Machtdemonstration USA schicken 3000 Soldaten ins Baltikum

Die USA rüsten Estland, Lettland und Litauen auf, "zur Abschreckung der russischen Aggression". Auch ein Großmanöver ist geplant. In der Ukraine bestätigt Präsident Poroschenko, dass die Separatisten ihre schweren Waffen abziehen.

Ankunft in Riga: Fast 750 Militärfahrzeuge haben die USA nach Lettland geschickt
DPA

Ankunft in Riga: Fast 750 Militärfahrzeuge haben die USA nach Lettland geschickt


Washington - Als Abschreckung gegenüber Russland haben die USA Estland, Lettland und Litauen Hunderte Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und andere Rüstungsgüter übergeben - und 3000 Soldaten in die Region verlegt. Sie sollen zusammen mit Soldaten anderer Nato-Staaten ab Mitte Mai an einer 90 Tage langen Militärübung der Nato teilnehmen und so die Solidarität des Westens demonstrieren.

Die Waffenlieferung, zu der unter anderem Panzer vom Typ "Abrams", und Kampffahrzeuge vom Typ "Bradley" gehören, solle Russlands Präsident Wladimir Putin "unsere Entschlossenheit zeigen, dass wir zusammenstehen", sagte US-Generalmajor John R. O'Connor der Nachrichtenagentur AFP bei der Übergabe der Rüstungsgüter im Hafen von Lettlands Hauptstadt Riga. Sie würden dem Baltikum überlassen, "so lange dies zur Abschreckung der russischen Aggression erforderlich ist".

Die baltischen Staaten befürchten, dass ihnen ein ähnliches Schicksal wie der Ukraine drohen könnte. An den Grenzen Lettlands und der Nachbarstaaten Estland und Litauen sind seit Beginn der Ukraine-Krise vermehrt russische Militärflugzeuge und Kriegsschiffe identifiziert worden. Auf sich allein gestellt, hätten die drei Länder Russland militärisch nicht viel entgegenzusetzen.

Wie die Ukraine wurden Litauen, Lettland und Estland im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion Anfang der Neunzigerjahre unabhängig, anders als Kiew gehören sie aber seit dem Jahr 2004 der Nato und der EU an.

US-Außenminister John Kerry versicherte seinem litauischen Kollegen Linas Linkevicius bei einem Treffen am Montag in Washington, dass sich die USA an die in Artikel 5 des Nato-Vertrags verankerte militärische Beistandspflicht gebunden fühlten.

Poroschenko bestätigt Waffenabzug durch Rebellen

Die Lage in der Ukraine stand auch bei Gesprächen zwischen US-Präsident Barack Obama und EU-Ratspräsident Donald Tusk am Montag im Weißen Haus auf der Tagesordnung. Ohne "starke Überwachung und starke Umsetzung" seien die Vereinbarungen des Minsker Abkommens bedeutungslos, warnte Obama. "Wenn wir geeint sind, dann werden wir in der Lage sein, der aggressiven Politik von Russland gegenüber seinen Nachbarn ein Ende zu setzen", sagte der frühere polnische Regierungschef Tusk.

Die ukrainische Regierung bescheinigte einen umfangreichen Abzug schwerer Waffen durch die prorussischen Rebellen von der Front im Osten des Landes. Präsident Petro Poroschenko erklärte am Montagabend im Fernsehen, sein Militär habe "den Löwenanteil" seiner Waffen abgezogen. "Die von Russland unterstützen Kämpfer haben ebenfalls eine signifikante Zahl zurückgezogen." Beide Seiten setzen damit einen Schritt des Abkommens von Minsk um.

vet/fab/dpa/AFP/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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rainerpolo 10.03.2015
1. Danke USA!
die wenigstens nicht wie die Europärer nur reden und sich von Putin rauf und runter belügen lassen, sondern handeln. Niemand will grundsätzlich solche Spannungen oder die Gefahr eines heißen Krieges, aber gemäß Putins selbstdefinition der "Stärke" wie er glaubt (wobei nicht viel dazu gehört einen jahrzehntelang unterdrückten, heruntergekommenen Bruderstaat zu überfallen auf der Krim und in der Ostukraine) muß man ihm in die Sprache die er selbst gewählt hat antworten, eine andere versteht er definitiv nicht, ebensowenige halten er und seine Regierung sich an Verträge die nur zur neuaufrüstung jedesmal genutzt wurden. Putin muß mit allen Risiken klar gezeigt werden wo die rote Linie ist, nämlich dort wo NATO Staaten beginnen. Es liegt alleine an ihm diese nicht zu überschreiten. Die NATO und die USA haben kein östliches Land militärisch angegriffen oder besetzt, das pflegen einzig die Russen zu tun.
marcel2101 10.03.2015
2. Provokation?
Hab den Artikel sofort nach dem Stichwort "Provokation" durchsucht, aber nichts gefunden. Keine Provokation, sondern nur "Abschreckung". Ach so. Dann ist ja alles in Ordnung...
spon-facebook-10000012354 10.03.2015
3. Endlich die richtige Entscheidung
Putin ist letztlich ein analytischer und kalter Machtpolitiker. Sicherlich wird er dieses Manöver innenpolitisch nutzen im Sinne seiner „Bedrohungs-„ und „Einkreisungspropaganda“, aber insbesondere der Aufmarsch von schweren Kampfpanzern ist ein deutliches Signal, dass der Einsatz der „grünen Männchen“ deutlich erschwert worden ist. Die Waffenlieferung, zu der unter anderem Panzer vom Typ "Abrams", und Kampffahrzeuge vom Typ "Bradley" gehören, machen eine Aktion wie auf der Krim faktisch unmöglich, ohne dass Putin das Risiko eines wirklichen militärischen Konfliktes mit einer kleinen, allerdings sehr kampfstarken Einheit eingeht, die z.B. mit Formationen der Bundeswehr nicht zu vergleichen sind, die international nur noch als zweit- oder drittklassig gelten. Dies wird er – kühl und rational wie er ist – mit Sicherheit nicht tun.
Ekatus Atimoss 10.03.2015
4. Tja...
..Ursulas Folkloretruppe hat ja noch nicht mal eine nennenswerte Zahl an Panzern, die sie zur Übung ins Baltikum schicken könnte. Hoffe doch sehr, dass uns die Polen im Ernstfall beistehen.
Hank Hill 10.03.2015
5. Eine richtige Entscheidung
Wenn man sieht wie Putin seine damaligen Lügen revidiert und nun erzählt wie er selbst den Befehl zur Besatzung der Krim gegeben hat dann versteht man, daß diesem Mann nicht zu trauen ist. Er befeuert weiter den russischen Nationalismus und bereitet seine Landsleute offenbar auf weiteren Landdiebstahl vor. Die NATO macht es richtig ihm eine Grenze zu zeigen.
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