Ukraine-Konflikt Die Kesselschlacht von Debalzewe

In der Ostukraine soll am Sonntag eine Feuerpause beginnen. Ob das gelingt, entscheidet sich auch in Debalzewe: In der strategisch wichtigen Stadt bekämpfen sich die Kriegsparteien weiter auf engstem Raum.

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Berlin - Den Namen Debalzewe kannten vor dem Konflikt in der Ostukraine nur wenige. Die kleine Stadt im Donbass-Gebiet, ziemlich genau auf halber Strecke von Donezk nach Luhansk, hat rund 25.000 Einwohner. Zwei wichtige Verkehrsadern kreuzen sich hier, zudem führt die Eisenbahnlinie von der russischen Grenze in Richtung Kiew durch den Ort.

Für die Zukunft des Ukraine-Konflikts aber, besser gesagt für den Erfolg der angepeilten Waffenruhe zwischen den pro-russischen Separatisten und der ukrainischen Armee, hat die militärische Lage rund um die Stadt enorme Bedeutung. So eng wie nirgends in der Ost-Ukraine belagern sich hier Separatisten und Kiews Armee.

Auch in der Nacht nach dem mühsam in Minsk erreichten Fahrplan für eine Waffenruhe wurde dort heftig gekämpft. Korrespondenten berichteten von heftigem Artilleriefeuer rund um die Stadt. In Debalzewe selber fürchten die wenigen Zivilisten, die noch dort sind, um ihr Leben.

Die kommenden Stunden werden nun entscheidend: Gerade in Debalzewe dürfte es besonders schwierig werden, das Ziel des komplizierten Abkommens von Minsk umzusetzen: die Lage an der Front zu entschärfen, die Kriegsparteien auseinanderzuziehen, schwere Waffen zurückzuziehen und so die Kämpfe zu deeskalieren. Diplomaten sprechen von einem Testfall für die Minsker Vereinbarung.

Pufferzonen nach dem Minsker Abkommen: Separatisten auf dem Vormarsch
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Pufferzonen nach dem Minsker Abkommen: Separatisten auf dem Vormarsch

Seit Wochen ist die Stadt umkämpft. Zunächst wurde sie von den Separatisten eingenommen. Dann schlug die ukrainische Armee zurück, wegen der strategisch wichtigen Lage an der Straße von Donezk nach Luhansk war die Stadt für die Kiewer Militärführung wichtig. Seit Tagen aber haben die Separatisten Debalzewe komplett eingekreist, deswegen das Wort vom Kessel.

Schon vor Minsk war die Lage rund um Debalzewe von herausragender Bedeutung, die Zuspitzung dort war dramatisch. Mit einem Sturm auf die Stadt, fürchtete Kiew, hätten die Separatisten militärisch die letzte kleine Bastion der Regierung in der Ostukraine einnehmen können. Ein Massaker wurde befürchtet, wenn die Kämpfer mit Panzern in die Stadt vorgerückt wären.

Ein Sieg der Separatisten hätte für Kiew die finale Niederlage in dem Ostukraine-Konflikt bedeutet. Auch deswegen wurde in den letzten anderthalb Wochen wieder hektisch verhandelt, Paris und Berlin schalteten sich ein, am Ende traf man sich im weißrussischen Minsk.

Debalzewe könnte über Zukunft der Waffenruhe entscheiden

Nun wird Debalzewe zum Test für den Fahrplan zur Feuerpause. Selbst Russlands Präsident Wladimir Putin nahm sich bei seiner Stellungnahme in Minsk gleich mehrere Minuten Zeit, um über den Ort zu sinnieren: Wenn die Separatisten die Stadt eingekreist hätten, so Putin, gebe es aus ihrer Sicht nur eine Lösung: Die Ukrainer müssten aufgeben und die Waffen niederlegen.

Es sei aber auch möglich, dass die Regierungssoldaten versuchen könnten, aus dem Ring auszubrechen. Dann käme es, so Putin, zu neuen, heftigen Kämpfen mit den Separatisten. Aber auch die Separatisten könnten im letzten Moment die Stadt stürmen.

Der Beginn der Feuerpause wäre bei beiden Szenarien in Gefahr. Ob der Konflikt in der umkämpften Stadt entschärft werden kann, ist kaum absehbar. Putin kündigte vage an, er habe mit seinem ukrainischen Kollegen Petro Poroschenko vereinbart, ein Team von Militärexperten zur Klärung der Lage nach Debalzewe zu schicken.

Agieren beide Seiten vernünftig und vereinbaren einen geordneten Abzug der Ukrainer, wäre dies ein starkes Symbol für den Willen zu einer echten Feuerpause. Bisher aber gingen gerade solch wichtige Missionen im Ukraine-Konflikt meistens schief.

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ray8 13.02.2015
1.
Warum dieser Waffenstillstand erst ab Sonntag?! Völliger Blödsinn! Dem hätte Merkel nie zustimmen dürfen! Scheinbar wollen die Russen vorher noch ihre ganze Munition verballern.
Herr B 13.02.2015
2.
Wie wäre es mal mit einer richtigen Karte der Frontlinie und nicht mehr diese völlig veralteten Daten? Zwischen dem stark Kiew-lastigen liveuamap.com und dem Moskau-treuen militarymaps.com kommt es mir vor, als wenn kot-ivanov.livejournal.com ganz gut liegt.
cup01 13.02.2015
3. Interessant wie Putin denkt.
Für ihn scheint es ein Spiel zu sein. Das ist menschenverachtend. Er wird Stalin immer ähnlicher. Gleichzeitig wird klar, dass die ausgehandelte Waffenruhe nichts Wert ist, weil sie nicht per sofort gilt, sondern erst am Sonntag. Jeder Tote geht nun auf das Konto der Diplomatie.
Europa! 13.02.2015
4. Sehr richtig!
Die ukrainischen Truppen sollen sich so schnell wie möglich aus Debalzewe zurückziehen, das sie entgegen der ersten Minsker Vereinbarung besetzt haben.
hei-nun 13.02.2015
5. Fragen
Da fallen mir unweigerlich Fragen ein: Warum wurde die Lage dieser Stadt nicht im Abkommen geklärt - oder ist Putin sicher, bis Sonntag klare Verhältnisse geschaffen zu haben ? Können sich die Separatisten nennenden Terroristen jede Ukrainische Stadt aussuchen und dann mit russischer Hilfe überfallen und besetzen ? Was wird mit Mariupol - hier gibt es doch das gleiche Dilemma ? Warum muss noch bis Sonntag gekämpft werden - ein Waffenstillstand hätte doch auch sofort greifen können - ach so - es müssen noch weitere "Fakten" (Eroberungen und Tote) geschaffen werden ! Fazit: Es wird auch nach dem "Waffenstillstand" weitergehen und Tote geben - und das hat nichts mit den USA oder der EU zu tun, sondern ausschließlich mit Russland und Putin ! Zum Schluss: Für mich ist Putin ein Widerling - kurz hinter Hitler ! Ich verstehe niemanden, der diesen Führer toll findet ! Ob das durch die Zensur kommt !?
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