Angst vor Russland Estland und Lettland wappnen sich für "hybriden Krieg"

Das Baltikum fürchtet einen Übergriff Russlands wie in der Ukraine. Lettland und Estland seien auf solch einen "hybriden Krieg" mit irregulären Truppen aber vorbereitet - das erklärten deren Regierungen nun offiziell.

Estnischer Soldat an der russischen Grenze: Angst vor dem Krieg
AFP

Estnischer Soldat an der russischen Grenze: Angst vor dem Krieg


Riga - Lettland und Estland sind auf die Möglichkeit eines "hybriden Kriegs" mit Russland vorbereitet. "Unsere internen Einsatzpläne beinhalten ein derartiges Szenario", sagte der lettische Verteidigungsminister Raimonds Vejonis nun im Fernsehen. Die baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen grenzen im Osten allesamt direkt an Russland.

Als Hybridkrieg gilt eine Kriegsführung mit Soldaten und militärischer Ausrüstung ohne Hoheitsabzeichen, die von Desinformationskampagnen und Cyberattacken unterstützt wird. Mit solchen Mitteln hatte Russland im Frühjahr 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert - und auch darüber hinaus sind in der Ukraine russische Kämpfer im Einsatz. "Wir haben zur Kenntnis genommen, was in der Ukraine passiert ist", sagte Vejonis.

Auch Estland sei für den Fall einer solchen irregulären Invasion gewappnet, sagte Regierungschef Taavi Rõivas. Estland habe Vorkehrungen getroffen und "seine Verteidigung sorgfältig geplant". Rõivas und Vejonis betonten aber, dass die militärische Bedrohung aufgrund der Nato-Mitgliedschaft gering sei.

Keine Chance gegen die russische Armee

Der ehemalige Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte in einem Interview mit dem britischen "Telegraph" jüngst vor einem hybriden Angriff in den baltischen Staaten gewarnt. Damit könne der russische Präsident Wladimir Putin versuchen, die Beistandsgarantie der Nato zu testen.

Lettland, Estland und Litauen standen bis zum Fall des Eisernen Vorhangs ein halbes Jahrhundert lang unter sowjetischer Besatzung. Nun fürchten die drei baltischen Staaten weitere territoriale Ansprüche Moskaus - zumal die drei Länder regelmäßig russische Militäraktivitäten unmittelbar an ihren Luft- und Seegrenzen beobachten.

Die Militär-Gesamtausgaben der drei baltischen Staaten betrugen zuletzt rund 300 Millionen Euro binnen sechs Monaten. So unterzeichnete der estnische Verteidigungsminister Sven Mikser den größten Waffenlieferungsvertrag in der Geschichte des Landes. Lettland kaufte Großbritannien im August für 48 Millionen Euro 123 Kriegsfahrzeuge ab und kaufte im November 800 Panzerabwehrsysteme und 100 Lastwagen aus Norwegen.

Die baltischen Armeen hätten Moskau militärisch kaum etwas entgegenzusetzen. Während der Gesamtetat der drei baltischen Staaten 2014 bei 1,2 Milliarden Euro lag, belief sich Russlands Militärhaushalt im selben Zeitraum auf umgerechnet 60 Milliarden Euro.

mxw/dpa



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