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Winter in der Ukraine: Russland will Kohle und Strom ohne Vorkasse liefern

Kohleförderung im Tagebau (in Sibirien, Archiv): "Echte Unterstützung der Ukraine" Zur Großansicht
REUTERS

Kohleförderung im Tagebau (in Sibirien, Archiv): "Echte Unterstützung der Ukraine"

Als "Demonstration des guten Willens" will Russland große Mengen Kohle und Strom an die klamme Ukraine liefern - und dabei keine Vorkasse verlangen. Eine Bestätigung aus Kiew gibt es dafür bislang nicht.

Moskau/Kiew - Russland will der vor einem Staatsbankrott stehenden Ukraine ohne Vorkasse Strom und Kohle liefern. "Dies ist eine Demonstration des guten Willens von Präsident Putin für eine echte Unterstützung der Ukraine kurz vor dem Neujahrsfest", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Staatsagentur Tass.

Zuvor hatte Vize-Regierungschef Dmitri Kosak dem Sender "Rossija 24" gesagt, Russland sei bereit, monatlich bis zu einer Million Tonnen Kohle und neun Milliarden Kilowattstunden Strom in die Ukraine zu liefern. Kosak zufolge hatte die Führung in Kiew darum gebeten. Der Strompreis soll demnach dem für den russischen Heimatmarkt entsprechen und damit niedriger sein als der normale Preis für die Ukraine.

Eine Bestätigung aus Kiew gibt es bislang nicht. Eine Mitteilung der ukrainischen Behörden über den Beginn der Lieferungen zog die Regierung am Samstag zurück. Der Text sei von Hackern ins Internet gestellt worden, hieß es zur Begründung.

Energie ist in der Ex-Sowjetrepublik knapp. Vor allem im von prorussischen Separatisten kontrollierten Osten des Landes leben viele Menschen ohne Heizung und Strom. Hintergrund ist einerseits die Blockade der Regierung in Kiew, die auch auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim aus Protest zeitweise den Strom abstellt. Andererseits liegt ein Großteil der Kohlevorkommen in den Rebellengebieten oder kann wegen der Kämpfe nicht abgebaut werden.

Die Kohlereserven der Ukraine sind nach Angaben des Energieministeriums auf 1,5 Millionen Tonnen geschrumpft. Die normalen Wintervorräte des Landes betragen vier bis fünf Millionen Tonnen. Vor Beginn der Kämpfe war die Ukraine bei der Stromerzeugung unabhängig.

Seit Anfang Dezember erhält Kiew auch wieder Gas aus Russland. Moskau hatte dem Nachbarland im Juni den Gashahn zugedreht, weil die Ukraine eine drastische Preiserhöhung durch den russischen Gazprom-Konzern nicht akzeptiert und Schulden angehäuft hatte. Das führte auch zur Sorge vor Versorgungsengpässen in der EU, die ihr russisches Gas über die Ukraine bezieht. Erst nach monatelangen Verhandlungen unter EU-Vermittlung kam es zu einer vorläufigen Einigung.

rls/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 105 Beiträge
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1. Die Ukraine ist pleite
Bernhard.R 27.12.2014
Der Krieg gegen die neurussischen Republiken kostet sie 6 Mio Euro - täglich. Wenn Rußland jetzt Energie auf Rechnung liefert, bleibt vielleicht noch etwas mehr Geld für den Krieg. Es wäre doch toll, wenn die Ukrainer dafür Waffen kaufen würden, möglichst in Deutschland. Damit könnte dann der Schoko-Prinz seinem Volk zusätzlich einheizen.
2. Guten Willen???
Takapuna 27.12.2014
Der gute Wille Putins? Das hat irgendwie einen bitteren Beigeschmack. Seine, von der othodoxen Kirche gesalbte Gnaden Putin zeigt guten Willen? Bisher hat sich der gute Wille in Grenzen gehalten, was die permanente Eskalation in der Ostukraine betrifft. Er bestraft diese immer noch dafür, dass sie nicht mehr nach der Pfeife Moskaus tanzen. Das allein ist schon Grund hier den Streit vom Zaun zu brechen. Es wäre wirklich berüßenswert, wenn sich daraus was entwicklen sollte, dass letztendlich zur Niederlegung der Waffen führen könnte. Aber die stetig ausgedehenten Manöver vor den Grenzen des Baltikums, zusammen mit der offiziellen Deklaration der NATO als DER Freind, der mit seinen faschistischen Nazi- und Söldernerhorden (wenn man der Propaganda Glauben schenken darf) das arme Russland bedroht, lassen nur eine weitere Esklation erahnen. Guter Wille sieht anders aus. Es handelt sich um nichts weiteres als der nächste Schachzug mit dem er sich als der Weltretter präsentiert. Er wird Satlin immer ähnlicher! Wann also wir er den "Großen Vaterländischen Krieg II" ausrufen? Raum für einen Rückzug vor dem eigenen Volk nimmt er sich selbst. Ist das alles wirklich im Interesse des russischen Volkes, dass sich anscheinend nach der Ausbeute durch die Oligarchen und der Knechtschaft des neuen Zaren sehnen soll?
3. Jetzt ohne Vorkasse.
dietmar0402 27.12.2014
Das klingt gut wird aber für die EU sehr Teuer kommen den ohne Geld ist nicht mal der Tod.Die Ukraine wird wie Griechenland noch Jahre am Tropf der EU hängen und somit am Steuerzahler hängen.Deshalb wollen Sie ja auch alle rein in den Saftladen wenn die Bevölkerung Wählen dürfte gäbe es mit Sicherheit keine EU.
4. Raubgut wird zum Geschenk
abc-xyz 27.12.2014
Na was für ein Farce. Die Ukraine besitzt mehr als genug Kohle und darüber hinaus. Problem ist nur, dass die Kohlereviere des Donbass unter Kontrolle Moskaus sind und munter Richtung Russland verladen werden. Jetzt soll genau dieses Raubgut als "Zeichen guten Willens" der Ukraine überlassen werden, ohne Vorkasse. Heißt die Ukraine muss für das geraubte Gut auch noch zahlen. Was für ein Schmierentheater diese Lügenbold im Kreml verzapft.
5. Das ist eine Demonstration, daß sich Diebstahl und Betrug inzwischen auszahlen!
darkmattenergy 27.12.2014
Wer jahrelang wie die Ukraine an Westeuropa durchzuleitendes Gas hemmungslos gestohlen hat, und gleichtzeitig ungebremst Schulden an den Lieferanten des Gases auflaufen ließ - bereits lange bevor dieser gegenüber dem notorisch säumigen Kunden mit einer verdienten Preiserhöhung als Risikozuschlag reagierte - hätte in einer gerechten Welt nicht verdient, gegenüber sich ehrlich verhaltenen Kunden bevorzugt zu werden. Aber leider ist es längst hoffähig geworden, schweigend ertragende Anständige für lautstarke fordernde Sünder zur Kasse zu beten, ja bluten zu lassen. Nicht zuletzt in unserer Europäischen Transferunion, die seit etwa einem Jahrzehnt ungeniert demonstriert, daß der Fleiß der Leistungsbereiten schamlos ausgenutzt wird, nicht Selbstversorgungs-willige oder -fähige Mitglieder bis hin zu sündhaft teuren Wahlgeschenken ihrer Politiker "fremdzufinanzieren".
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Animation

Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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