Flugzeugabschuss in der Ukraine Merkel und Hollande drängen Putin zu strengen Grenzkontrollen

Der Fall der abgeschossenen ukrainischen Militärmaschine zeigt: Die prorussischen Separatisten sind immer besser bewaffnet. Die Nato berichtet auch über Panzerlieferungen. Der Westen verlangt von den Russen eine bessere Sicherung der Grenze zur Ukraine.

AP/dpa

Berlin/Kiew/Moskau - Nach dem Flugzeugabschuss in der Ostukraine haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef François Hollande gemeinsam mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert. Sie verlangten von dem Kreml-Chef effektivere Kontrolle an der russischen Grenze zur Ukraine. Hintergrund sind vermehrte Hinweise auf Lieferungen von schweren Waffen an die Separatisten.

Sprecher der deutschen und der französischen Regierung erklärten am Samstag, Merkel und Hollande hätten in dem Gespräch mit Putin ihre Bestürzung über den Vorfall ausgedrückt. Dieser zeige die Dringlichkeit eines Waffenstillstands auf, den der ukrainische Präsident Petro Poroschenko angekündigt hatte.

Es sei wichtig, die Voraussetzungen für eine Deeskalation in der Region zu schaffen, hieß es weiter. Vor allem müsse verhindert werden, dass Kämpfer und Waffen über die Grenze in die Ukraine gelangten.

Auch US-Außenminister John Kerry äußerte sich in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow "stark besorgt" über Waffenlieferungen an ukrainische Separatisten. Er habe Moskau erneut dazu aufgerufen, die Unterstützung für die Aufständischen einzustellen, sagte ein hochrangiger US-Außenbeamter am Samstag. Kerry verurteilte zudem den Abschuss des Militärflugzeugs in Luhansk.

Nato-Beweise für russische Panzer in der Ostukraine

Die Nato legte am Samstag erstmals Bildmaterial vor, das belegen soll, dass russische Panzer die Grenze zur Ukraine passiert haben. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") deuten die Aufnahmen des Militärbündnisses darauf hin, dass am 11. Juni drei russische T-64 Panzer über die Grenze in die Ukraine transportiert worden sind und dort in zwei Städten gesehen wurden.

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Kämpfe in der Ostukraine: Flugzeugabschuss in Luhansk
Drei Satellitenaufnahmen der Allianz zeigen ein Militärlager in Rostow am Don. Die südrussische Stadt liegt etwa 75 Kilometer Luftlinie oder 90 Kilometer mit dem Auto vom nächsten Grenzübergang zur Ukraine entfernt. Die Bilder im Einzelnen:

  • In einer ersten Aufnahme vom 30. Mai ist dort nach Ansicht der Nato eine größere Anzahl von gepanzerten Fahrzeugen zu sehen.

  • Auf einem zweiten Bild vom 6. Juni sind diese Fahrzeuge laut dem Militärbündnis verschwunden; dafür sind acht neue Objekte zu erkennen, die die Nato für Panzer hält.

  • Auf einer dritten Aufnahme sollen am 11. Juni zehn Fahrzeuge zu sehen sein, die Panzer sein sollen.

Weitere Aufnahmen zeigen laut Nato dann Folgendes:

  • Ein weiteres Foto zeigt nach Auswertung der Nato, dass drei Panzer auf einen Transporter verladen worden seien.

  • Das nächste Bild ist angeblich eine Aufnahme aus der ukrainischen Stadt Makijiwka, auf der zwei russische Panzer auf dem Weg zu einer Straßenkreuzung zu sehen sind. Vorweg fährt ein Fahrzeug mit russischer Fahne.

  • Es gibt ein weiteres Foto vom 11. Juni, das aus der ukrainischen Stadt Sneschnoje stammen soll, auf dem ein Panzer ohne Hoheitsabzeichen zu sehen ist.

Einem nicht näher benannten Nato-Offizier zufolge vermutet das Militärbündnis deshalb folgenden Hergang: Die Russen hätten zunächst tatsächlich Teile ihrer Panzer aus dem ukrainischen Grenzgebiet abgezogen. Deshalb sei eine wechselnde Anzahl von gepanzerten Fahrzeugen und Panzern zu sehen. Dann hätten die Russen nach Nato-Meinung jedoch wieder andere dorthin gebracht und anschließend drei von ihnen zum Weitertransport verladen, um sie in die Ukraine zu bringen.

Einen Tag später, am Donnerstag, hatte die ukrainische Regierung berichtet, dass drei russische Panzer und mehrere gepanzerte Fahrzeuge die Grenze am Übergang Dovzhansky überquert hätten. Dieser steht unter Kontrolle der Separatisten.

Die USA hatten die Berichte über den Panzertransport für "inakzeptabel" erklärt. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach bereits am Freitag von einer "ernsten Eskalation" der Ukraine-Krise, sollten sich Meldungen bestätigen, dass Russland die Separatisten mit Panzern ausrüstet.

Boden-Luft-Rakete eingesetzt

Für den Abschuss des ukrainischen Transportflugzeugs vom Typ Iljuschin IL-76 am frühen Samstagmorgen benutzten die prorussischen Kämpfer nach Angaben der Regierung in Kiew Boden-Luft-Raketen und großkalibrige Maschinengewehre. Ein Sprecher der Separatisten bestätigte der Nachrichtenagentur Ria Nowosti, das Flugzeug sei mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden.

Aufnahmen einer Überwachungskamera am Flughafen Luhansk zeigen einen kurzen Blitz, als das Flugzeug getroffen wird, etwa 30 Sekunden später explodiert die Maschine beim Aufprall. 49 Menschen, neun Besatzungsmitglieder und 40 Fallschirmjäger wurden Armeeangaben zufolge getötet.

Poroschenko machte prorussische Separatisten für die Tat verantwortlich und drohte mit Vergeltung. Der Präsident rief für Sonntag eine landesweite Staatstrauer aus.

In Kiew demonstrierten Hunderte vor der russischen Botschaft gegen Moskaus Unterstützung der Aufständischen in der Ostukraine. Wütende Teilnehmer der Kundgebung hätten das Gebäude mit Eiern und Feuerwerkskörpern beworfen und eine russische Fahne zu Boden gerissen, berichteten ukrainische Medien. Zudem wurden Autos von Botschaftsangehörigen demoliert. Die Polizei griff zunächst nicht ein.

heb/Reuters/dpa

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Seite 1
humorrid 14.06.2014
1.
Wieder keine Forderungen an Poroschenko. Waffenruhe? Von wegen. Er droht mit Vergeltung. US- Vokabular
derbadener 14.06.2014
2. T64
wenn die Filmaufnahmen echt sind hat man es hier zumindest kampfwertgesteigerte Typen aus den 80 zu tun und die knacken alles und halten mit ihrer Reaktivpanzerung auch einiges aus. also nichts mit altem Kriegsgerät. den Fallschirmjägern wäre marschieren auch besser bekommen als sich direkt als Opfer vor die Flak. Was da in der UA abgeht ist wirklich ziemlich mysteriös.
JayMAF 14.06.2014
3. Ja, was denn nun???
Zitat von sysopAP/dpaDer Fall der abgeschossenen ukrainischen Militärmaschine zeigt: Die prorussischen Separatisten sind immer besser bewaffnet. Die Nato berichtet auch über Panzerlieferungen. Der Westen verlangt von den Russen eine bessere Sicherung der Grenze zur Ukraine. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-krise-merkel-und-hollande-draengen-putin-zu-grenzkontrollen-a-975238.html
Ja, was denn nun??? Stationiert Putin Truppen an der Grenze, plant er - angeblich - einen Überfall. NATO jault und kreischt - Putin zieht Truppen ab. Jetzt soll Putin wieder Truppen an der Grenze stationieren? Spinnen die jetzt alle oder was rauchen die für ein Kraut? Soll doch die Ukraine ihre eigenen Grenzen bewachen. Oder schaffen die das (auch) nicht? Müssen da erst wieder Euro's von der doofen EU fließen? Bloß ein Glück, daß die Ukraine noch nicht in der NATO ist. Die Affen hätten schon längst den Bündnisfall ausgerufen ...
bebe_flusi 14.06.2014
4. der berühmte...
"Hufeisenplan". Jamie Shea. schon vergessen ? - http://derstandard.at/198369
fassungslos14 14.06.2014
5.
Russland ... für mich bereits von der Landkarte entfernt. wie Nordkorea ein schwarzer Fleck.
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