Kampf um Separatistenhochburg Ukrainische Luftwaffe greift Millionenstadt Donezk an

Der Kampf um Donezk geht offenbar in die entscheidende Phase. Erstmals hat die ukrainische Luftwaffe die Separatistenhochburg bombardiert. Es gibt Berichte über getötete Zivilisten.

DPA

Donezk - Zum ersten Mal hat die ukrainische Luftwaffe in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch das Zentrum der Separatistenhochburg Donezk attackiert. Gegen Mitternacht flogen zwei Kampfjets über die Millionenstadt im Osten des Landes, die von prorussischen Separatisten kontrolliert wird. Wie SPIEGEL-Korrespondent Christian Neef berichtete, feuerten die Maschinen im Tiefflug mehrere Raketen ab. Sie trafen auf eine Straße. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete, ein Geschoss habe einen vier Meter breiten und eineinhalb Meter tiefen Krater in einer Straße hinterlassen.

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Über mögliche Opfer gab es unterschiedliche Angaben. Associated Press berichtete unter Berufung auf Rettungskräfte von zwei verletzten Arbeitern. Die russische Agentur Interfax meldete hingegen unter Berufung auf den Stadtrat von Donezk, dass drei Zivilisten bei den Luftangriffen getötet worden seien.

In der Nacht lieferten sich ukrainische Regierungstruppen und Milizen schwere Gefechte in Donezk, wie SPIEGEL-Reporter Neef weiter berichtete. In der Nähe seines Hotels sei immer wieder Artilleriefeuer zu hören gewesen. AFP meldete mindestens zwei Tote. Nach Angaben der Stadtverwaltung handelt es sich bei den Opfern um Zivilisten. Die ukrainische Armee teilte am Mittwoch mit, dass bei Kämpfen in der Ostukraine in den vergangenen 24 Stunden allein 18 ukrainische Soldaten getötet worden seien.

Die Armee war am Dienstag immer weiter auf Donezk vorgerückt. Das Bürgermeisteramt berichtete von heftigen Kämpfen im westlichen Vorort Petrowski. Laut Nachrichtenagenturen gab es auch in südwestlichen Vorort Mariinka Gefechte. Dort waren regelmäßig Explosionen zu hören, Rauchsäulen stiegen auf. Bei nächtlichen Mörserangriffen wurde ein Elektrizitätswerk in der Nähe von Mariinka beschädigt. Ein ukrainischer Armeesprecher erklärte, die Streitkräfte bereiteten sich auf die Einnahme der Großstadt vor.

Seit Wochen versucht die ukrainische Armee, die Separatisten aus ihren Hochburgen Donezk und Luhansk zu vertreiben. Zwar gelang es der Armee, Slowjansk, Mariupol und andere kleinere Städte zurückzuerobern, doch geriet die Offensive angesichts der heftigen Gegenwehr der Rebellen immer wieder ins Stocken. Die bisherige Strategie in Donezk bestand darin, die Separatisten zu isolieren, bis ihre Ressourcen aufgebraucht sind. Außerdem sollten sie von der russischen Grenze abgeschnitten werden. Kiew und der Westen werfen Russland vor, die Separatisten mit Waffen und Kämpfern zu unterstützen.

Uno warnt vor Verschärfung der humanitären Lage

Die Uno warnte vor einer dramatischen Verschärfung der humanitären Situation in der umkämpften Ostukraine. "Wir sprechen von 3,9 Millionen Menschen, die in einer von der Gewalt heimgesuchten Region leben", sagte John Ging vom Nothilfebüro der Uno am Dienstag in New York in einer Sondersitzung des Sicherheitsrates. "Die Infrastruktur ist zerstört, Strom gibt es kaum und Wasser nur ein paar Stunden am Tag." Jeden Tag würden etwa tausend Menschen aus dem Kampfgebiet fliehen. Seit Beginn des Konflikts seien 1376 Menschen getötet worden, mehr als 4000 seien verletzt.

"Es ist ein echter Krieg", sagte Russlands Uno-Botschafter Witalij Tschurkin, der die Dringlichkeitssitzung gefordert hatte. "Trotz internationaler Abkommen setzt Kiew seine Militäreinsätze fort. Wohngebiete werden beschossen, und es werden sogar Kassettenbomben eingesetzt." Tschurkin sagte, Russland habe 800.000 Flüchtlinge aufgenommen. Laut Uno sind es allerdings 168.000.

Die USA warfen Russland Heuchelei vor. "Russland kann das alles beenden", sagte Vizebotschafterin Rosemary DiCarlo. "Die Gewalt endet an dem Tag, an dem Russland seine Hilfe für die Aufständischen einstellt." Moskau müsse die Ukraine respektieren und die Besetzung der Krim beenden, sagte sie. "Und Russland muss endlich mit der Destabilisierung der Ostukraine aufhören."

heb/phw/AFP/dpa

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insgesamt 177 Beiträge
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wachsamer_bürger 06.08.2014
1. Wer hier Heuchelt fragt sich allerding.
Die USA warfen Russland Heuchelei vor. "Russland kann das alles beenden", sagte Vize-Botschafterin Rosemary DiCarlo. "Die Gewalt endet an dem Tag, an dem Russland seine Hilfe für die Aufständischen einstellt." Wie vermeldet wurde gibt es keinerlei Beweise für die Lieferung von Waffen oder Personal von Russland! Es gibt da lediglich Behauptungen, von Seiten der USA und UK, die auf Annahmen beruhen. OSZE und UN haben keine Anzeichen für militärische Unterstüzung durch Russland gefunden! Selbst der CIA hat keine Beweise. Trotz intensiver Überwachung sind die angeblichen "Ströme von schweren Waffen" nicht ausfindig zu machen!
WILHHERDE 06.08.2014
2. Von der Ukraine distanzieren
Zitat von sysopDPADer Kampf um Donezk geht offenbar in die entscheidende Phase. Erstmals haben Kampfjets der ukrainischen Luftwaffe die Separatistenhochburg bombardiert. Opfer soll es nicht gegeben haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-krise-luftwaffe-greift-separatisten-hochburg-donezk-an-a-984683.html
< Deutschland sollte sich von dieser Ukraine distanzieren, aber schnell. Mit solchen Leuten möchte ich nicht in Verbindung gebracht werden, die bringen ihre eigenen Leute um, legen sogar die eigenen Städte in Schutt und Asche. Gut, dass wenigstens die Tschechen Anfang der neunziger Jahre schlauer waren und die Slowaken ohne Bürgerkrieg in den eigenen Staat entließen.
harry099 06.08.2014
3. warum protestiert frau merkel nicht?
es handelt sich hier um krieg gegen zivilisten.
donnerfalke 06.08.2014
4. Na so was: und keine Opfer
---Zitat--- Opfer soll es nicht gegeben haben. ---Zitatende--- Klar, Luftwaffe bombadiert eine Stadt und es gibt keine Opfer. Geht es noch dümmer? Die sammeln schon seit Monaten Leichen dort und leben ohne Strom und ohne Wasser.
megadyn 06.08.2014
5. UNO-Angaben zu Flüchtlingen
Wie viel Flüchtlinge sind es denn nun? Im Artikel steht "Tschurkin sagte, Russland habe 800.000 Flüchtlinge aufgenommen. Laut Uno sind es allerdings 168.000." In der Bilderserie http://www.spiegel.de/fotostrecke/ukraine-fluechtlingsstrom-nach-russland-fotostrecke-117671.html gleich auf dem ersten Bild steht "Nach Uno-Angaben sind seit Jahresbeginn 730.000 Menschen nach Russland geflohen."
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