Luftschläge in der Ostukraine Kiew spricht von Dutzenden toten Rebellen

Das ukrainische Militär ist massiv gegen die Rebellen im Osten des Landes vorgegangen. Nach eigenen Angaben tötete die Luftwaffe Dutzende prorussische Separatisten.

Ukrainische Raketenabschussrampen in einem Sonnenblumenfeld in der Region Donezk: Massive Angriffe
dpa

Ukrainische Raketenabschussrampen in einem Sonnenblumenfeld in der Region Donezk: Massive Angriffe


Kiew - Nach den schweren Luftschlägen in der Ostukraine hat die ukrainische Luftwaffe offenbar erneut angegriffen. Dem Verteidigungsministerium in Kiew zufolge beschoss die Luftwaffe Separatistenstellungen und tötete dabei Dutzende prorussische Aufständische. Auch Technik sei zerstört worden, teilte die Behörde mit.

Bei zwei der insgesamt fünf gezielten Luftschläge seien bis zu 40 Separatisten getötet worden, hieß es. Für die übrigen Angriffe nannte das Ministerium zunächst keine Opferzahlen. Die Kämpfe dauerten auch am Sonntag an.

Bereits am Freitag wollen ukrainische Streitkräfte bei Luftschlägen in den Regionen Donezk und Luhansk rund tausend Rebellen getötet haben. Die Stadtverwaltung von Donezk teilte nun mit, dass bei Gefechten am Samstag in zwei Stadtteilen zwölf Menschen getötet und mehrere verletzt worden seien. Für den Ortsteil Marjinka wurde die Zahl mit sechs getöteten Zivilisten angegeben. Separatisten hatten zuvor von 30 Toten gesprochen.

70.000 Menschen fliehen vor Angriffen

Die blutige Offensive am Wochenende hat Tausende Menschen aus den noch verbliebenen Rebellenhochburgen im Osten der Ukraine vertrieben, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Mehr als 70.000 Einwohner der Stadt Donezk hätten die Stadt verlassen, erklärte Alexander Borodaj, selbsternannter Chef der Rebellen.

Von russischer Seite hieß es unterdessen, dass zum ersten Mal beim Beschuss russischen Staatsgebiets von ukrainischer Seite ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt worden seien. Das berichten die russischen Agenturen Interfax und Itar-Tass unter Berufung auf Sicherheitskräfte - eine offizielle Bestätigung gibt es jedoch nicht. Sollte sich der Vorfall bewahrheiten, dürfte dies die Situation weiter verschärfen. Moskau hatte der Ukraine bei einer neuen Provokation mit Gegenmaßnahmen gedroht.

Die Hoffnungen auf ein Treffen der Präsidenten der Ukraine und Russlands haben sich damit zerschlagen. Poroschenko hatte mitgeteilt, aufgrund der Krise in seinem Land nicht zum Finale der Fußballweltmeisterschaft nach Brasilien reisen zu wollen, ein Treffen mit Wladimir Putin ist so ausgeschlossen.

Moskau ärgert sich über Einreiseverbot nach Großbritannien

Unterdessen telefonierte Washington mit Kiew. US-Vize-Präsident Joe Biden ermutigte Poroschenko, Gespräche über eine Waffenruhe im Osten des Landes zu führen. Der Demokrat sicherte dem ukrainischen Präsidenten Unterstützung bei seinen Bemühungen zu und bekräftigte, dass die USA ihren Druck auf die russische Regierung erhöhen würden, sollte sie nicht ihre Unterstützung für die prorussischen Rebellen einstellen.

Die USA haben Russland wiederholt mit weiteren Sanktionen gedroht, sollte Moskau nicht mäßigend auf die Separatisten einwirken. Und auch andere Länder erhöhen den Druck. Die britische Regierung verweigerte am Samstag einer russischen Delegation die Einreise zur internationalen Luft- und Raumfahrtmesse in Farnborough. Die russische Botschaft in London äußerte ihr "Bedauern" über den Schritt und verlangte vom britischen Außenministerium "dringend" eine Erklärung. "Wegen des russischen Verhaltens in der Ukraine-Krise" habe Russland in diesem Jahr keine Einladungen erhalten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums der AFP.

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gam/dpa/Reuters/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 207 Beiträge
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WernerT 13.07.2014
1. Biden hat Angst, dass sein Sohn wieder zu Hause einzieht
Die Verlustzahlen, die die Kiewer für den Gegner nennt, erinnert ab die Zahlen die die US Armee in Vietnam nannte - sind die gleichen Leute, die damals schon scheiterten
rusigabedra 13.07.2014
2. nur zur Erinnerung:
„Wer das Militär gegen die eigene Bevölkerung einsetzt, hat jede Legitimation verloren.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel im Februar 2014
lecker_schnipo 13.07.2014
3. angriff auf russisches gebiet
natürlich wird nicht von den angriffen der ukrainischen Armee auf russisches Territorium berichtet...
tatso 13.07.2014
4. wieviel Zivilisten
hat Kiew zu den Rebellen *gg* hinzugerechnet? Israel wird fur Gaza gemassregelt ... doch macht Kiew was Anderes?
mundi 13.07.2014
5. Militär gegen die eigene Bevölkerung
Zitat von rusigabedra„Wer das Militär gegen die eigene Bevölkerung einsetzt, hat jede Legitimation verloren.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel im Februar 2014
Das war sowohl in kosoco, Libyen als auch in Syrien so. Allerdings wurden die Aufständischen vom Westen unterstützt.
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