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20. November 2014, 10:59 Uhr

Ukraine-Krise

EU drängt Serbien zur Abkehr von Russland

Serbien ist ein enger Verbündeter Russlands, doch das Balkanland will in die EU. Nun verlangt Brüssel eine klare Positionierung in der Ukraine-Krise: Auch Belgrad soll sich an Sanktionen gegen Moskau beteiligen.

Belgrad - In der Ukraine-Krise erhöht Brüssel den Druck auf Serbien, sich gegen seinen engen Verbündeten Russland zu stellen und Sanktionen zu verhängen. Der EU-Beitrittskandidat Serbien sei rechtlich zu den Strafmaßnahmen gegen Moskau verpflichtet, sagte EU-Nachbarschaftskommissar Johannes Hahn der Belgrader Zeitung "Novosti". Bisher hatte sich Serbien geweigert, wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland einzuführen. Im Gegenteil hatte die Wirtschaft des Balkanlandes gehofft, durch die ausgefallenen EU-Nahrungsmittellieferungen seine Exporte nach Russland deutlich erhöhen zu können.

Der EU-Kandidat Serbien ist traditionell der engste Verbündete Russlands auf der Balkanhalbinsel - Russland versteht sich dort als Schutzmacht der Slawen. Die beiden Länder sind zudem durch die orthodoxe Religion, die beiden Weltkriege und zunehmend auch wirtschaftlich eng miteinander verbunden. Im Jahr 2008 hatte Serbien seine Erdölindustrie selbst nach Darstellung des damaligen Wirtschaftsministers Mladjan Dinkic zum Spottpreis an Russland verhökert, um sich das Wohlwollen des öffentlich gelobten "großen Bruders" zu erkaufen. Im Süden des Landes hat Moskau bei der Stadt Nis in diesem Jahr ein "Humanitäres Zentrum" errichtet, das Kritiker als verdeckte Militärbasis bezeichnen.

Moskau und Belgrad intensivieren wirtschaftliche Bande

Aktuell werden immer engere Bande geknüpft: Mitte Oktober reiste Russlands Präsident Wladimir Putin zu einem Kurzbesuch nach Serbien. Anlass war eine Militärparade zum 70. Jahrestag der Befreiung Belgrads von der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Serbiens Präsident Tomislav Nikolic begrüßte Putin überschwänglich: "Serbien wird nicht seine Moral durch falsches Verhalten gegenüber Russland zerstören", versprach er beim Zusammentreffen mit dem Kreml-Chef.

Putin und Nikolic sprachen bei dem Besuch über eine vertiefte wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Staaten. Vorrangig ging es dabei um den Bau der South-Stream-Pipeline, die russisches Gas durch das Schwarze Meer über Bulgarien und Serbien nach Südosteuropa transportieren soll. Die Europäische Union lehnt das Projekt ab. Serbiens Regierung hatte bisher angekündigt, erst mit dem Bau der Pipeline zu beginnen, wenn die EU und Moskau sich verständigt haben.

Die Einflussnahme Russlands auf dem Balkan sieht auch Kanzlerin Angela Merkel mit Sorge. Bei ihrer Rede auf dem G20-Gipfel im australischen Brisbane warf Merkel Putin eine Expansionspolitik über die Ukraine hinaus vor und warnte davor, dass Russlands Präsident sein Großmachtstreben auch gegenüber Ländern wie Moldau oder Serbien betreiben könnte.

Serbien verhandelt seit Januar 2014 mit der EU über einen Beitritt und hofft auf eine Aufnahme in den Staatenbund im Jahr 2020.

anr/dpa/Reuters

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