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Brüchige Waffenruhe: Erneut Tote und Verletzte bei Kämpfen in der Ostukraine

Soldaten nahe Donezk: Wieder Tote und Verletzte trotz Waffenruhe Zur Großansicht
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Soldaten nahe Donezk: Wieder Tote und Verletzte trotz Waffenruhe

Trotz der Waffenruhe sind bei Kämpfen in der Ostukraine erneut Menschen ums Leben gekommen. Die Separatisten sprechen von zwölf toten Zivilisten, Kiew meldet zwei tote Soldaten.

Kiew/Donezk - Eigentlich sollte in der Ostukraine eine Waffenruhe herrschen, doch die ist offenbar weiterhin brüchig. Bei Gefechten in der umkämpften Region soll es am Mittwoch erneut Tote und Verletzte gegeben haben. Im Gebiet um Luhansk seien bei einem Artillerieangriff zwölf Zivilisten in dem Dorf Frunse getötet worden, teilten die Separatisten mit. Der Sicherheitsrat in Kiew sprach am Mittwoch von zwei toten Soldaten und neun Verletzten.

Auch der Stadtrat von Donezk beklagte Artilleriefeuer. Ein Zivilist sei getötet worden. Es gab auch vier Verletzte, wie die Behörde mitteilte. Umkämpft seien noch immer der Flughafen und die nordwestlichen Vororte der Gebietshauptstadt Donezk, hieß es. Der Sicherheitsrat in Kiew kritisierte hingegen Truppenbewegungen von russischem Territorium aus in die Ukraine. Russland weist solche Berichte zurück.

Die örtliche Verwaltung der Rebellenhochburg Donezk berichtete zudem von zwei Jugendlichen, die durch Granatenbeschuss auf dem Sportplatz einer Schule getötet worden sein sollen. Drei weitere Teenager wurden verletzt. Anwohner erklärten, zu dem Zwischenfall sei es in zwei bis drei Kilometer Entfernung des Donezker Flughafens gekommen, der von Regierungstruppen gehalten wird.

Putin spricht von "Bürgerkrieg"

Kiew und die prorussischen Separatisten hatten Anfang September in der weißrussischen Hauptstadt Minsk unter Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eine Feuerpause sowie weitere Schritte für einen Friedensplan vereinbart. Aus Protest gegen die Wahlen in den Separatistengebieten am Sonntag hatten führende ukrainische Politiker die Minsker Beschlüsse jedoch für ungültig erklärt.

Kreml-Chef Wladimir Putin sprach von einer Fortdauer des "Bürgerkrieges" im Konfliktgebiet. "Ungeachtet der Minsker Vereinbarungen werden weiter friedliche Orte beschossen und sterben noch immer friedliche Bürger", sagte Putin. Der "Bürgerkrieg" direkt an den Grenzen Russlands setze sich fort.

Der Regierungschef der Ukraine, Arsenij Jazenjuk, hatte am Mittwoch die Einstellung aller Zahlungen an die Separatistengebiete angekündigt. "Sobald die russischen Terroristen aus den Donezker und Luhansker Gebieten verschwinden, werden wir jedem die Gelder zahlen", sagte der 40-Jährige. Kiew hatte nach den umstrittenen Wahlen angekündigt, sich die umkämpften Regionen "zurückholen" zu wollen. Die Regierung beorderte dafür weitere Soldaten in den Osten des Landes.

Der Konflikt beunruhigt auch die Nachbarländer: Die polnische Regierung verabschiedete eine neue nationale Sicherheitsstrategie. Damit reagiere Warschau auf eine "Periode von Drohungen", sagte der Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak. Staatspräsident Bronislaw Komorowski verwies auf "Änderungen östlich der polnischen Grenze". Bei diesen deute alles darauf hin, dass sie "von Dauer" sein würden und die Sicherheitslage beträfen.

bka/AFP/DPA

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insgesamt 58 Beiträge
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1. Brüchige Waffenruhe?
vandenplas 05.11.2014
Es wird seit Wochen jeden Tag gekämpft, gebombt und gemordet. Jeden Tag sterben auf beiden Seiten Menschen. Wie kann man da noch allen Ernstes von einer "Waffenruhe" sprechen? Die besteht doch nur noch auf dem Papier. Der Bürgerkrieg geht weiter - nur halt unter teilweisem Ausschluss der westlichen Öffentlichkeit.
2.
stonecold 05.11.2014
Zitat: "Der Regierungschef der Ukraine, Arseni Jazenjuk, hatte am Mittwoch die Einstellung aller Zahlungen an die Separatistengebiete angekündigt. "Sobald die russischen Terroristen aus den Donezker und Luhansker Gebieten verschwinden, werden wir jedem die Gelder zahlen", sagte der 40-Jährige." Abgesehen davon, dass seit mehreren Monaten keine Zahlungen mehr an die Leute in diesen Regionen geleistet werden (Renten zumindest auf jeden Fall)- bestraft Jazenjuk dadurch nicht jene, die er angeblich retten will? Ist auch ne feine Ausrede, muss der klamme Staat über den Daumen gleich 10-15 Prozent weniger Rentenzahlungen leisten...
3. Putins Bürgerkrieg
MtSchiara 05.11.2014
Auch russische Soldaten und russische Auftrags-Separatisten sind natürlich Bürger - wenn auch nur russische und nicht ukrainische. Insofern hat Putin schon recht bezüglich des russisch-ukrainischen "Bürgerkrieges" - wenn auch die Verwendung dieses Begriffes in diesem Kontext eher ungewöhnlich und etwas gewöhnungsbedürftig ist.
4. Eigenständige Staaten?
spon-facebook-10000012354 05.11.2014
Zitat von stonecoldZitat: "Der Regierungschef der Ukraine, Arseni Jazenjuk, hatte am Mittwoch die Einstellung aller Zahlungen an die Separatistengebiete angekündigt. "Sobald die russischen Terroristen aus den Donezker und Luhansker Gebieten verschwinden, werden wir jedem die Gelder zahlen", sagte der 40-Jährige." Abgesehen davon, dass seit mehreren Monaten keine Zahlungen mehr an die Leute in diesen Regionen geleistet werden (Renten zumindest auf jeden Fall)- bestraft Jazenjuk dadurch nicht jene, die er angeblich retten will? Ist auch ne feine Ausrede, muss der klamme Staat über den Daumen gleich 10-15 Prozent weniger Rentenzahlungen leisten...
Also entweder bilden die Separatisten eigenständige Staaten, dann müssen sie auch die Renten etc. selber finanzieren, oder sie sind keine eigenständige Staaten und haben dann natürlich Ansprüche auf Finanzierungen seitens Kiews. Beides zusammen geht nicht. Deshalb müssen sich die Separatisten irgendwann einmal entscheiden was sie wollen und die Konsequenzen dann auch tragen.
5. zu
fazil57guenes 05.11.2014
Auch russische Soldaten und russische Auftrags- Separatisten sind natürlich Bürger - "wenn auch nur russische" und nicht ukrainische. Damit bedienen einer ähnlichen Terminologie wie Jarzenijuk, als er von den "russischen Untermenschen" im Osten der Ukraine sprach Damit bestätigen sie, dass die russiscen Bürger wie Abschaum betrachtet werden und damit geben sie sich selbst die Antwort, warum die Menschen im Donbass und im Osten nichts mehr mit Kiew zu tun haben wollen und die Situation so ist, wie sie ist. Somit ist unschwer zu erkennen, wessen "Geistes Kind" sie sind.
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Fotostrecke
Ostukraine: Separatistenführer gewinnen bei Wahlfarce

Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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