Trotz vermeintlicher Waffenruhe Mehr als 1300 Menschen in der Ukraine getötet

Ständig werden neue Waffenruhen in der Ukraine beschlossen. Doch die Kämpfe gehen weiter. Seit dem letzten Abkommen hat die Uno mehr als 1300 Tote gezählt.

Zerstörte Heimat: Eine Frau aus der Ostukraine steht vor dem, was ihr Zuhause war
AFP

Zerstörte Heimat: Eine Frau aus der Ostukraine steht vor dem, was ihr Zuhause war


Kiew/Berlin - Immer neue Waffenruhen werden beschlossen, doch die Kämpfe gehen weiter im Osten der Ukraine. Seit der letzten sogenannten Waffenruhe am 5. September zwischen den von Russland unterstützten Separatisten und der ukrainischen Regierung sind rund 1300 Menschen ums Leben gekommen. Das teilten die Vereinten Nationen in einem am Montag veröffentlichten Bericht mit.

Insgesamt sind seit der ersten Waffenruhe im April mehr als 4700 Kämpfer und Zivilisten durch die Kämpfe getötet worden. Die humanitäre Lage in der Ostukraine ist schwierig. Immer wieder schlagen die Geschosse der ukrainischen Regierungstruppen und der Separatisten ein. Immer wieder treffen sie auch Zivilisten.

"Der Konflikt ist inzwischen im neunten Monat, und die Situation wird immer schwieriger für die Bevölkerung, die noch im Osten des Landes lebt", sagte Zeid Ra'ad Al Hussein, Hoher Kommissar der Uno für Menschenrechte.

Die Zentralregierung in Kiew hat ihre Unterstützung an die Bevölkerung im Osten des Landes vor Kurzem abgebrochen. Sie überweist keine Renten oder Sozialhilfen mehr, weil sie nach eigenen Angaben befürchtet, dass die Gelder in den Händen der Separatisten enden könnten. Dieser Schritt hat die humanitäre Lage für viele Ostukrainer verschärft.

Am Freitag zeigte sich der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erstmals optimistisch: Es sei "das erste Mal seit sieben Monaten", dass in den vergangenen 24 Stunden die Waffen geschwiegen hätten und kein ukrainischer Soldat getötet oder verletzt worden sei, sagte der Staatschef

Russland-Kritiker auf der Krim wurden ermordet

Der Uno-Bericht kritisierte auch "systematische Menschenrechtsverletzungen" auf der Krim-Halbinsel seit März. Russland hatte die zu der Ukraine gehörende Krim damals völkerrechtswidrig annektiert.

Der Bericht beschreibt, dass Krim-Einwohner, die Russlands Vorgehen ablehnten, heftige Konsequenzen zu spüren bekommen: Ihr Hab und Gut wurde beschlagnahmt, manchen werden Probleme wegen ihrer ukrainischen Staatsbürgerschaft gemacht. Der November war der erste Monat, in dem niemand gewaltsam verschwand. In den vorangegangenen Monaten waren immer wieder Russland-Kritiker verschwunden und später ermordet aufgefunden worden.

ras/Reuters



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insgesamt 31 Beiträge
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humorrid 15.12.2014
1. Mit welchen Recht
stoppt Kiew die Auszahlungen von Renten und Sozialhilfen in der Ostukraine? Und warum sagt EU und Sonstige nichts dazu. Vorallem wurden doch die Renten von den Menschen über die Jahre in die Fonds eingezahlt. Sieht so aus, als ob Kiew die Ostukraine an Russland "aus-ektiert"...
nofreemen 15.12.2014
2. nichts neues
In jedem Land der Welt bekommt man früher odet spätet Probleme wenn man es ablehnt. Das ist nicht nicht nur in der Krim so. Tip : die Agression einstellen und es gibt Ruhe.
mickross 15.12.2014
3. Gibt es dazu Quellen die man überprüfen kann ?
" In den vorangegangenen Monaten waren immer wieder Russland-Kritiker verschwunden und später ermordet aufgefunden worden."
überallzuhause 15.12.2014
4. Keine Renten und Sozialleistungen mehr?
Soll das der Ernst der Kiewer Regierung sein? Damit drängt sie ja die Ostukrainer praktisch zum Beitritt zu Russland und sagt "ihr seid Dreck für uns, wir wollen euch hier nicht haben". Das passt übrigens zu einem ihrer Statements, bei dem sie zunächst alle Sympathisanten mit den Separatisten pauschal als Unter-Menschen - subhumans (Hoppla, das ist ja Nazi-Rhethorik!) bezeichnet hat, dann nach heftigen Reaktionen auf Unmenschen - unhumans abgeschwächt hat (was nach meiner Meinung nicht viel besser ist).
AllesnureinWitz 15.12.2014
5.
Zitat von nofreemenIn jedem Land der Welt bekommt man früher odet spätet Probleme wenn man es ablehnt. Das ist nicht nicht nur in der Krim so. Tip : die Agression einstellen und es gibt Ruhe.
Und man kann deswegen überall "verschwinden"? Die Putinfans lassen ihre Masken fallen, Folge 101.
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