Nachrichten kurz und knapp Der Ukraine-Konflikt im Überblick

Bewaffnete besetzen das Parlament auf der Krim, russische Kampfjets sind in Alarmbereitschaft, der Westen warnt vor einer Eskalation - die Nachrichtenlage im Ukraine-Konflikt wird unübersichtlich. Lesen Sie hier, was man wissen muss.

AP

Kiew/Moskau - Die Krise in der Ukraine hat sich zunehmend verlagert von der Hauptstadt Kiew auf die Halbinsel Krim im Süden des Landes. An diesem Donnerstag spitzte sich die Situation deutlich zu. Der Überblick:

  • Konflikt auf der Krim: Die Schwarzmeer-Halbinsel gehört zwar zur Ukraine, dort leben aber mehrheitlich Russen. Daher ist die Krim seit langem umstritten. Politiker aus Moskau hatten zuletzt den Anspruch auf das Gebiet bekräftigt. Die Ukrainer - und ebenso die wachsende Minderheit der muslimischen Tataren - wollen eine Abspaltung aber verhindern. Bereits am Mittwoch gab es Demonstrationen und Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten, mindestens 30 Menschen wurden verletzt.

  • Angriff auf Regionalregierung: Mittwochnacht stürmten Dutzende Bewaffnete Regierungsgebäude und das Parlament in der Regionalhauptstadt Simferopol, sie zerschossen das Glas der Eingangstüren und halten die Bauten seither besetzt. Die Besetzer bezeichnen sich angeblich als Selbstverteidiger der russischsprachigen Bevölkerung. Ukrainische Sicherheitskräfte halten sich bereit.

  • Militärische Mobilmachung: Russlands militärische Präsenz in der Region verschärft die Spannungen. Moskau hatte am Mittwoch an der Grenze zur Ukraine seine Truppen für ein Manöver mobilisiert. Am Donnerstag versetzte das russische Verteidigungsministerium Teile der Luftwaffe in Kampfbereitschaft. Russische Schützenpanzer fahren laut ukrainischer Regierung offenbar in der Krim-Hafenstadt Sewastopol Patrouille.

  • Verärgerung in Kiew: Das ukrainische Außenministerium hat den russischen Gesandten in Kiew einbestellt. Jede russische Truppenbewegung außerhalb des Stützpunktes in Sewastopol werde als Akt der Aggression gesehen, warnt die Regierung.

  • Internationale Reaktionen: Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen mahnt Russland zur Zurückhaltung: "Ich fordere Russland dringend auf, keine Handlungen zu unternehmen, die Spannungen verschärfen oder zu Missverständnissen führen können." China dagegen meint, viele im Westen verharrten in einer Mentalität des Kalten Krieges, was zu unnötigen Konfrontationen mit Moskau führe.

  • Politische Lage in Kiew: Nach der Absetzung der alten Regierung hat die Ukraine nun einen neuen Ministerpräsidenten. Das Parlament stimmte am Donnerstag mehrheitlich für Arseni Jazenjuk von der Vaterlandspartei. Er ist ein Weggefährte von Julija Timoschenko. Präsidentschaftswahlen sind für den 25. Mai angesetzt. Bis dahin ist Übergangspräsident Alexander Turtschinow im Amt.

  • Kontroverse um Janukowitsch: Russland will Agenturberichten zufolge dem gestürzten ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch Zuflucht gewähren. Dieser bezeichnete sich in einer Erklärung weiterhin als rechtmäßiges Staatsoberhaupt seines Landes - eine Provokation für die neuen Machthaber in Kiew. Janukowitsch fürchtet offenbar um sein Leben. Er fühle sich von Extremisten verfolgt und ersuche Moskau daher um Schutz.

kgp/dpa/Reuters

insgesamt 58 Beiträge
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tommit 27.02.2014
1. Der Westen warnt
Zitat von sysopREUTERSBewaffnete besetzen das Parlament auf der Halbinsel Krim, russische Kampfjets sind in Alarmbereitschaft, der Westen warnt vor einer Eskalation - die Nachrichtenlage im Ukraine-Konflikt wird unübersichtlich. Lesen Sie hier im Überblick, was man wissen muss. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-konflikt-im-ueberblick-nachrichten-kurz-und-knapp-a-956001.html
wen? Putin, Russland, seine Bürger , die Bürger der Ukraine, das Parlament.. und vor allem vor was warnt der Westen.. Sind die sich schon einig wer 'der Westen' ist.. 1,2 Mia Westen 5,8 Mia Osten ..
de-be 27.02.2014
2.
Maidan, Kosovo, Syrien, Libyen, ... bei so vielen separatistischen Bestrebungen klatschten wir Beifall. Doch warum findet ausgerechnet der Wunsch der Krimbewohner nach Unabhängigkeit von der Ukraine im Westen keine Unterstützung?
irrenderstreiter 27.02.2014
3.
Ich finde es sehr interessant, dass plötzlich als problematisch thematisiert wird wird - Besetzung öffentlicher Gebäude, Besuch ausländischer Politiker ... - was im Falle Kiews noch ausdrücklich begrüßt wurde. Nach Euerm Gusto sind das keine schnöden Bewaffneten, sonderen Aktivisten - oder etwa nicht?
steuerschlupf 27.02.2014
4. man stellt
Zitat von de-beMaidan, Kosovo, Syrien, Libyen, ... bei so vielen separatistischen Bestrebungen klatschten wir Beifall. Doch warum findet ausgerechnet der Wunsch der Krimbewohner nach Unabhängigkeit von der Ukraine im Westen keine Unterstützung?
Man könnte noch weiter gehen. Man stelle sich vor, dass im Zuge der Unabhängigkeitsbestrebungen der Ukraine und Annäherung zur EU, die russisch-abstämmigen Einwohner der Krim (Russisch bis 1954) aus der Krim vetrieben werden..... so viel zur westlich propagierten Demokratie. Dass die Nato und der Westen am Liebsten keinen Russischen (Schwarzmeer) Stützpunkt auf der Krim mehr möchten ist ein offenes Geheimnis. Dass dieses Machtstreben aber als Demokratie verkauft wird, ist nur ein Beispiel der europäischen Doppelmoral.
kleinbürger 27.02.2014
5. vorauseilender gehorsam
Zitat von de-beMaidan, Kosovo, Syrien, Libyen, ... bei so vielen separatistischen Bestrebungen klatschten wir Beifall. Doch warum findet ausgerechnet der Wunsch der Krimbewohner nach Unabhängigkeit von der Ukraine im Westen keine Unterstützung?
soweit ich weiß wurde der wunsch bisher noch nicht von irgendjemanden von bedeutung als politische vorderung ausgerufen. sind da die westlichen freunde autokratischer herrschaftsstrukturen ihrem herren putin bereits einen schritt voraus ?
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