Ukraine-Ministerpräsident bei der Uno "Gewehrlauf von Russland im Gesicht"

Der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk hat den Westen aufgefordert, an den Sanktionen gegen Russland festzuhalten. Der Konflikt im Osten des Landes fordere trotz Waffenstillstand täglich Menschenleben.

Ministerpräsident Jazenjuk (Archivbild): "Verlieren jeden Tag Soldaten"
AP

Ministerpräsident Jazenjuk (Archivbild): "Verlieren jeden Tag Soldaten"


Kiew - Erst am Mittwoch meldete die Nato einen "signifikanten Rückzug" der russischen Truppen aus der umkämpften Ostukraine, doch von Entspannung kann offenbar keine Rede sein - zumindest aus Sicht des ukrainischen Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk. Der Politiker hat Russland vor der Uno-Vollversammlung zu ernsthaften Bemühungen um eine Entschärfung des Konflikts in der Ostukraine aufgefordert. "Trotz des Waffenstillstands verlieren wir weiter jeden Tag ukrainische Soldaten und Zivilisten, und der Beschuss geht weiter", sagte Jazenjuk.

"Wir sind ein Land, das Frieden braucht, und es ist schwierig, ein Friedensabkommen zu verhandeln, wenn wir dabei einen Gewehrlauf von Russland im Gesicht haben", sagte Jazenjuk bei der Generaldebatte. Er rief die Moskauer Regierung auf, ihre Truppen aus dem Osten der Ukraine abzuziehen.

Die Annexion der Halbinsel Krim durch Russland werde sein Land nie akzeptieren, sagte Jazenjuk weiter. "Die Krim war, ist und bleibt ein Teil der Ukraine." Der Ministerpräsident wandte sich auch direkt an Kreml-Chef Wladimir Putin: "Herr Putin, Sie können den Kampf gegen unsere Truppen gewinnen, aber Sie können niemals den Kampf gegen unsere vereinte ukrainische Nation gewinnen."

Jazenjuk war kurzfristig für Poroschenko eingesprungen

Jazenjuk rief die den Westen dazu auf, die Sanktionen gegen Russland nicht zu lockern. Sie sollten nicht aufgehoben werden, bis Kiew wieder die vollständige Kontrolle über das ukrainische Staatsgebiet erlangt habe, so der Ministerpräsident. Es war Jazenjuks erster Auftritt bei einer Generaldebatte der Uno-Vollversammlung. Er sprang kurzfristig für Präsident Petro Poroschenko ein, der in der Ukraine geblieben war.

Die ukrainische Regierung und die prorussischen Aufständischen hatten am 5. September einen Waffenstillstand vereinbart. Am vergangenen Samstag wurde das Abkommen durch einen Neun-Punkte-Plan ergänzt. Hauptbestandteil ist der Rückzug aller Kampfeinheiten auf jeweils mindestens 15 Kilometer hinter die Frontlinie. Die so entstehende 30 Kilometer breite Pufferzone soll unter die Aufsicht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) gestellt werden.

Am Mittwoch verkündete dann ein Nato-Sprecher, dass Russland anscheinend große Teile seiner Soldaten aus der Ukraine abgezogen hat. "Es hat einen signifikanten Rückzug konventioneller Truppen gegeben", hieß es. Allerdings seien noch mehrere Tausend Soldaten in der Nähe der russisch-ukrainischen Grenze stationiert.

Das westliche Militärbündnis hatte Russland wiederholt vorgeworfen, mit eigenen Einheiten in der Ostukraine aktiv zu sein und die prorussischen Separatisten im Kampf gegen die ukrainische Armee zu unterstützen. Russland bestreitet, reguläre Truppen in das Gebiet entsandt zu haben.

bka/dpa/AFP



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regardlessfreeregardlessf 25.09.2014
1. Dazu der Beitrag...die Welt vom 2 4.09.2014
Putins langer Arm reicht bis in Gremien der ARD!!!!!!
radeberger78 25.09.2014
2. Janzenjuk,
sollte die Motoren von seinem Privatjet immer laufen lassen, wenn der Winter richtig kalt wird ... sonst springen sie vielleicht nicht an wenn er sie braucht.
cepnik1 25.09.2014
3. is ja klar
das janjuknuk wieder mal die backen voll nimmt
derandereblick 25.09.2014
4. Es geht immer nur um Macht und Einfluss
Ist das russische Verhalten wirklich so unverständlich? Ist es wirklich so abwegig, eine Einkreisung Russlands (und auch Chinas) durch die USA zu vermuten? Man muss sich ja nur mal die Karte mit den US- und Nato-Stützpunkten in Eurasien anschauen (http://www.gluk.byethost13.com/afghanistan/11_US-Basen.jpg). Was haben die alle auf einem fremden Kontinent zu suchen? Jeder Staats- oder Generalstabschef, der diese Situation nicht erkennen würde, wäre eine Fehlbesetzung. Man muss sich das Ganze ja nur mal umgekehrt vorstellen: Das große Land wären die USA und die Militärbasen drumherum chinesische oder russische. Da hätten die Amerikaner schon längst eingegriffen, und zwar vermutlich wesentlich brutaler, als die Russen das gegenwärtig in der Ukraine tun. Die amerikanische Strategie war immer, sich sowohl am westlichen als auch am östlichen Rand des größten und wichtigsten Kontinents - Eurasien - festzusetzen und dann vorzurücken. Das geben Strategen wie der ehemalige US-Sicherheitsberater Brzezinski ja auch ganz offen zu, und genauso ist es die letzten zwanzig Jahre ja auch geschehen: Die Russen haben sich zurückgezogen und die Nato ist vormarschiert (in dem Zusammenhang jetzt von russischer Expansion oder Imperialismus zu sprechen ist schon reichlich verwegen). Das ganze pathetische Gerede von "Demokratie", "Menschenrechten", "Freiheit", "Werten" und dem "Selbstbestimmungsrecht der Völker" ist alles nur PR und Blabla, um den Leuten Sand in die Augen zu streuen. Es geht immer nur um Macht und Einfluss. Da ist es für die USA natürlich praktisch, wenn der Kontinent gespalten und nicht einig ist - divide et impera.
Hilfskraft 25.09.2014
5. hysterisch
an hysterischer Dramaturgie wohl kaum zu übertreffen ...
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