Ukraine-Konflikt Lawrow droht mit Vergeltung bei Angriff auf Russen

Mit deutlichen Worten warnt Außenminister Lawrow davor, Moskaus Interessen in der Ukraine zu verletzen. "Ein Angriff auf russische Bürger ist ein Angriff auf Russland."

Russischer Außenminister Lawrow: "Wenn man uns angreift, werden wir sicher reagieren"
AFP

Russischer Außenminister Lawrow: "Wenn man uns angreift, werden wir sicher reagieren"


Moskau - Russlands Außenminister Sergej Lawrow meldet sich in der Ukraine-Krise fast im Stundentakt zu Wort. Nun hat er in einem Interview mit dem TV-Sender RT zu einer besonders drastischen Formulierung gegriffen: Er droht mit Vergeltung, falls russische Interessen bedroht würden.

"Ein Angriff auf russische Bürger ist ein Angriff auf die russische Föderation", sagte Lawrow. "Wenn unsere legitimen Interessen, die Interessen der Russen direkt angegriffen werden, wie zum Beispiel in Südossetien, sehe ich keine andere Möglichkeit als eine Antwort in Übereinstimmung mit internationalem Recht", sagte der Außenminister wörtlich.

Der Verweis auf Südossetien ist durchaus als Drohung zu verstehen: Südossetien ist eine Region auf dem Gebiet Georgiens, die sich selbst für unabhängig erklärt hat. Außer Russland haben nur Nicaragua, Venezuela, Nauru und Tuvalu die staatliche Souveränität anerkannt. Etwa 95 Prozent der Einwohner haben inzwischen zusätzlich die russische Staatsangehörigkeit angenommen. 2008 lieferten sich Russland und Georgien einen Krieg um die Kaukasus-Region.

"Die USA ziehen die Fäden in der Ukraine"

Lawrow bestritt, dass russische Soldaten die Grenze zur Ukraine bereits überquert hätten. Er machte stattdessen die USA für die angespannte Lage verantwortlich. "Es gibt keinen Grund, nicht daran zu glauben, dass die Amerikaner die Fäden ziehen", sagte der Außenminister. "Es spricht Bände, wenn sie den Besuch des US-Vizepräsidenten nutzen, um die Wiederaufnahme ihrer Militäroperation zu verkünden, weil ja auch der Beginn dieser Operation kurz nach dem Kiew-Besuch von CIA-Chef John Brennan erfolgte", sagte Lawrow in dem RT-Interview.

"Die Ukraine ist nur ein Beispiel dafür, dass die USA nicht bereit sind, im geopolitischen Kampf einzulenken", konstatierte der russische Außenamtschef. Die Amerikaner müssten jedoch zugeben, dass sich von Washington aus nicht die Geschehnisse in aller Welt steuern lassen könnten.

Zuvor hatte Lawrow mit seinem US-Kollegen John Kerry telefoniert. Beide waren sich einig, dass der vor Ostern in Genf vereinbarte Friedensplan für die Ukraine nicht eingehalten werde. Doch während Moskau dafür die vom Westen unterstützte Führung in Kiew verantwortlich macht, sehen die Vereinigten Staaten die Schuld dafür bei der russischen Regierung.

syd

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Hermes75 23.04.2014
1.
Zitat von sysopAFPMit deutlichen Worten warnt Außenminister Lawrow davor, Moskaus Interessen zu verletzen. "Ein Angriff auf russische Bürger ist ein Angriff auf Russland." http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-konflikt-russlands-lawrow-droht-mit-vergeltung-a-965717.html
Als verantwortungsvoller Außenminister täte Herr Lawrow besser daran russische Staatsbürger aufzufordern das Krisengebiet zu verlassen, um sich nicht in Gefahr zu begeben. Kriegsdrohungen - und genau das ist diese Äußerung - sind wohl wenig hilfreich die Lage zu stabilisieren. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die russische Regierung krampfhaft nach einem Vorwand sucht endlich offiziell in der Ukraine einmarschieren zu können...
AhzekAhriman 23.04.2014
2. Eingeständnis von Lawrow
Seit wann gibt es in der Ostukraine russische Bürger? Solln das nicht alles Ukrainer sein. Und seit wann hat Russland "legitime Interessen" in einem anderem souveränem Land? Und was faselt der Typ von "...eine Antwort in Übereinstimmung mit internationalem Recht...". Russland verletzt permanent internationales Recht in der Ukraine. Also die merken wirklich nichts mehr in Moskau.
südling 23.04.2014
3. Scheibchen für .....
...Scheibchen, das gewohnte Muster. Aber es war bereits klar, daß der Rest der Ukraine auch dran glauben muß. Spätestens, als die ersten "Selbstverteidigungskräfte" auf der Krim auftauchten. Welche russischen Bürger gilt es eigentlich zu beschützen? Die Putin-Versteher, Naivlinge und bezahlten Schreiberlinge werden sich dennoch nicht abhalten lassen, ihrem Führer zu zujubeln und haarsträubende Rechtfertigungsversuche zum Besten geben. Schande Russland, Schande!
okrimj 23.04.2014
4. Die Russen werden einmarschieren..
Es wird so kommen - die Ostukraine ist weg ! Ich hoffe nur dass dann die Weltverbesserer in der EU jetzt eine deutliche Reaktion gegenüber Russland zeigen ! Der Kurs der Amerikaner ist hier sicherlich konsequenter. Gespräche suchen, die in Russland eh keiner will ist nichts weiter als das Verschleiern eigener Unentschlossenheit. Man verschafft den Russen hier nur Zeit, um ihr Ding durchzuziehen.
layercake 23.04.2014
5. Der einzige Agressor...
den ich hier entdecken kann, ist Russland. Man stelle sich vor, das ganze ging an der Küste der Cote`d` Azur oder in Südspanien ab... da leben ja auch etliche Russen. Die würden dort Verwaltungsgebäude usw stürmen, da Ihre Sprache nicht als Amtssprache anerkannt würde. Wenn dann Frankreich oder eben Spanien versuchen würde, die Ordnung wieder herzustellen, droht Lawrow mit dem Einmarsch. Einfach lächerlich... man sollte diesen Staat komplett international isolieren. Dann können Sie in "Übereinstimmung mit internationalewm Recht" Irgendjemanden Ihre Doktrin aufzwingen...zBsp. Nordkorea oder Ähnlichen Musterdemokratien.
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