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Ukraine-Konflikt: Nato-Chef wirft Russland feindselige Haltung vor

Der Abschuss einer Militärmaschine durch prorussische Separatisten heizt den Ukraine-Konflikt an. Nato-Chef Rasmussen sagt, Moskau betrachte den Westen offenbar als Feind - und kündigte konkrete Schritte zu einer militärischen Kooperation mit Kiew an.

Nato-Chef Rasmussen: "Sehr konkrete Kooperation" mit Ukraine geplant Zur Großansicht
REUTERS

Nato-Chef Rasmussen: "Sehr konkrete Kooperation" mit Ukraine geplant

Madrid/Hamburg - Nach dem Abschuss eines ukrainischen Militärflugzeugs verschärft sich der Ton im Ukraine-Konflikt. Nato-Generalsekretär Rasmussen sagte der spanischen Zeitung "El País", es sei "deutlich, dass Russland uns als seinen Feind ansieht. Ich bedauere das zutiefst, aber wir müssen diese Tatsache zur Kenntnis nehmen und uns darauf einstellen."

Rasmussen kündigte an, bis Ende des Monats werde die Nato den EU-Außenministern ein Hilfspaket für die Ukraine vorlegen. Dieses werde Hilfe bei der Modernisierung des Militärs beinhalten. "Es wird eine sehr konkrete Kooperation geben, die zum Beispiel den Zugang der Ukraine zu Nato-Truppen erleichtern soll." Zwar gebe es keine Pläne, Kampftruppen in das Land zu entsenden. Er schließe aber nicht aus, dass sich einzelne Nato-Mitglieder an Manövern in der Ukraine beteiligen.

Am Samstag hatten Separatisten eine ukrainische Transportmaschine beim Landeanflug auf den Flughafen der östlichen Stadt Luhansk mit Raketen beschossen und zum Absturz gebracht. Dabei kamen 49 Soldaten ums Leben. Es war der schwerste Schlag für die ukrainische Armee seit Beginn ihrer Offensive gegen Aufständische Mitte April.

Die Ukraine drohte Russland mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Sie wirft der Regierung in Moskau vor, die Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen. Falls Russland weiterhin zur Verschärfung der Lage beitrage, müsse sein Land zu diesem "äußersten Mittel" greifen, sagte Außenminister Andrej Deschtschiza in Kiew. Er wünsche sich dies aber nicht, weil sonst wichtige Gespräche mit Moskau schwieriger würden. Russland bestreitet mit Nachdruck, Einfluss auf die Aufständischen im Nachbarland zu haben.

In Kiew attackierten wütende Ukrainer die russische Botschaft. Das russische Außenministerium verurteilte die Proteste scharf. Zudem forderte Russland den Rücktritt von Außenminister Deschtschiza. Dieser hatte versucht, die Protestierer vor der Botschaft von Gewalt abzuhalten. Russland habe das Recht auf eine Botschaft in der Ukraine, sagte Deschtschiza. In einem folgenden Wortgefecht mit Demonstranten sagte der Politiker dann laut der Nachrichtenagentur Reuters: "Ja, Putin ist ein Arschloch, ja." - eine Aussage welche von der Menge wiederholt wurde.

Tag der Trauer in der Ukraine

Die Ukraine gedachte mit einem Tag der Trauer der 49 toten Soldaten. Fahnen wehten am Sonntag auf halbmast, und einige Fernsehsender verzichten auf Unterhaltungsshows. In Gottesdiensten beteten Gläubige für die Opfer.

Die Aufständischen wiesen unterdessen Vorwürfe des Westens zurück, sie hätten aus Russland drei Panzer erhalten. Seines Wissens seien die Fahrzeuge aus ukrainischen Depots erbeutet worden, sagte Separatistenführer Andrej Purgin. Die russische Armee habe das Kriegsgerät vom Typ T-64 "längst aussortiert".

Die ukrainischen Sicherheitskräfte setzten ihre Offensive fort. Bei tagelangen Luftangriffen auf Stellungen militanter Gruppen bei Kramatorsk seien mehr als 50 Separatisten getötet und etwa 150 verletzt worden, sagte Armeesprecher Wladislaw Selesnjow. Viele davon seien Kämpfer aus dem benachbarten russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus. Zuletzt hatte es häufig abweichende Angaben über Opferzahlen gegeben.

Die für Sonntagmorgen angesetzten Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über Erdgas-Lieferpreise fielen aus. Das Energie-Ministerium in Kiew erklärte, die Gespräche würden hoffentlich im Laufe des Tages wieder aufgenommen. Ukrainische Vertreter wie auch ein Sprecher des russischen Monopolisten Gazprom erklärten jedoch übereinstimmend, ein neuer Zeitpunkt stehe nicht fest.

Russland droht mit der Einführung einer Vorkasseregelung bei der Gaslieferung, sollte die Ukraine die Schulden ihres Gaskonzerns Naftogas nicht bis Montag bei Gazprom begleichen. Die Verhandlungen unter Vermittlung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger waren am Samstag ergebnislos vertagt worden.

dab/dpa/Reuters/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 63 Beiträge
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1. Da
Jaerven 15.06.2014
muss ich dem ukrainischen Aussenminister mal voll zustimmen was Putin angeht. Ich würde seiner Bemerkung noch "hinterhältiges" hinzufügen.
2. .
Kurt2.1 15.06.2014
Zitat von sysopREUTERSDer Abschuss einer Militärmaschine durch prorussische Separatisten heizt den Ukraine-Konflikt an. Nato-Chef Rasmussen sagt, Moskau betrachte den Westen offenbar als Feind - und kündigte konkrete Schritte zu einer militärischen Kooperation mit Kiew an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-konflikt-nato-chef-beklagt-feindselige-haltung-russlands-a-975316.html
Da hat er recht, der Herr Rasmussen. Russlands Verhalten ist reichlich unverfroren. Bei der UNO auf Frieden dringen und Friedensgespräche einfordern und andererseits in der Ukraine immer kräftig schüren. Die Russen wollen einen Bürgerkrieg in der Ukraine. Alles andere dient nur diesem Zweck.
3. optional
killi 15.06.2014
Endlich tut sich bei der Nato was. Kiew sollte mit Moskau weiterhin Kontakt halten. Abbruch jeglicher diplomatischer Beziehungen finde ich allgemein nicht empfehlenswert. Das man Vermittler beim Gasproblem braucht verstehe ich nicht. Vertrag ist Vertrag, daran muss man sich nunmal halten - beide Seiten wohlgemerkt.
4. Vielleicht räumt ihr erst mal auf, bevor ihr woanders wieder Chaos verurscacht...
niva 15.06.2014
Irak, Afghanistan, ... räumt doch erst mal auf, bevor ihr jetzt anfangen müsst, die Ukraine zu "befrieden" - wenn das das neue Ziel der NATO ist, irgendwelche Kriesengebiete aufzunehmen, die erst von der EU/USA instabilisiert wurden, dann sollten wir schnellstmöglich aus dem Verein austreten !!!!
5. Es wird Zeit,
einwerfer 15.06.2014
dass dieser Mann endlich abgelöst wird von diesem Posten. Bei ihm muss man ja befürchten, dass er Russland den Krieg erklärt. Ich dachte immer, der NATO-Generalsekretär sei das Sprachrohr der NATO-Mitgliedsstaaten. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Herr Rasmussen mit seiner scharfen Kriegsrhetorik die Meinung aller 28 NATO-Mitgliedsstaaten wiedergibt.
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