Ukrainekrise Estnischer Polizist als Spion in Russland verurteilt

Harte Strafe nach einem kontroversen Prozess: Ein estnischer Polizist ist in Russland wegen Spionage zu 15 Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Die Umstände seiner Verhaftung sind umstritten, die EU fordert seine Freilassung.

Kohver im Gerichtssaal im russischen Pskow: Ihm drohen 15 Jahre Haft
AP

Kohver im Gerichtssaal im russischen Pskow: Ihm drohen 15 Jahre Haft


Ein russisches Gericht hat einen Sicherheitsbeamten aus Estland wegen Spionage zu 15 Jahren verschärfter Lagerhaft verurteilt. Eston Kohver sei zudem wegen illegalen Waffenbesitzes und unrechtmäßigen Grenzübertritts schuldig gesprochen worden, sagte ein Sprecher des Gerichts in Pskow im Nordwesten Russlands. Der Polizist war unter umstrittenen Umständen im Grenzgebiet zwischen den Ländern im vergangenen September verhaftet worden.

Nach estnischen Angaben wurde Kohver von Agenten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Estland mit vorgehaltener Waffe festgenommen und über die Grenze verschleppt. Der Polizist soll an einem Einsatz gegen grenzüberschreitende Kriminalität beteiligt gewesen sein. Russische Behörden dagegen erklärten, der Mann sei auf russischem Territorium bei einem "Spionageeinsatz" verhaftet worden.

Kohver beteuert seine Unschuld. Seinem Anwalt zufolge berate er derzeit mit Diplomaten, ob er in Berufung gehe.

Verhaftung oder Entführung?

Der estnische Regierungschef Taavi Roivas nannte die Verhaftung eine "gravierende Verletzung des Völkerrechts". Die estnische Außenministerin Marina Kaljurand forderte die sofortige Freilassung Kohvers. Auch die baltischen Staaten Lettland und Litauen kritisierten das Urteil scharf. Kohver werde "für ein Verbrechen verurteilt, das er nie begangen hat", twitterte der litauische Außenminister Linas Linkevicius. Sein lettischer Kollege Edgars Rinkevics schrieb von einer "illegalen Bestrafung und Inhaftierung".

Bereits im März verlangte die EU die Freilassung des Mannes. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini bezeichnete die Verhaftung Kohvers als "Entführung" und sagte, seine Inhaftierung verstoße gegen internationales Recht. Zudem habe der Polizist in Russland keinen fairen Prozess bekommen.

Wegen der Ukrainekrise sind die Beziehungen zwischen Tallinn und Moskau derzeit angespannt. Estland, Lettland und Litauen fürchten eine Ausweitung des Konflikts auf die eigenen Länder. In den Ex-Sowjetrepubliken, in denen eine große russische Minderheit lebt, hat Russlands Vorgehen auf der Krim Sorgen um die eigene Sicherheit ausgelöst.

kop/dpa/AFP

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