Ukraine-Krise Armee rückt auf Millionenstadt Donezk vor

Die Rebellenhochburg Slowjansk ist schon erobert - nun nähert sich das ukrainische Militär der Metropole Donezk. Dort halten sich prorussische Milizen zu Tausenden verschanzt. Es droht ein Belagerungszustand.

DPA

Donezk - Die Offensive im Osten der Ukraine geht weiter, die Armee des Landes ist auf dem Vormarsch. Nach der Einnahme der Separatistenhochburg Slowjansk sind die Truppen von Präsident Petro Poroschenko weiter Richtung Donezk vorgerückt. Einer der Anführer der prorussischen Aufständischen räumte am Sonntag ein, dass die Rebellen über Nacht die Städte Druschkiwka und Kostjantyniwka aufgeben mussten.

Es sind die größte Erfolge der Armee in ihrem seit Wochen andauernden Einsatz im Osten des Landes. Trotzdem schwor Poroschenko die Streitkräfte und die Bevölkerung auf einen harten Kampf ein: "Ich bin weit entfernt von Euphorie", sagte der ukrainische Präsident. "Die Lage ist sehr schwierig." Die Separatisten hätten sich in den Großstädten "eingegraben, und vor uns liegen viele Herausforderungen".

Vor allem Donezk gilt ihnen als wichtige Hochburg und als Rückzugsort. Die Stadt ist mit rund 1,1 Millionen Einwohnern die fünftgrößte der Ukraine. Als Zentrum des Kohlereviers Donbass ist sie zudem einer der wichtigen Industriestandorte des Landes sowie Kulturmetropole und Universitätsstadt.

Mehr als 2000 Mann in Donezk verschanzt

Nachdem ihre bisherige Hochburg Slowjansk am Wochenende von den Regierungstruppen erobert wurde, haben sich die meisten Rebellen nach Donezk und in umliegende Ortschaften zurückgezogen. Separatistenführer Denis Puschilin schrieb am Sonntag auf Twitter, Donezk bereite seine Verteidigung vor. "All unsere Truppen sind hier konzentriert. Die Verteidigung von Donezk wird ein Wendepunkt sein. Wir werden siegen." Mehr als 2000 Anhänger der selbsternannten "Volksrepublik Donezk" versammelten sich im Zentrum der Stadt, um ihren Willen zur Verteidigung zu erklären.

Während Präsident Poroschenko triumphierend die Landesflagge auf dem Rathaus von Slowjansk hissen ließ, geben sich die Aufständischen nicht geschlagen: "Wir werden bis zum letzten Blutstropfen kämpfen", erklärte der Rebellenkämpfer Stanislaw in Donezk. Er warf dem Militär vor, bei ihrem Vorgehen gegen die Rebellen "das Volk auszurotten".

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP rollten am Sonntag Dutzende Fahrzeuge mit bewaffneten Aufständischen durch die Industriemetropole. Auch fünf gepanzerte Truppentransporter gehörten zu dem Konvoi, der durch eine der großen Einkaufsstraßen rasselte.

Es droht ein Wassermangel in der Millionenstadt

Als Hauptquartier der Aufständischen dient der ehemalige Sitz der Regionalverwaltung, der Anfang April von den Rebellen erstürmt wurde. Bewaffnete sind davor als Wache postiert. Auch der Flughafen wird von den ukrainischen Regierungstruppen gehalten.

Über die Medien werden auch in Donezk die Erfolgsmeldungen der Regierungseinheiten kolportiert. Übergangsregierungschef Arsenij Jazenjuk erklärte am Sonntag die "militärische Operation zur Befreiung von Slowjansk und Kramatorsk für beendet", Poroschenko rief dazu auf, "die Umzingelung der Terroristen zu verstärken".

Die Aufständischen wappnen sich daher für einen Belagerungszustand. Es sei "möglich", dass sich die Truppen um das größte Zentrum der Aufständischen zusammenziehen, sagt der Vize-Vorsitzende der Volksrepublik Donezk, Andrej Purgin, der Agentur AFP. Draußen vor der Stadt sei bei Gefechten ein Kanal zerstört worden, sagt der Rebellenführer. Die Stadt werde "in einer Woche" von der Wasserversorgung abgeschnitten sein.

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jok/bor/Reuters/AFP/dpa

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irrenderstreiter 06.07.2014
1.
Was daran sinnvoll ist Verhandlungsangebote zu machen, während man gleichzeitig ganze Ortschaften zusammenschießt, erschließt sich mir nicht. Für sehr bedenklich halte ich, dass die Opfer in der Zivilbevölkerung, die das Vorgehen fordert, in keinem der Artikel der letzten Zeit auch nur erwähnt werden.
gepo37 06.07.2014
2. Verhängnisvoller Irrtum
So läßt sich kein Frieden auf Dauer erreichen!
Marcus_XXL, 06.07.2014
3. Selbst wenn die Regierungstruppen die Oberhand gewinnen,
dann wird sich in diesen Städten für die nächste Zeit kein Soldat/Polizist oder Bürokrat dem sein Leben lieb ist außerhalb eines gepanzerten Fahrzeugs bewegen können. Ich wage mal die Prognose: Der Hass der Menschen dort auf Kiew wird Terrorismus hervorbringen und die Regierungstruppen werden -zumindest dort- die Früchte ihrer Granaten kaum genießen können
longshanksedward8 06.07.2014
4. Herr Putin scheint momentan kein Interesse
an dem militärischen Konflikt zu haben, sonst wäre bereits die gesamte Ukraine russisch okkupiert. Vermutlich wartet er ab, ob Herr Poroschenko sich eines bereits geschlossenen Deals würdig erweist. Wenn nicht ist er sicher schneller weg als er da war.
j.cotton 06.07.2014
5. Spuk nach dem Spuk
Aber was nach dem Spuk kommen / werden soll in einem gespaltenen, zerstörten und total verarmt-überschuldeten Land wissen Sie wie andere artvwerwandte Geister vermutlich auch nicht. Und ihre Hoheit werden es ja vermutlich einen (Wieder)Aufbau nicht aus der eigenen Portokasse bezahlen wollen und können. (genau so wenig wie der Schokoking) Und ich meine den Spuk, der danach kommt. Denn an einen dauerhaften Frieden dort, in Wohlstand vl. noch dazu, können eigentlich nur Schwachsinnige und extrem Naive glauben. Und so sie schon von der leidenden Bevölkerung schreiben, wissen sie eigentlich wie viele (besser: Wie Wenige!) von dieser Bevölkerung noch dort sind? DARÜBER könnten Sie sich einmal kundig machen!
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