vorbereitungen für mögliche gezielte Maßnahmen" der EU lediglich zur Kenntnis. Bundeskanzlerin Merkel forderte von Russland jedoch mehr Anstrengungen gegen prorussische Rebellen in der Ostukraine. Wenn Russland an seinen Grenzen etwas gegen Nachschublieferungen für die Separatisten unternehme, sei das eine klare Maßnahme gegen eine weitere Ausbreitung der Widerstandskämpfer, sagte Merkel.

Russland habe sicherlich zur Destabilisierung der Lage in der Ostukraine beigetragen, sagte Merkel. Sie könne aber nicht sagen, wie viel Einfluss die russische Führung unter Präsident Wladimir Putin jetzt noch auf die Separatisten habe. Weil die Krise in der Ukraine noch nicht vorbei sei, könne nicht ausgeschlossen werden, dass die EU auf das Thema Sanktionen zurückkomme.

vek/AFP/dpa/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
joG 28.05.2014
1. Es ist immer wieder schön wie sehr....
....die EU für Frieden und Sicherheit in seiner Nachbarschaft garantiert. Tja, da ist wohl wieder ein Populismus mit dem man die EU rechtfertigte falsifiziert.
alexxa2 28.05.2014
2. Leider
schaut es nicht nach Deeskalation aus.
fazil57guenes 28.05.2014
3. optional
Vielmehr sollte die EU doch selbst einmal mehr und eindringlicher auf Poroschenko einwirken dass er die Luftangriffe und die militärischen Handlungen, gegen das eigene Volk unverzüglich einstellt. Die Doppelmoral des Westens ist zu Kotzen
EuroLoser 28.05.2014
4. Gasrechnungen
Klitschko soll mal lieber Spenden für die Gasrechnungen an Russalnd sammeln statt mit Waffen zu spielen.
Harlekinmann 28.05.2014
5. Klitschko und Poroschenko
können ja selbst was von ihrem Geld geben. Diese glorreichen Patrioten haben genug davon. Im Gegensatz zur Bevölkerung.
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