Ukraine-Konflikt Raketenangriff auf Bus tötet elf Zivilisten

Die Rakete soll einem Kontrollposten der ukrainischen Armee gegolten haben, traf aber einen Bus mit Zivilisten. Bei dem Angriff sind mindestens elf Menschen getötet worden.

Zerstörter Bus nahe der Ortschaft Bugas: Die Gewalt in   der Ostukraine nimmt wieder zu
AFP/ ATO Press Service

Zerstörter Bus nahe der Ortschaft Bugas: Die Gewalt in der Ostukraine nimmt wieder zu


Kiew - In der Ostukraine sind bei einem Raketeneinschlag in einen Bus mindestens elf Zivilisten getötet und 13 weitere verletzt worden. Nach Angaben der örtlichen Polizei hatten prorussische Separatisten das Geschoss am Dienstagnachmittag auf einen Kontrollposten der Armee abgefeuert, dabei aber versehentlich den Bus getroffen.

Laut einem Sprecher der ukrainischen Armee fand der Angriff mit einem russischen "Grad"-Raketenwerfer in der Nähe der Ortschaft Bugas rund 35 Kilometer südöstlich der Rebellenhochburg Donezk statt.

Der Chef der Regionalpolizei, Wjatscheslaw Abroskin, bestätigte die Angaben. Die prorussischen Separatisten wiesen die Verantwortung zurück.

Bei den Fahrgästen habe es sich um Zivilisten aus Mariupol am Schwarzen Meer gehandelt, teilte ein ukrainischer Behördensprecher mit. Auf Fotos war ein Bus mit zahlreichen Löchern zu sehen. Auch die Sitze waren durchlöchert. Auf der Straße war eine lange Blutspur.

Kiew und die Rebellen machen sich immer wieder gegenseitig für irrtümliche Raketen- oder Artillerieeinschläge verantwortlich, bei denen Zivilisten getötet oder verletzt wurden. Beide Seiten hatten sich am 9. Dezember auf eine Feuerpause geeinigt, doch seit Ende der vergangenen Woche nimmt die Gewalt in den von den Separatisten kontrollierten Gebieten der Ostukraine wieder zu.

Lage in der Ostukraine erheblich verschlechtert

In den vergangenen 24 Stunden habe sich die Lage erheblich verschlechtert, teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit. Dies gelte vor allem für die Region um den Flughafen in Donezk. Erst am Dienstagmorgen waren erneut ein Soldat und drei Zivilisten getötet worden. Insgesamt wurden in dem Konflikt bereits mehr als 4700 Menschen getötet.

Eine baldige Lösung ist nicht in Sicht. Am Montagabendscheiterte die Terminierung des geplanten Vierergipfels zwischen dem russischem Präsidenten Wladimir Putin, dem ukrainischen Präsident Petro Poroschenko, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande. Eigentlich sollte der Gipfel am Donnerstag in Kasachstan stattfinden.

Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin teilte mit, es sollten nun zunächst Gespräche zwischen Vertretern Kiews und der Separatisten stattfinden. Danach sollten die vier Außenminister Russlands, der Ukraine, Deutschlands und Frankreich erneut zusammenkommen, "um über unsere Fortschritte zu beraten und einen ganz klaren Plan für unsere künftigen Bemühungen festzulegen".

sun/AFP/Reuters/AP



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